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Flüchtlinge unschuldig an Müll-Wiese

Zeltlager Flüchtlinge unschuldig an Müll-Wiese

Milchtüten, Joghurt-Drinks, Plastik-Verpackungen, Essensreste: Rund um die Erstaufnahme-Einrichtung für Flüchtlinge in Cappel liegt Müll im Gras – obwohl der Dienstleistungsbetrieb Extra-Tonnen aufgestellt haben.

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Entlang der Umgehungsstraße hat sich der im Gras liegende Müll vermehrt, woran die Bewohner des nahen Flüchtlings-Camps schuld seien, wird in sozialen Netzwerken im Internet behauptet – das entpuppt sich aber wohl als Gerücht.

Quelle: Tobias Hirsch

Cappel. Der Grünstreifen entlang der Umgehungsstraße ist zu einer Mini-Deponie geworden. Im Gras liegen viele Gegenstände, selbst eine demolierte Mikrowelle steht im Gebüsch. Es sind die Eindrücke, die Fußgänger und Radfahrer entlang jener Route gewinnen, die täglich Hunderte Asylbewerber vom Zelt-Camp in Richtung Fachmarkt-Zentrum und zurück nehmen. Der Vorwurf, der derzeit im sozialen Netzwerk Facebook kursiert: Die 330 Bewohner der nahen Erstaufnahme-Einrichtung seien daran schuld, dass die Gegend zuletzt immer mehr vermülle.

Faktische Entwicklung, Gerücht oder Zufall? Von zunehmenden Unrat-Problemen ist jedenfalls weder dem Ortsbeirat noch den Behörden etwas bekannt. „Da liegt zwar schon einiges Zeug rum, das ist aber nicht zwingend neu oder gar auf die Flüchtlinge zurückzuführen. Dort sieht es seit längerem unschön aus“, sagt Heinz Wahlers (SPD), Ortsvorsteher von Cappel.

Gerade ein hinter der Hecke liegendes, verwaistes Grundstück sei ein Problem, weil dort häufig Müll abgeladen werde. „Da bemühen wir uns seit geraumer Zeit um Verbesserungen“, sagt Wahlers.  An der Stadtautobahn-Abfahrt an der Südspange sehe es in Bezug auf Verschmutzung aber wesentlich schlimmer aus als entlang der Umgehungsstraße.

Auch der Dienstleistungsbetrieb Marburg (DBM) erkennt „keine signifikante Vermüllung“, über den Mängelmelder der Stadtverwaltung habe es keine Beschwerden gegeben. Es handele sich eventuell um „Verwehungen von Verpackungsmüll“, wie es sie aufgrund der nahen Einkaufsmöglichkeiten in der Gegend bereits in der Vergangenheit gab. Die Müllmenge habe sich seit Einrichtung des Aufnahmelagers nicht verändert. Jedoch: Sollte die Ansammlung von Müll zwischen Camp und Fachmarktzentrum wachsen, seien die DBM bereits vorbereitet „die Behälterzahl zu vergrößern“. Die Flüchtlinge sind Wahlers zufolge aber „eifrig und engagiert“, hielten etwa mit bereitgestellten Papierzangen das Camp selbstständig sauber. Innerhalb der Einrichtung wurden nach DBM-Angaben 15 Mülltonnen bereitgestellt, die dazu genutzt werden, um Müll zu sammeln.

Mülleimer werden täglich geleert

Die in den Tonnen gesammelten Abfälle werden in drei Absetzcontainern zwischengelagert. Darüber hinaus stünden 13 Speiserestetonnen vor Ort, die mit Essensresten befüllt und in der Biogasanlage in Cyriaxweimar entleert und in Energie umgewandelt werden. Alle Tonnen werden täglich geleert. Innerhalb der Einrichtung wurde zudem eine tägliche Reinigung der befestigten Flächen mit einer Kehrmaschine vereinbart.

Außerhalb des Camps wurden laut DBM auf dem Spielplatz „Zum Halmburger“ zusätzliche Papierkörbe aufgestellt. Darüber hinaus befinden sich an den Fuß- und Radwegen in diesem Bereich „eine ausreichende Anzahl Papierkörbe“. Diese würden seit dem Aufstellen der Zelte täglich kontrolliert und geleert. „Auf dem und um das Gelände herum sieht es regelmäßig sehr ordentlich und sauber aus. Im Bedarfsfall wird umgehend gereinigt“, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) auf OP-Anfrage.

Damit die ausländischen Neuankömmlinge über Müllsammlung und -trennung lernen, hat die Stadt im Camp mehrsprachige Info-Blätter zur Verfügung gestellt. Zudem sei das Verfahren über Bilder erklärt. Internationale Hinweisschilder an Abfallbehältern gebe es noch nicht, jedoch würden aktuell  passende Aufkleber entwickelt.

von Björn Wisker

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