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Flüchtlingsfrauen lernen das Radfahren

Projekt für mehr Selbstständigkeit Flüchtlingsfrauen lernen das Radfahren

Durch das Radfahren sollen die Frauen unabhängiger, freier sowie selbstbewusster werden und sich selbstständiger bewegen - das erhofft sich zumindest die Stadt Marburg von dem Kurs.

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Eine Teilnehmerin des Fahrradkurses für Flüchtlingsfrauen fährt auf dem Gelände des Verkehrsübungsplatzes in Marburg.

Quelle: Yannick Bakthari

Marburg. „Geradeaus weiter, links, hier jetzt halten, stopp, stopp, nicht weiter, das war ein Stoppschild.“ Deutsche Frauen, die sich um geflüchtete Frauen kümmern, halfen beim Fahren auf dem Verkehrsübungsplatz der Jugendverkehrsschule ihren Schülerinnen, sich im deutschen Straßenverkehr zurechtzufinden. Denn so einfach ist es nicht, wer hat in welcher Situation Vorfahrt, wer Vorrang, was ist beim Fahrradfahren noch zu beachten, um nicht unfreiwillig Ordnungswidrigkeiten oder gar Straftaten zu begehen.

Doch zu Anfang des Fahrradkurses, der den August über dauerte, war von alledem noch lange nicht die Rede. Auf dem Hofgelände des Portals Gissel­berg übten acht Frauen zunächst Balanceübungen und dann auf zehn von der Stadt für den Kurs gesponserten Drahteseln. Mittlerweile ist allerdings nur noch die Hälfte der Teilnehmerinnen übriggeblieben. Die Frauen waren in ihren Herkunftsländern höchstens als junge Mädchen mal Rad gefahren, doch spätestens mit dem Beginn der Pubertät sei es ihnen verboten worden.

Teilnehmerinnen kommen aus Afghanistan, Tschetschenien und Äthiopien

Mit Afghanistan, Tschetschenien in der Russischen Föderation und Äthiopien stammen die drei Frauen, die an der Verkehrsübung teilnahmen, aus mehr oder weniger muslimisch geprägten Gebieten. Dort sei das Fahrradfahren für Frauen verpönt, erklärte Jürgen Hahn-Schröder, der den Kurs zusammen mit der städtischen Koordinierungsstelle für Flüchtlingswesen koordiniert. „Muslimische Gesellschaften ächten Frauen, die Rad fahren, mit der Begründung, dass sie der Sattel erregen würde. Aber in Deutschland war das im 19. Jahrhundert und noch in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht anders, da durften Frauen auch auf Pferden nur seitlich reiten“, bemerkte das Mitglied von Dynamo Bortshausen.

„Alle Achtung vor der ehrenamtlichen Leistung“, sagte Dr. Marlis Sewering-Wollanek (SPD), die Vorsitzende der Gleichstellungskommission. Das Projekt ist zwar von Frauen für Frauen gedacht, doch Hahn-Schröder wurde durch seine Frau auf die Aktion aufmerksam und entschloss sich, mitzumachen. „Flüchtlingskoordinatorin Gudrun Fleck-Delnavaz war mit ­einer Anfrage auf uns ­zugekommen, da haben wir ­sofort zugestimmt“, sagte der passionierte Fahrradfahrer.

Trotz noch großer Probleme mit der deutschen und englischen Sprache erzählten die teilnehmenden Frauen im Gespräch mit der OP, dass ihnen der Kurs und das Radfahren Spaß gemacht habe.

von Yannic Bakhtari

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