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Förderung und Integration sind Fremdwörter

Bulgarien Förderung und Integration sind Fremdwörter

Marburger Spezialisten setzen sich in Bulgarien dafür ein, dass Kinder mit Behinderungen und angeborenen Fehlbildungen besser gefördert werden.

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Professor Helmut Remschmidt (von links), Professor Rolf Felix Maier (UKGM), Detlef Lingemann (Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Bulgarien, Sofia), Virjinia Schwarten, Hans Ordnung (Stiftung Prijateli 2006), Christine Mladenov (Deutsche Botschaft in Bulgarien, Sofia) und  Pia Göbert (UKGM).

Quelle: privat

Marburg. „Kinder mit Behinderungen oder angeborenen Fehlbildungen dürfen nicht einfach in Heime abgeschoben werden“, sagte Professor Dr. Rolf Felix Maier, der Direktor der UKGM-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. Was in Deutschland wie eine Selbstverständlichkeit klingt, darüber herrscht in dem EU-Land Bulgarien noch lange nicht Übereinstimmung. Äußeres Zeichen dafür ist, dass man im Straßenbild von Sofia keine behinderten Menschen sieht. Sie kommen in Bulgarien traditionell früh in Heime, sagt Professor Maier.

Die deutsch-bulgarische Stiftung „Prijateli 2006“ (im Internet: www.prijateli2006.org) hat deshalb mit Unterstützung von „Aktion Mensch“ Fachleute aus Deutschland und Bulgarien zu einem internationalen Symposium „Bedürfnisse behinderter Kinder in Familie und Gesellschaft“ nach Sofia eingeladen, bei dem Themen wie beispielsweise die Situation behinderter Kinder und ihrer Familien, die Betreuung der Mütter vor der Geburt, die Behandlung von Frühgeborenen, Gesundheitsprobleme im ersten Lebensjahr bis hin zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Autismus-Spektrum-Störungen behandelt wurden.

Aus Marburg nahmen der Kinder- und Jugendpsychiater Professor Helmut Remschmidt woei die Kinderärzte Professor Rolf Felix Maier und Pia Göbert (UKGM-Klinik für Kinder- und Jugendmedizin) als Referenten teil. „Behinderte und Fehlgebildete Kinder erhalten in Bulgarien keine Förderung, Integration ist ein Fremdwort“, sagt Professor Maier.

Interesse beim deutschen Botschafter in Bulgarien

In Bulgarien sei  es noch sehr ungewöhnlich, dass sich Wissenschaftler von internationalem Rang mit der Problematik behinderter Kinder und ihrer Familien befassen. Die Veranstaltung fand deswegen auch Interesse beim deutschen Botschafter in Bulgarien.

Neben dem fachlich-medizinischen Austausch diente die Veranstaltung auch dazu, Ärzte, Psychologen, Schwestern, Hebammen, Sozialarbeiter und andere Fachleute in Sofia auf das Hilfsprogramm der Stiftung Prijateli 2006 aufmerksam zu machen, mit dem betroffene Eltern in die Lage versetzt werden, ihr behindertes Kind selbst zu betreuen und nicht einem Säuglingsheim zu überlassen. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Prijateli, Hans Ordnung, Leiter des Kerstin-Heims in Marburg, erläuterte das Konzept und die Angebote der Stiftung.

Nach diesem allgemein als positiv eingeschätzten Auftakt wurde ein weiterer Ausbau der Kooperation zwischen der Marburger Delegation und den Kolleginnen und Kollegen in Sofia vereinbart.

Über Fachleute an die Eltern herankommen

Hebammen aus Sofia waren schon in Marburg. Professor Maier ist sicher, dass die Kooperation der Marburger mit Sofia keine „Eintagsfliege“ ist. Eine Tagung soll in 2016 erneut stattfinden. „Es handelt sich nicht um ein diagnostisches oder ein medizintechnisches Problem, sondern wir wollen Bewusstsein bei den Fachleuten vor Ort verändern“, sagte Maier der OP. Über die Fachleute hoffe man an die Eltern heranzukommen.

Marburg sei für eine solche Bewusstseinsarbeit prädestiniert, meint Maier. „Es steht der Stadt der heiligen Elisabeth mit ihrer langen Tradition bei der Pflege von Schwerkranken gut an, hier etwas zu tun.“

von Till Conrad

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