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Flottgemachtes Fachwerk erhält Preis

Hessischer Denkmalschutzpreis Flottgemachtes Fachwerk erhält Preis

Entzückendes Ensemble: Die Fachwerkhäuser Wettergasse 17 / 19 sind mit dem Hessischen Denkmalschutzpreis ausgezeichnet worden. Eigentümer und Architekten arbeiteten eineinhalb Jahre für die Wiederherstellung.

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Die einst maroden Wohn- und Geschäftshäuser Wettergasse 17 und 19 sind nach eineinhalb Jahren Sanierung hergerichtet und wieder langfristig bewohnbar. Die Art und Weise der Wiederherstellung resultiert im Gewinn des Denkmalschutzpreises 2016.

Quelle: privat

Marburg. Idealismus, geschichtliches Verständnis und Geduld sind es gewesen, die die Eigentümergemeinschaft Achim und Sieglinde Simoni sowie Dirk und Ariane Schneider 
angetrieben haben. Die aus dem Schwalm-Eder-Kreis stammenden Fachwerkliebhaber entschlossen sich, die damals maroden Wettergassenhäuser zu sanieren, sie wieder bewohnbar zu machen.

Jetzt, ein halbes Jahr nach Abschluss der Arbeiten, wird ihnen der Hessische Denkmalschutzpreis 2016 verliehen. „Weil sie sich als Bauherrn in herausragender Weise um die Denkmalpflege verdient gemacht haben“, heißt es von der Jury.

Die Sanierung des Wohn- und Geschäftshauses begann im September 2014 und dauerte bis Februar dieses Jahres. „Das Ensemble besteht heute eigentlich aus drei Gebäuden, wovon bauhistorisch das noch aus dem späten Mittelalter stammende Gebäude Wettergasse 17 – das mit dem Besenladen – das interessanteste ist“, sagt Christoph Irgang, Architekt des Marburger Planungsbüros Oesterle auf 
OP-Anfrage.

Geschicht des Hauses gut nachvollziehbar

Das Gebäude sei zuerst vom Institut für Bauforschung begutachtet, dabei auch Farbuntersuchungen gemacht worden. Die Fachwerkstruktur des Gebäudes habe erst wiederhergestellt werden müssen, bevor die Ausbauarbeiten beginnen konnten. Und im Zuge 
der Sanierung gelang es den 
Marburger Architekten, viele jahrhundertealte Elemente zu sichern.

Die Entwicklungsgeschichte 
 des Hauses Wettergasse 17, das 1545/46 errichtet worden ist, lässt sich laut Irgang nach 
der Sanierung gut ablesen: Es befänden sich sogenannte Füllungstüren aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert im Gebäude, die von einem Restaurator wiederhergestellt wurden, ebenso 
gibt es eine Treppenanlage aus dem 18. Jahrhundert, die im 
19. Jahrhundert im Erdgeschoss ergänzt worden ist.

Die Fachwerkstruktur wurde außen wie innen vielfach freigelegt, „besonders der historische Dachstuhl prägt die Atmosphäre des ausgebauten Dachgeschosses“, sagt Irgang. Die kleinteiligen, mehrflügeligen Fenster in den Giebelwänden aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts seien erhalten, restauriert und mit modernen Innenfenster ergänzt worden. Im Inneren der Gebäude blieben zudem Farbgebungen aus dem 16., 17. und 19. Jahrhundert erhalten.

Kulturminister: „Denkmal eine Zukunft gegeben“

Das benachbarte Gebäude 
 Wettergasse 19 ist 1897 von den Architekten Eichelberg und Dauber errichtet worden. Das bis auf den Kellerraum zur Wettergasse vollständig neu erbaute Gebäude hat ein großes repräsentatives Treppenhaus mit einer Toilette an einem Innenhof und einem Wohnraum zur Wettergasse und einem zur Talseite – „ein typischer Grundriss, wie er in den Nachbargebäuden, die in dieser Zeit entstanden sind, auch zu finden ist“. Die ursprüngliche Innenausstattung mit Füllungstüren, Treppenanlage und Dielenböden sowie zum Teil Fenster noch aus der Entstehungszeit waren zum größten Teil noch vorhanden und konnten gesichert werden.

„Das Gesamtbild ergibt 
eine angenehme und denkmalfreundliche Symbiose aus Historie und unaufdringlichen modernen Elementen“, heißt es von der Jury. „Die Kulturdenkmäler, die wir heute auszeichnen, sind Vorzeigebeispiele der besonderen Güte: Die Besitzer haben 
keine Mühen gescheut, um 
ihrem Denkmal durch eine 
behutsame Sanierung eine 
Zukunft zu geben. Sie haben dazu beigetragen, unsere gemeinsame Geschichte behutsam weiterzuentwickeln“, sagt Boris Rhein (CDU), Landes-Kulturminister bei der Preisverleihung am Dienstag. Und Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege, lobt die „handwerkliche Qualität“ bei der Sanierung.

von Björn Wisker

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