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Fluthelfer im Einsatz: Von Dankbarkeit und Dauerstress

Hochwasser Fluthelfer im Einsatz: Von Dankbarkeit und Dauerstress

Informationen aus erster Hand. Mit den hessischen Einsatzkräften vor Ort sprach unser Dresdner Kollege Stephan Klingbeil.

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Die hessische Einsatzleitung koordiniert die Arbeiten aus einem Spezialfahrzeug.

Quelle: Stephan Klingbeil

Die hessischen Einsatzkräfte an der Elbe werden noch länger in Sachsen bleiben. Das ließ Gunnar Milberg, Leiter der Abteilung Brand und Katastrophenschutz in Hessen, gegenüber der Oberhessischen Presse durchblicken.Personal würde ausgetauscht. Die Einsatzzeit werde mindestens bis zum kommenden Wochenende, also bis zum 16. Juni, verlängert. Die Pegel der Elbe in der Sächsischen Schweiz und in Dresden sinken. Im nordsächsischen Torgau scheint die Hochwasserscheitel am Freitagnachmittag mit 9u,22 Meter erreicht. Doch das Hochwasser geht nur sehr langsam zurück. Die Sandsäcke durchnässen, der Druck auf die Deiche wächst. Hochwasser und vor allem Aufräumarbeiten werden die Helfer noch über Mitte Juni hinaus beschäftigen, heißt es von Feuerwehrleuten vor Ort.

Von der Situation an den Einsatzorten der Hessen in Dresden, Meißen und Mühlberg an der Elbe an der Landesgrenze von Brandenburg, wollte sich Milberg gestern ein Bild machen. Derzeit sind 970 Feuerwehrleute, Sanitäter und Helfer von der Deutschen Lebensrettung-Gesellschaft aus Hessen im ostdeutschen Hochwassergebiet unterwegs. Meist sichern und erneuern sie Deiche an der Elbe, füllen dafür Sandsäcke und pumpen Wasser aus überfluteten Kellern und kritischen Bereichen.

In Dresden waren hessische Helfer entscheidend daran beteiligt, dass das große Westin Bellevue Hotel am Elbufer nicht absäuft. Auch im japanischen Palais in der Neustadt und in den weiterhin stark betroffenen Flutgebieten in der Dresdner Ortschaft Cossebaude wurden sie eingesetzt.

Einsatzquartier in Schule bezogen

Das derzeitige Personal werde bereits heute zu großen Teilen mit neuen Hilfskräften aus Hessen ausgetauscht. Zirka 500 Männer und Frauen werden dann bis Mittwoch an den bisherigen Standorten an der Elbe eingesetzt. Am Mittwoch soll dieser zweite Trupp abgelöst werden von neuem Personal. Die dann erneut über 900 Mann starken Truppen würden bis zum darauffolgenden Sonntag bleiben. Laut der Technischen Einsatzleitung der hessischen Kräfte in Dresden könnten dabei auch Freiwillige eingesetzt werden, dass bereits jetzt in Sachsen helfen.

Die Technische Einsatzleitung ist in einem laut Milberg rund 370000 Euro teuren Spezial-Feuerwehrfahrzeug untergebracht. Der Wagen parkt in der Hülßestraße im Dresdner Stadteil Reick. Dort wurden Klassenzimmer und Turnhalle des Julius-Ambrosius-Hülße-Gymnasium zum Einsatzzentrum mit Quartier umfunktioniert. Weitere Helfer, die in Dresden und Meißen rund um die Uhr rackern sind zudem in Sporthallen in Gamigstraße und Nöthnitzer Straße in Dresden einquartiert. Ihre Ruhepausen dauern sechs bis sieben Stunden.

Pizza für die Helfer

Die rund 200 Helfer aus Marburg-Biedenkopf und Vogelsbergkreis sind dagegen in einer Turnhalle in dem brandenburgischen Grenzort Falkenberg im dortigen Ortsteil Beyern untergebracht. Von dort aus ging es für sie in das rund 30 Kilometer entfernte Krisengebiet Mühlberg, gestern in den Stadtsteil Martinskirchen. „Die Unterkunft hier ist in Ordnung“, sagt Feuerwehrsprecher Stephan Schienbein. Wie viele andere hessische Hilfskräfte ist auch er überrascht und erstaunt über die Dankbarkeit und Unterstützung der Bevölkerung vor Ort. „Uns wurden zum Beispiel in Dresden Pizzen von Anwohnern spendiert, viele haben sich bei uns für unsere Hilfe bedankt“, sagt Schienbein.

„Ob das auch in einer anderen deutschen Großstadt so gewesen wäre, darf bezweifelt werden“, ergänzt Jürgen Hirzel von der hessischen Feuerwehr. Er arbeitet ebenfalls in dem mobilen Einsatzzentrum in der Hülßestraße. Von dem technisch modern ausgerüsteten Feuerwehrwagen werden die vom Krisenstab des Freistaats Sachsen angeforderten Kräfte, Geräte und Fahrzeuge aus Hessen organisiert. Laut Hirzel stehen momentan 145 Fahrzeuge zur Verfügung. Wo und wie das hessische Personal vor Ort eingesetzt werde, entscheiden jedoch die Lagezentren direkt in den Katastrophengebieten. Anders als noch am Dienstag und Mittwoch kämen nun alle Helfer zum Einsatz.

Erst rund 36 Stunden nach ihrem Eintreffen in Dresden am Dienstagmorgen hatten die hessischen Helfer ihren Einsatzbefehl vom Krisenstab des Freistaats bekommen. Viele der Freiwilligen hatten ihren Unmut geäußert, langweilten sich und wollten endlich loslegen (OP berichtete). Laut Milberg seien nun aber alle Kräfte im Einsatz. Von Frust sei derzeit keine Spur mehr.

Alle gesammelten Informationen zu dem Thema finden Sie hier.

von Stephan Klingbeil

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