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Forscher denken über das Ende der Welt nach

Medienwissenschaftliche Tagung Forscher denken über das Ende der Welt nach

Eine internationale Tagung der Marburger Medienwissenschaftler zum Thema Weltende findet seit gestern in Marburg statt.

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Professorin Angela Krewani organisiert die Tagung. Archivfoto

Marburg. „Wir leben in einer Welt der Risiken und Krisen. Verschiedene Prophezeiungen und geheime Kalender weisen auf das bevorstehende Ende der Welt hin“, beschreibt die Marburger Medienwissenschaftler Professorin Angela Krewani den Hintergrund, vor dem es zu der Marburger Tagung kam.

Besonders ausgeprägt ist das Thema „Apokalypse“ in Hollywood-Filmen, weshalb es jetzt in den Fokus der Medienwissenschaftler kam. Können die filmischen Darstellungen auch als eine Art Ideenlabor für die Zukunft dienen?

Dieser Frage wollen Krewani und die Mitveranstalterin Dr. Karen Ritzenhoff (Central Connecticut State University) nachgehen und haben zu diesem Zweck Forscher aus Deutschland, der Schweiz, Großbritannien, Frankreich und den USA nach Marburg eingeladen, die bis einschließlich Freitag in Marburg Vorträge auf Englisch halten und sich auch gemeinsam drei Filme zum Thema Weltende anschauen.

Dabei handelt es sich um Stanley Kubricks Film „Dr. Seltsam oder wie ich lernte, die Bombe zu lieben“, „Take Shelter“ von Richard Lester sowie „Melancholia“ von Lars von Trier.

„Mit Vorstellungen des Weltendes und der Apokalypse haben sich besonders Spielfilme, in jüngster Zeit aber auch Computerspiele auseinandergesetzt“, erläuterte Krewani im Gespräch mit der OP. Lange Zeit sei dabei als Weltuntergangs-Szenario der Atomkrieg und die damit verbundenen verheerenden Folgen für Menschheit und Erde benutzt worden. Dieses habe sich jedoch nach dem Ende des Kalten Krieges zwischen Ost und West geändert. Mittlerweile seien in den Filmen als Ursachen des Weltendes große Naturkatastrophen an die Stelle von Atomkriegen getreten.

Spannend an den Filmen über Weltuntergangs-Szenarien sei es, dass darin Muster und Verhaltensweisen durchgespielt würden dafür, was in so einem Katastrophenfall passiere. Eventuell könne man daraus auch Handlungsanweisungen für die Zukunft herausfiltern, erklärt Krewani. „Ungeachtet ihrer Orientierung zur Zukunft hin, können die Katastrophen-Szenarien auch so funktionieren, dass sie gegenwärtige soziale Realität organisieren helfen können“, meint die Medienwissenschaftlerin.

Das Spektrum der Themen bei der Tagung ist breit: Es reicht von der psychokulturellen Analyse der „Ego-Apokalypse“ und der damit verbundenen politischen Entfremdung bis hin zur Analyse der „unsterblichen Untoten“ in Fernsehen und Film nach der menschengemachten Katastrophe vom 9. September 2001 - der Zerstörung der Zwillingstürme des „World Trade Center“ in New York durch islamische Terroristen.

In einem anderen Vortrag geht es anhand des Wim Wenders-Films „Bis ans Ende der Welt“ unter der Überschrift „Sich selbst zu Tode sehen“ um „Die Krankheit der Bilder“. Eine Referentin analysiert auch die ersten Katastrophen- und Untergangsfilme in der Folge des Ersten Weltkriegs wie den Streifen „Die Vier Reiter der Apokalypse“ aus dem Jahr 1921.

von Manfred Hitzeroth

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