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Forderung: „Asylrecht nicht antasten“

Mahnwache für Flüchtlinge Forderung: „Asylrecht nicht antasten“

Mit einer Mahnwache am Marktplatz zeigten Marburger Wissenschaftler und viele weitere Teilnehmer ihre Solidarität mit Flüchtlingen und Kämpfern für Frieden.

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Ein Kind hält bei der Mahnwache ein Plakat hoch, das sich gegen den syrischen Staatschef Baschar al-Assad richtet.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Sechs Männer formen sich zum Schriftzug „Aleppo“ und tragen Schilder mit Sätzen wie „Stop the Bombing! All foreign armies out of Syria!“, zu Deutsch: Stoppt die Bombardements! Alle ausländischen Armeen raus aus Syrien. Andere haben sich Schilder umgehängt, auf denen „Asylrecht nicht antasten“ oder „Asylrecht ist Menschenrecht“ geschrieben steht.

Ein Bündnis aus „Arbeitskreis Marburger Wissenschaftler für Frieden und Abrüstungsforschung (AMW)“, „Asylbegleitung Mittelhessen (ABMH)“ und „Humanistische Union Marburg (HU)“ gedachte vor dem Rathaus mit einer Mahnwache „aller Opfer von Flucht und Vertreibung, von Krieg und Terror sowie von politischer, religiöser oder weltanschaulicher und ethnischer Verfolgung“, wie es in einem Schreiben heißt.

Privatdozent Dr. Johannes M. Becker, Sprecher und Vorsitzender des AMW, hat die Mahnwache in der vergangenen Woche zusammen mit Franz-Josef Hanke, dem Vorsitzenden der HU, kurzfristig auf die Beine gestellt.

Schnell stand fest, dass sich am Tag der Menschenrechte Marburger für Demokratie und Bürgerrechte engagieren sollen. Viele Prominente finden sich auf der öffentlichen Unterstützerliste, darunter Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD), Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (SPD). Doch es gilt nicht nur, an die Kriege und das Leid zu erinnern, sondern auch zu versuchen, etwas dagegen zu unternehmen.

"Kriege, die wir Europäer anzetteln"

Einen Lösungsvorschlag für die Probleme in Syrien, im Irak, in Libyen oder in verschiedenen Regionen Afrikas hat Becker: „Die Politik beschäftigt sich ausnahmslos mit Fluchtvermeidung und dem Abschieben von Flüchtlingen. Dabei müssen wir mehr Flüchtlinge aufnehmen!“

Als Haupt-Fluchtursachen sieht Becker „Kriege, die wir Europäer anzetteln, und den Rüstungsexport“. Deutschland sei drittgrößte Rüstungs-Exportnation, dabei mache die Rüstungsindustrie nur ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Als weiteres Problem führt Becker an, dass „Reiche immer reicher werden und keine Steuern zahlen wollen“.

Dagmar Altroggen-Hasenknopf, eine Teilnehmerin der Mahnwache, fordert die EU auf, ihre Wirtschaftspolitik zu ändern. Becker pflichtet ihr bei, die EU setze ihr Potenzial nicht dafür ein, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich zu bekämpfen.

„Wir schotten uns ab, dabei sollten wir Produkte aus Entwicklungsländern auf unsere Märkte lassen“, sagt er und fordert: „Wir müssen endlich darüber diskutieren, warum die Menschen flüchten. Uns trifft mindestens eine Teilschuld an asymmetrischen Kriegen, die dazu führten und führen, dass derzeit weltweit etwa 65 Millionen Menschen auf der Flucht sind, davon die große Mehrheit, nämlich etwa 75 Prozent, innerhalb ihres eigenen Landes.“

von Yannic Bakhtari

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