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Flugblatt stellt Ehrung des Dalai Lama in Frage

Ehrendoktorwürde Flugblatt stellt Ehrung des Dalai Lama in Frage

Der 14. Dalai Lama, der am 3. August im Fürstensaal des Landgrafenschlosses die Ehrendoktorwürde der Marburger Universität erhält, ist vielfach ausgezeichnet.

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Der Dalai Lama, hier auf einem Archivbild mit Hessens Ministerpräsident Roland Koch, soll die Ehrendoktorwürde der Marburger Philipps-Universität erhalten,

Marburg. Der buddhistische Mönch Tenzin Gyatso ist das oberste politische und religiöse Oberhaupt der Tibeter. Besser bekannt ist er auf der ganzen Welt seit Jahrzehnten als Dalai Lama. Im Westen lautet die gebräuchliche Anrede für den 14. Dalai Lama „Seine Heiligkeit“.

Doch zugleich hat der 74-Jährige noch einige weitere Ehrentitel, erläutert Franz Binder in seinem 2005 im Deutschen Taschenbuch-Verlag erschienenen Biographie über den aktuellen Dalai Lama. So wird der Dalai Lama unter anderem „Yeshe Norbu“ genannt, was „Wunscherfüllendes Juwel“ bedeutet. Ein weiterer Beiname lautet „Gyalwa Rinpoche“, was „Der kostbare Siegreiche“ heißt. Auch „Kyabgon“, eine Bezeichnung für sehr hoch stehende Lamas eines Ordens gehört zu seinen Ehrentiteln. Zusätzlich nennt man ihn auch „Kundun“, was soviel wie die „Allgegenwart Buddhas“ bedeutet.

Der Fachbereich Fremdsprachliche Philologien der Marburger Universität hatte im Jahr 2006 einstimmig beschlossen, dem Dalai Lama die Ehrendoktorwürde der Philipps-Universität zu verleihen, um ihn „für sein wissenschaftliches Wirken zu würdigen“. In zahlreichen Buchveröffentlichungen habe der Dalai Lama das Wesen des tibetischen Buddhismus in authentischer, aber doch für ein breiteres Publikum verständlichen Form dargelegt, heißt es in der Begründung des Fachbereichs. Zudem habe er viele westliche Wissenschaftler und Studierende auf den Gebieten der buddhistischen Philosophie und der esoterischen Lehren des tibetischen Buddhismus belehrt, so dass sich sein Wissen maßgeblich auch in deren Veröffentlichungen niedergeschlagen hat.

Wenige Wochen vor der Verleihung der Ehrendoktorwürde in Marburg regt sich nun Protest gegen die Verleihung. In einem nicht namentlich unterzeichneten Flugblatt , das der OP vorliegt, melden sich „FreundInnen der Aufklärung und Vernunft“ zu Wort. Sie fragen: „Ist die Ehrung eines religiösen Führers, der von seinen Anhängern als ’Gottkönig’ verehrt wird und sich mit ’Seine Heiligkeit’ anreden lässt, wirklich sinnvoll für das Ansehen einer wissenschaftlichen Hochschule?“ Aus Sicht der Kritiker hat im Fachbereich Fremdsprachliche Philologien „eine Romantisierung und Verklärung des Dalai Lama um sich gegriffen, wie sie in vielen Teilen der Welt um sich gegriffen hat“. Im Flugblatt heißt es auch: „Dem Tibet der Lamas mangelte es an allem, was eine moderne freiheitliche Gesellschaft ausmacht“. In ihrer Kritik berufen sich die Verfasser des Flugblatts vor allem auf das Buch von Colin Goldner „Dalai Lama. Fall eines Gottkönigs“, das dieser vor einigen Wochen in Marburg präsentierte.

von Manfred Hitzeroth

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