Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Flüchtlingszahlen: Landkreis schont Stadt

Asylbewerber Flüchtlingszahlen: Landkreis schont Stadt

Südbahnhof-Areal ja, Sonnenblick-Altbau nein: Der Magistrat verstärkt die Suche nach Flüchtlingsunterkünften. Die Hoffnungen ruhen auf privaten Vermietern, die leerstehende Häuser und Wohnungen haben. Indes wird klar: In Marburg leben derzeit viel weniger Asylbewerber, als die Verteilungsquote vorsieht.

Voriger Artikel
Ruth Klüger erhält Brüder-Grimm-Preis
Nächster Artikel
Besuch bei den "Schwaben" Tunesiens

Hochbetten in Marburger Sammelunterkünften? Der Magistrat lehnt das ab. Im Altbau der Klinik Sonnenblick wird indes wohl kein Flüchtlingswohnheim entstehen.

Quelle: dpa

Marburg. Der Magistrat rechnet in allen Stadtteilen mit vereinzelt verwaisten Immobilien. Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) appelliert an Vermieter, diese zur Verfügung zu stellen: „Es werden immer mehr Leute zu uns kommen, die Wohnungen wollen und brauchen“, sagt er während des „Runden Tischs Integration“ am Dienstagabend. Die Stadtspitze sichert Unterstützung zu, etwa, dass die Kommune anstatt der Flüchtlinge die Mietverträge schließt. Bei angebotenem Wohnraum achte die Verwaltung auf Sanierungs- und Ausstattungsstandards. Ein Richtwert: Für eine drei- bis vierköpfige Familie sollen Dreizimmerwohnungen, rund 70 Quadratmeter, angemietet werden. Dieter Unseld vom Hessischen Flüchtlingsrat wirbt für Untervermietung: „Das bereichert, man macht Erfahrungen, lernt viele tolle Menschen kennen.“

Idee von Ex-Verkehrsdirektor Hans-Christian Sommer: Den Altbau der Klinik Sonnenblick auf den Lahnbergen zu einer Großunterkunft für Flüchtlinge umbauen. „Da gibt es weit mehr als 100 Betten, anstatt das Gebäude abzureißen, sollte man es nutzen, gerade wegen der allgemeinen Wohnungsnot“, sagt er. Problem: Das Grundstück gehört der Deutschen Rentenversicherung, die sich nach OP-Informationen gegen eine dementsprechende Weiternutzung des Gebäudes sperrt. Vaupel: „Dass dort Flüchtlinge unterkommen können, scheint nicht machbar.“

Integration über Sport und Nachbarschafts-Treffs

Unter den 200 Gästen des „Runden Tischs“ forderte eine Teilnehmerin aus dem Ebsdorfergrund, Sammelunterkünfte nicht auszuschließen. „Alte Kasernen, ungenutzte große Gebäude als Wohnanlagen sollte man nicht kategorisch ablehnen“, da es Flüchtlingen „doch erstmal um Sicherheit, Ruhe, Wasser, Essen und ein Dach über dem Kopf“ gehe. Der Magistrat lehnt das Modell ab, will kleine Flüchtlings-Wohngruppen in der Stadt verteilt aufbauen. So, wie am Südbahnhof: „Dort werden wir ziemlich sicher bald Menschen unterbringen können“, sagt Vaupel.

Pro Woche kommen laut Peter Schmidt, Fachdienstleiter Soziales, 35 Flüchtlinge von der Erstaufnahme in Gießen in den Landkreis. Bis Ende 2015 rechnet der Magistrat mit rund 600 Flüchtlingen in Marburg - die meisten stammen aus Syrien, Irak und Somalia.

Laut Verteilungsvorgaben hätte die Universitätsstadt bis jetzt 330 Flüchtlinge aufnehmen müssen - doch hat die zuständige Kreisverwaltung weniger als die Hälfte nach Marburg geschickt. Stattdessen müssen Nachbarkommunen mehr Asylbewerber aufnehmen. „Eine quotierte Zuweisung an Städte und Gemeinden ist im Landkreis bisher noch nicht erfolgt. Die Flüchtlinge werden zurzeit noch dort untergebracht, wo geeignete Unterkünfte zur Verfügung stehen“, sagt Kreisverwaltungs-Sprecher Dr. Markus Morr auf OP-Anfrage. Dass die Stadt bislang weniger aufnehmen musste, liege am angespannten Wohnungsmarkt. 1000 Flüchtlinge leben derzeit im Landkreis, mit weiteren 1000 rechnet die Verwaltung in 2015.

Möbelspenden, Sprachhilfen, Nachbarschaft-Treffs, Vereinssport: Die Teilnehmer des „Runden Tischs Integration“ haben Ideen entwickelt, wie konkret geholfen, ein Willkommensklima erzeugt werden kann. Tanja Bauder-Wöhr (Linke) hofft etwa auf die Integrationskraft von Sportvereinen, Ulrich Severin (SPD) fordert, dass sich Ortsbeiräte und Stadtteilgemeinden zügig mit Flüchtlingsfragen befassen, Anwohner ansprechen. Eingebettet in ein lokales Netzwerk soll sich eine Arbeitsgruppe ab sofort regelmäßig treffen und weitere Integrationsvorschläge erarbeiten.

von Björn Wisker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Dinge, die Sie über Asylbewerber in Marburg wissen müssen

In Marburg werden in den kommenden Monaten Hunderte Flüchtlinge leben. Viele Bewohner besorgt das. Die OP und Peter Schmidt von der Stadtverwaltung beantworten häufig gestellte Fragen.

mehr
Mehr zum Artikel
Runder Tisch Integration
Täglich kommen Dutzende neuer Asylbewerber in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen an, von dort aus werden sie in anderen Kommunen untergebracht. Archivfoto

In Marburg werden in den kommenden Monaten Hunderte Flüchtlinge leben. Viele Bewohner besorgt das. Die OP und Peter Schmidt von der Stadtverwaltung beantworten häufig gestellte Fragen.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr