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Flüchtlinge bangen um die Atmosphäre im Camp

Schlägerei Flüchtlinge bangen um die Atmosphäre im Camp

Bewohner des Flüchtlings-Camps sind nach einer Schlägerei am gestrigen Morgen bestürzt und besorgt. Einige beklagenAlkoholprobleme mancher Asylbewerber.

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Am Dienstagmorgen gab es nach einem Streit einen Polizeieinsatz in der Erstaufnahmeeinrichtung in Cappel .

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Gegen 9 Uhr brach am Dienstag nahe der Essensaus-gabe in der Erstaufnahme ein Streit aus. Ein 28-Jähriger hat nach Angaben der Marburger Staatsanwaltschaft einen 26-Jährigen angegriffen und mit Faustschlägen verletzt. „Die körperliche Attacke fällt nicht aus dem Rahmen dessen, was passieren kann, wenn Hunderte auf recht engem Raum zusammenleben“, sagt Ute Sehlbach-Schellenberg, Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf OP-Anfrage. Das Opfer, ein 26-Jähriger aus Eritrea erlitt eine Beule am Kopf und eine blutige Lippe.

„Jetzt fühle ich mich ein wenig verunsichert. Ich bin nicht aus dem Bombenhagel gekommen, um hier Probleme mit Gewalt zu bekommen oder selbst irgendwelche Probleme zu machen“, sagt Nazim (39). Der syrische Ingenieur, der zehn Jahre in Saudi-Arabien arbeitete, lebt seit vier Monaten in der Cappeler Erstaufnahme und schildert die Situation im Camp, das derzeit rund 700 Flüchtlinge beherbergt. „Es ist sehr vollgepackt dort drin, viele Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen leben auf wenigen Metern. Streits und Rangeleien gibt es immer mal wieder, aber schlimm geendet ist es bis jetzt zum Glück noch nicht, weil Security und Polizei schnell dazwischengehen.“

Mitbekommen hat die Schlägerei auch Hussein (23). Er habe am Morgen Gebrüll gehört, Sekunden später habe ein Mann blutend am Boden gelegen. Der Student schildert, dass es vor allem aufgrund von Alkoholkonsum immer mal wieder zu Auseinandersetzungen komme. Im Camp herrscht Alkoholverbot, jedoch trinken einige - so schildert es Hussein - außerhalb der Erstaufnahme Bier und Schnaps. „Es sind aber nicht viele, die aggressiv sind und Probleme machen, oft sind es dieselben paar Personen.“ Bei jenen, die schon länger in den Zelten wohnen, herrsche zudem ein Mix aus Frust wegen des langen Asylverfahrens, Sorge um die in Kriegs- und Krisenregionen zurückgebliebene Familie und Langeweile vor - das befördere manches Problem.

Das Leben im Camp sei jedoch trotz der Konflikte „meistens gut“, sagt Nazim. „Angst hatte ich in Syrien, das hier ist nichts dagegen“, sagt Hussein.

von Björn Wisker

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