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Forschen ohne schlechtes Gewissen

Förderung Forschen ohne schlechtes Gewissen

Cornelia Brendel und Magis Mandapathil sind die ersten Nachwuchswissenschaftlerinnen, die mit der „Anneliese-Pohl-Habilitationsförderung“ ihre Habilitation abgeschlossen haben. Die OP hat sie getroffen.

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Dr. Cornelia Brendel (links) und Dr. Magis Mandapathil sind die ersten zwei Nachwuchswissenschaftlerinnen, die mit finanzieller Unterstützung des Stiftungsprogramms ihre Habilitation abgeschlossen haben.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Wer als Frau eine wissenschaftliche Karriere anstrebt, hat es oft nicht leicht: Nicht nur arbeiten sie häufig in niedriger gestellten Positionen als ihre männlichen Kollegen (bei gleicher Qualifikation), sondern sind zusätzlich herausgefordert, Wissenschaft und Familie unter einen Hut zu bringen.

Kein Wunder also, dass laut Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nur rund 20 Prozent  aller Professoren weiblich sind.

„Kinder und Beruf allein sind schon eine Doppelbelastung“, weiß Cornelia Brendel, selber Mutter von drei Kindern. „Wie soll man da noch forschen?“ Die Hämatologin ist eine von insgesamt sieben Habilitandinnen, die seit 2012 Unterstützung über das Stipendienprogramm „Anneliese-Pohl-Habilitationsförderung“ erhalten (siehe Hintergrund).

Das Geld, das den Nachwuchswissenschaftlerinnen durch das Habilitationsprogramm zugute kommt, können sie individuell einsetzen (siehe Hintergrund). In dieser Form ist die Frauenförderung in Deutschland einzigartig.

„Ich habe sinnvolle Unterstützung in Form von Kinderbetreuung erhalten, die ich an meine Arbeitszeiten als Medizinerin optimal anpassen konnte“, sagt Brendel. „Dadurch konnte ich meine Familie und die wissenschaftliche Arbeit ohne schlechtes Gewissen unter einen Hut bringen.“ Als alleinerziehende Mutter sei sie dafür besonders dankbar. Sie ist sich sicher: „Die individuellle Förderung ist die einzige Möglichkeit, Frauen in der Wissenschaft zu unterstützen.“

Cornelia Brendel und Magis Mandapathil haben im Bereich der Onkologie geforscht und somit einen wichtigen Beitrag im Kampf gegen Krebs geleistet.
Brendel untersuchte die genetischen Eigenschaften von Stammzellen des Bindegewebes und von Leukämiestammzellen.

Dadurch erzielte sie wichtige Erkenntnisse zum Tumorstammzellenkonzept und über Abwehrmechanismen der Zellen gegen Chemotherapie.

Mandapathil untersuchte auf dem Gebiet der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, wie sich eine nachhaltige Hemmung des Immunsystems durch verschiedene Zellen und Botenstoffe auswirkt.

Ihre Arbeit könnte dazu beitragen, dass zukünftig neuartige immuntherapeutische Ansätze von ergänzenden Behandlungen von Patienten mit Tumoren im Bereich des Rachens und Kehlkopfes entstehen. Das Anneliese-Pohl-Programm war für sie „genau richtig“: „Erst das Stipendium gab mir den nötigen Freiraum in der Klinik, um meine Forschung voranbringen zu können.“

  • Hintergrund: Mit dem Programm der Anneliese-Pohl-Stiftung werden Nachwuchswissenschaftlerinnen unterstützt, die nach ihrer Dissertation einen wissenschaftlichen Karriereweg einschlagen wollen. Im Rahmen des Programms erhalten die jungen Medizinerinnen eine Förderung von bis zu 10 000 Euro, die sie individuell einsetzen können. Etwa für Sachkosten für Forschungsprojekte oder aber auch für die Freistellung von klinischen Aufgaben sowie die Finanzierung besonderer Kinderbetreuung.

von Ruth Korte

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