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Flugroute und Entfernung verhindern Windräder

Rotmilan Flugroute und Entfernung verhindern Windräder

Wann wurde klar, dass das Rotmilan-Vorkommen am Lichten Küppel auf den Lahnbergen zum Hindernis für das  Windkraft-Projekt wird? Aufklärung gab Stadtwerke-Geschäftsführer Norbert Schüren im Hauptausschuss.

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Ein Rotmilan fliegt über einem Naturpark in Mecklenburg-Vorpommern. Das Flugverhalten des geschützten Vogels spielt eine wichtige Rolle dafür, dass der Windpark am Lichten Küppel nicht errichtet werden darf.

Quelle: Archiv

Marburg. Ende vergangener Woche überraschte eine kurze Pressemitteilung von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) sowohl die Befürworter als auch die Gegner des geplanten Windparks am Lichten Küppel. Darin teilte er mit, dass ein tierökologisches Gutachten zum Rotmilan zum Aus für den Standort führen müsse, an dem die Stadt Marburg und die Marburger Stadtwerke eigentlich zwei Windräder aufstellen wollten. „Die in diesem Jahr durchgeführte aktuelle Analyse des Flugverhaltens der festgestellten Milane hat gezeigt, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Rotmilane auch das Gebiet nutzen, an dem wir Windkraftanlagen errichten wollten“, teilte Kahle mit.

In der Sitzung des Hauptausschusses am Dienstag verlangte Reinhold Becker (Marburger Bürgerliste) Aufklärung von den Verantwortlichen, wieso es erst jetzt zu diesen Erkenntnissen gekommen sei, und wann genau sich die daraus folgende Entscheidung abgezeichnet habe.

Untersuchung zur Brutzeit aktualisiert

Antwort gab Norbert Schüren, Kaufmännischer Geschäftsführer der Stadtwerke, der eigens für den Tagesordnungpunkt „Windpark Lichter Küppel“ Gast im Ausschuss war. Bereits im Jahr 2013 habe es im Vorfeld der Windkraft-Pläne in dem Gebiet auf den Lahnbergen eine erste Großvogel-Untersuchung gegeben. Dabei seien für das Gebiet rund um den geplanten Windanlagen-Standort mindestens sechs Rotmilan-Nester (Horste) verzeichnet worden, von denen jedoch zum damaligen Zeitpunkt keines besetzt gewesen sei.

Die Untersuchung sei nun in diesem Frühjahr, wieder zur Brutzeit, aktualisiert worden. Und in diesem Jahr habe es durch die Gutachter bereits im März eine erste „Rot-Milan-Beobachtung“ gegeben. Ende März oder Anfang April sei dann ein  Horst gefunden worden, der bebrütet wurde. Am Dienstag oder Mittwoch vergangener Woche sei dann die endgültige Bestätigung durch ein Gutachter-Büro gekommen, dass dies auch der Fall sei und dass es noch eine außergewöhnliche Flugroute gebe.

Horst liegt 700 Meter Luftlinie entfernt

Ausgehend von den Beobachtungen der Vogel-Experten wurde auch eine detaillierte Zeichnung der Flugbewegungen angefertigt.

Daraus gehe auch das eher atypische Jagdverhalten des Rotmilan-Paares hervor. Entgegen der sonstigen Gewohnheiten sei das Jagdverhalten so, dass die Greifvögel dabei nicht nur über offenem Feld, sondern auch über Waldgebiet fliegen würden, betonte Schüren. Und das ist noch ein weiteres ausschlaggebendes Kriterium dafür, dass die beiden Windanlagen nicht errichtet werden können, um die Rot-milane davor zu schützen, dass sie in die Rotoren geraten.

Der bebrütete Rotmilan-Horst liegt rund 700 Meter Luftlinie entfernt von dem geplanten Windkraft-Standort. Aufgrund der Handlungsrichtlinien des Landes Hessen gilt erst eine Entfernung eines Rotmilan-Horstes von mehr als 1 000 Metern zu einer Windkraftanlage als unbedenklich. Bei einer Entfernung von bis zu 300 Metern darf eine Anlage auf keinen Fall errichtet werden.

von Manfred Hitzeroth

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