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Fliegerbombe am Bahnhof entschärft

Verkehr rollt wieder Fliegerbombe am Bahnhof entschärft

Sprengsatz entschärft, Alarm aufgehoben: In Marburg hat eine am Dienstagnachmittag entdeckte Fliegerbombe stundenlang den Feierabendverkehr beeinträchtigt, Züge fielen aus, Busse standen ebenso still wie Autos bis in die Innenstadt hinein. 

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Die Bombe in der Neuen Kasseler Straße.

Quelle: privat

Marburg. Bei Bauarbeiten in der Neuen Kasseler Straße, wenige Meter neben den Bahngleisen und unweit der Stadtautobahn, fanden Arbeiter eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg. In rund einem halben Meter Tiefe lag der nach Angaben des Kampfmittelräumdiensts etwa 50 Kilogramm schwere und funktionstüchtige Sprengsatz.

Die Behörden evakuierten daraufhin Wohnhäuser in einem Radius von etwa 300 Metern  – was auch Teile des Ortenbergs betraf. Busse brachten die betroffenen Anwohner vorübergehend in Notunterkünfte in der Georg-Gaßmann-Sporthalle. Der Einsatz dauerte von 14.50 Uhr bis kurz nach 20 Uhr, dem Zeitpunkt, als die Bombe erfolgreich entschärft und entsorgt wurde.

Bei Arbeiten im Neubaugebiet an der Neuen Kasseler Straße ist am Dienstagnachmittag eine 50-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden.

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Im Vorfeld der Bombensprengung in der Neuen Kasseler Straße sind Hunderte Anwohner aus den Wohnhäusern evakuiert worden. Betroffen war das gesamte Gebiet rund um den Hauptbahnhof – auch Teile des Ortenbergs.
Zwischen Hauptbahnhof und Schlosserstraße sowie entlang der Alten Kasseler Straße wurden Hunderte Marburger in Sicherheit gebracht. Im Umkreis von etwa 300 Metern rund um den 50-Kilo-Sprengsatz war das Gebiet für mehrere Stunden abgeriegelt. Züge durften nicht mehr fahren, der Auto- und Busverkehr staute sich zeitweise bis tief in die Innenstadt.

Die Stadtverwaltung richtete wenige Minuten nach Alarmierung das Vereinsheim der Afföllergemeinde als Notunterkunft ein, im Anschluss wurde die Georg-Gaßmann-Halle für alle Betroffenen bereitgestellt. Auch die Menschen aus der Flüchtlingsunterkunft in der Mauerstraße, in der etwa 60 Bewohner leben, mussten vorübergehend in Sicherheit gebracht werden.

Viele warteten bis zur Entschärfung der Bombe durch den Kampfmittelräumdienst am Abend gegen 20 Uhr bei Freunden, tranken Kaffee in der Stadt, fuhren erst gar nicht in die Notunterkünfte.

Die Bombe wurde in etwa einem halben Meter Tiefe bei Baggerarbeiten auf der S+S-Baustelle freigelegt. Das Gelände ist nach OP-Informationen im Vorfeld der Bauarbeiten begutachtet, auf unterirdische Sprengsätze untersucht worden.

„In der ganzen Gegend hier kann sowas liegen“, sagt Jakob Dersch, der gestern an der Polizeiabsperrung stand und die Szenerie beobachtete. Er erlebte den Zweiten Weltkrieg in Marburg mit und erinnert sich an die Luftangriffe, an die Bomben, die rund um den Hauptbahnhof einschlugen.

 Entspannte Polizisten, gelassene Anwohner

„Wir haben damals die Trichter gezählt, von Siemensstraße bis Spiegelslust. Das waren Dutzende.“ Es sei erstaunlich gewesen, wie wenig damals kaputt gegangen sei – aber dass es noch mehrere Blindgänger vielleicht sogar auf der S+S-Baustelle gibt, davon ist Dersch überzeugt.

„Das ist ja genau der Mittelpunkt, genau das Zielgebiet der Alliierten gewesen.“ Luisa Kremer (22), Studentin, die vor der Polizeiabsperrung stand, schwankte zwischen Anspannung und Gelassenheit: „Sowas kann einem ja nur mitten in der Prüfungszeit passieren. Jetzt kann ich nicht mal einen Wäschekorb voller Lernmaterialien packen.“

Georg Schröter wollte hingegen gerade Einkäufe ins Wohnhaus bringen, als er überall Blaulicht sah. Der 63-Jährige wollte „wenigstens die verderblichen Sachen in den Kühlschrank bringen“. Die meisten Anwohner und auch Autofahrer nahmen die stundenlange Sperrung gelassen – auch dank der entspannten Polizisten, die als Erklärer und Wegweiser fungierten.

Auch im Landkreis liegen viele Blindgänger

Hunderte Male erläuterten sie den Vorbeikommenden die Gründe für die Sperrung, vor allem aber Ausweichrouten. „Kann ja niemand was dafür, alle hätten sicher was Besseres zu tun als in der Hitze darauf zu warten, dass bei einer Bombenentschärfung alles glatt geht“, sagt Lukas Szymek (27), der nahe der Videothek wohnt.

Im August 2014 wurde genau gegenüber dieser Baustelle – auf dem Gelände der „Alten Gärtnerei“ – eine ähnliche Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt. Auch damals wurden Hunderte Anwohner in Sicherheit gebracht, Straßen und Hauptbahnhof gesperrt.

Die Zahl der unentdeckten Blindgänger wird deutschlandweit auf rund 100 000 geschätzt. Jährlich werden nach Angaben der Behörden etwa 5500 Blindgänger entschärft. Viele stammen von Luftangriffen der Amerikaner, Briten, Franzosen. Aber auch gefährliches Material von der Wehrmacht – etwa von gesprengten Munitionsdepots – versteckt sich im Erdboden.

Auch im Landkreis, etwa im Wald zwischen Cölbe und Sarnau oder rund um Stadtallendorf.

Die zeitweise gesperrte Neue Kasseler Straße. Foto: Tobias Hirsch

 

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