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„Flüchtlingen auf Augenhöhe begegnen“

Netzwerk "Bleib in Hessen" „Flüchtlingen auf Augenhöhe begegnen“

Verständnis für die Situation von Flüchtlingen wecken, den Menschen Ängste nehmen - das waren Ziele einer Filmvorführung mit Podiumsdiskussion, die das Netzwerk „Bleib in Hessen“ in Marburg veranstaltete.

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Steffen Rink (von links), Hermann Wilhelmy, Christian Hendrichs und Tina Dürr warben nach der Filmvorführung im „Trauma“ in Marburg für mehr Verständnis für die Belange von Flüchtlingen und wollen durch Aufklärung verhindern, dass Rechtsextremisten die Flüchtlingsströme für ihre Interessen nutzen können.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Gezeigt wurde der Film „Willkommen auf Deutsch“, der an Beispielen sehr kleiner Orte aufzeigt, was für Probleme wachsende Flüchtlingszahlen bringen können. In einem kleinen Dorf bei Hamburg mit schwacher Infrastruktur werden bei 450 Bewohnern etwa 50 Asylbewerber untergebracht. Ängste und Sorgen der Bürger werden ebenso gezeigt, wie die Schicksale der Flüchtlinge in Deutschland. So viel zur Einstimmung aufs Thema, an die die Organisatoren die Podiumsdiskussion anschlossen.

Unter der Moderation von Steffen Rink vom Bildungsträger Arbeit und Bildung saßen auf dem Podium „Bleib in Hessen“-Netzwerkkoordinator Christian Hendrichs vom Mittelhessischen Bildungsverband, Tina Dürr vom „Beratungsnetzwerk Hessen - Mobile Intervention gegen Rechtsextremismus“ und Pfarrer Hermann Wilhelmy von der Evangelischen Flüchtlingsseelsorge Gießen.

Rechte nutzen Vorurteile in der Bevölkerung

„Bleib in Hessen“ ist ein Bleiberechtsnetzwerk, das sich darum kümmert, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen, erläuterte Christian Hendrichs. Beteiligt seien fünf Bildungsträger und Kommunen. Gegründet worden sei das Netzwerk innerhalb eines Programms des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Das Beratungsnetzwerk ist seit 2008 aktiv und steht Kommunen seither bei rechtsradikal motivierten Vorkommnissen zur Verfügung, seit vergangenem Jahr auch präventiv, sagte Tina Dürr. Viele Menschen hätten Ängste und Sorgen, die - ob begründet oder unbegründet - ernst genommen werden müssten, um eine Willkommenskultur zu bereiten. In kleinen Orten glaubten viele Menschen, beim Einzug von Flüchtlingen würden die Grundstückswerte sinken. Andere hätten Vorurteile vor allem gegen „schwarze Männer und lassen ihre Töchter nicht mehr auf die Straße“. Das alles, so Dürr, nehmen rechtsextreme Organisationen wie die NPD auf und versuchten es für sich zu nutzen. Mit Informationsveranstaltungen will das Netzwerk „Bleib in Hessen“ gegensteuern - es gebe viele Gespräche mit den Menschen „und es zeigt sich zum Glück, dass die meisten den Flüchtlingen positiv gegenüberstehen“, sagte Dürr. Immer mehr Ehrenamtliche kümmerten sich auch um deren Belange. Leider gebe es gegen diese dann wieder Drohungen, ebenso wie gegen Politiker, die in ihrer Kommune Flüchtlinge aufnehmen wollen.

Der unklare Aufenthaltsstatus sei ein großes Problem, viele hätten nicht unbegründete Angst vor Abschiebung, das mache den Asylbewerbern Angst und verunsichere sie. „Eine Willkommenskultur ist wichtig“, so Hendrichs, „aber noch wichtiger wäre eine Willkommensstruktur.“ Dezentrale Unterbringung sei ein richtiger Schritt.

Arbeit als Bestandteil der Integration

Seit 2008 hat „Bleib in Hessen“ 28 Prozent der Flüchtlinge, die das Netzwerk betreute, in Arbeit gebracht, berichtete Hendrichs. Arbeit sei ein wichtiger Bestandteil der Integration und helfe den Betroffenen auch, ihr eigenes Leben zu bewältigen. „Und die hohe Zahl zeigt, wie groß die Motivation ist.“ „Wir müssen den Flüchtlingen auf Augenhöhe begegnen“, so Wilhelmys Forderung. Er verwies darauf, dass es in Deutschland viele ehrenamtlich Aktive gibt, die helfen wollten, sich aber zurückgestoßen fühlten, wenn ihre Hilfe vielleicht einmal nicht erwünscht sei. „Auch der Flüchtling hat das Recht, Hilfe abzulehnen, das muss man verstehen“, ergänzte Hendrichs.

Den Menschen, die Asylbewerbern helfen wollen, müssten deren Probleme und Ängste erklärt werden, sagte Wilhelmy, so könne Verständnis geweckt werden. Besonders wichtig sei, nicht nur auf Schwierigkeiten zu verweisen, sondern auch Positives aufzuzeigen.

von Heiko Krause

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