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Forderung: Aus für Autos im Pilgrimstein

Kahle contra Parkhausbau Forderung: Aus für Autos im Pilgrimstein

Parkhaus, Pendler und Probleme: Der Pilgrimstein steht im Zentrum der Verkehrsdebatte in der Universitätsstadt. Die Linke und der Bürgermeister liebäugeln mit einer Sperrung für Autofahrer.

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Einfahrt für Autos verboten, dafür mehr Platz für Radverkehr und mehr Sicherheit auch für Fußgänger: Das fordern die Linken als Neuregelung im Pilgrimstein.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Eine Forderung der Linken sieht eine Beschränkung des Verkehrs vor. Künftig sollen demnach nur noch Anlieger- und Lieferverkehr durch die Straße fahren dürfen, stattdessen solle ein Zweirichtungs-Radverkehr ermöglicht werden. Das Pilgrimstein-Parkhaus solle nur noch von Süden über die Wolfstraße anfahrbar sein. „Man sollte in dieser Straße generell keinen Durchgangsverkehr mehr zulassen. Die alte Stützmauer ist stark beschädigt, nicht auf solche Verkehrsmengen ausgelegt, es ist eng, gefährlich und eine Zumutung weniger für Auto- als vielmehr für Radfahrer - der Pilgrimstein schreit nach Veränderungen“, sagt Henning Köster (Linke). Und diese Veränderungen dürften keinen „überflüssigen, den Verkehr nicht reduzierenden, sondern anziehenden Parkhaus-Ausbau“ - wofür sich eine Mehrheit in der Kommunalpolitik zu finden scheint - beinhalten.

Stadthallen-Besucher, Campus-Fertigstellung, Oberstadt-Stärkung: „Der Wettbewerb um die knappen Flächen wird zunehmen“, entgegnet Andrea Suntheim-Pichler (BfM) während der Sitzung des Verkehrsausschusses. Ähnlich sieht das Dominic Dehmel (SPD): „Die Parkerträge an der heutigen Unibibliothek steigen seit Jahren, das ist ein Beleg dafür, dass das Auto eben doch verstärkt genutzt wird. Es steht also zu befürchten, dass viele Kurzzeitparker kommen. Studenten, die schnell ein Buch aus der UB holen oder zu einer Vorlesung gehen. Das ist eine Entwicklung, die man anerkennen muss. Eine Parkhauserweiterung dient der Prävention von Problemen, die sicher kommen werden.“ Jonathan Schwarz (Linke) bezweifelt das und fordert die Kommunalpolitik auf, „das Verhalten der Menschen dahingehend zu ändern, dass sie den ÖPNV nutzen und den Status quo ändern“.

Parkhaus-Erweiterung:Stellflächen statt Kegelbahn?

Im Magistrat herrschen unterschiedliche Auffassungen um die Zukunft des Pilgrimsteins. Während Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) mit Hinweis auf die Verkehrs-situation in Ketzerbach und Elisabethstraße eine Sperrung ablehnt - „das ist eine arbeitnehmerfeindliche Idee, rund um die Elisabethkirche würde sich nichts mehr bewegen und die Auswirkungen auf die Nordstadt wären extrem“ - äußert Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) zum einen bauplanungsrechtliche (weil denkmalschutzrelevante) Zweifel an der Parkhaus-Nordseiten-Erweiterungsoption. Zum anderen befürwortet er ein Durchfahrtsverbot für Autos an der Stelle. „Der Pilgrimstein ist der denkbar schlechteste Standort für zusätzliche Parkplätze. Richtiger wäre es, ihn für Autos zu sperren, jedenfalls nicht noch mehr Verkehr hinzuziehen“, sagt Kahle. Ein Vorschlag des Bürgermeisters: Die untere Etage, die der Kegelverein SKV Marburg nutzt, zu Pkw-Stellflächen umbauen und den Sportlern eine Alternative zur Verfügung stellen.

Grünen-Politiker Hans-Werner Seitz will aus Richtung Norden kommend ebenfalls nur noch Lieferverkehr und Autofahrer, die explizit das Parkhaus ansteuern, in den Pilgrimstein lassen. Eine reine Süd-Anfahrt des Parkhauses über die Wolfstraße hält er aber für ungeeignet. „Das hätte massive Beeinträchtigungen von Fußgängern und Radfahrern zur Folge, die die Einfahrt zur Hauptstraße queren.“ Zudem sollten erst die Effekte des neuen Parkleitsystems abgewartet werden.

SPD verteidigt neuen Fokusin der Verkehrspolitik

Die CDU lobt die Parkhaus-Erweiterung als „Schwenk hin zu unserer Verkehrspolitik“ und warnt vor einer Straßen-Sperrung: „Alles würde über Deutschhaus-, Bunsen- und Biegenstraße fließen. Das ist ­eine doppelte und dreifache Anwohnerbelastung“, erklärt ­Joachim Brunnet.

Linke und Grüne werfen der SPD vor, den Kurs der vergangenen Jahre zu verlassen und sich stattdessen von den „Bürgern für Marburg“ eine - wie Seitz sagt - „falsche und gegen alle über Jahre gesammelten Erkenntnisse gerichtete“ Verkehrspolitik diktieren zu lassen. Es deute im SPD-Wahlprogramm nichts darauf hin, dass man „plötzlich mehr als einen gefühlten Parkplatzmangel“ ausgemacht habe, ergänzt Köster. SPD-Politiker Fabio Longo kontert: „Eine künstliche, einseitige Zurückdrängung von Individualverkehr wird es mit uns nicht geben, sondern den Versuch, für alle Verkehrsteilnehmer bessere Angebote speziell im öffentlichen Nahverkehr zu machen.“ Den Pilgrimstein brauche man „natürlich weiterhin für Durchgangsverkehr, denn die meisten wollen von der Arbeit nach Hause und nicht ewig lange im Stau stehen oder nur mal eben ins Parkhaus fahren. Das hier ist kein ‚wünsch dir was‘, es gibt reale Zwänge.“

von Björn Wisker

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