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Forschung Marburg: Asthma

„Fliegende Fettsäuren“ werden analysiert

Logistisch höchst aufwändig war die Analyse der Milchproben, die das Trinkverhalten der an der Studie teilnehmenden Kinder dokumentieren.
Yvonne Schober und Dr. Andreas Nockher stehen im Institut für Labormedizin an einem Gerät, mit dem die Milchproben analysiert wurden. Foto: Thorsten Richter

Yvonne Schober und Dr. Andreas Nockher stehen im Institut für Labormedizin an einem Gerät, mit dem die Milchproben analysiert wurden.

© Thorsten Richter

Marburg. Die Marburger Wissenschaftler Dr. Petra Ina Pfefferle, Yvonne Schober und Dr. Andreas Nockher untersuchten in Zusammenarbeit mit den Münchner Kollegen Tabea Brick und Markus Ege verschiedene Arten von Milch: unverarbeitete und erhitzte Rohmilch sowie industriell verarbeitete Vollmilch beziehungsweise fettreduzierte Milch. Je stärker die Milch verarbeitet war, desto geringer war der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Der Gehalt an Ome­ga-6-Fettsäuren, bei deren Abbau im Körper überwiegend entzündungsfördernde Derivate entstehen, veränderte sich jedoch kaum.

Das Fettsäure-Profil der Milch wurde im Zentrallabor des Uni-Klinikums mithilfe der Gas-Chromatografie und eines Massenspektrometers bestimmt. Dazu wurden Proben aus ganz Europa analysiert. Die dabei verwendeten Mess- und Untersuchungsmethoden sind so fein, dass pro Probe für die Analyse jeweils ungefähr ein Milchtropfen (also 0,01 Milliliter Flüssigkeit) ausreichend war.

„Die Fettsäuren müssen fliegen lernen“: So beschreibt die Chemikerin Yvonne Schober, die die Analysen ausführte, den Prozess. So würden sie in einen gasförmigen Zustand versetzt, der dann die Bestimmung des Anteils möglich mache.

Gesammelt worden waren die Proben in Röhrchen an den Orten in Europa, an denen für die große Langzeitstudie „PASTURE“ Daten eingeholt wurden. Diese lagen größtenteils in ländlichen Gegenden im Alpenvorland. Das Charakteristikum der Wiesen, auf denen die dortigen Milchkühe weiden, ist ein hoher Anteil von Wiesenblumen.

Bei der „PASTURE“-Langzeitstudie dokumentierten die Mütter in Tagebüchern akribisch das Ernährungsverhalten ihrer Kinder. Unter anderem war auch wichtig, wie regelmäßig sie welche Milchsorte tranken: ob nun Rohmilch direkt vom Bauernhof oder industriell behandelte Milch. Der Milchkonsum der Kinder betrug bis zu anderthalb Liter pro Tag. In die Allergie-Risikostudie wurden aber auch andere Faktoren einberechnet wie familiäre genetische Vorbelastungen.

Proben der Milch, die die Kinder regelmäßig tranken, wurden eingefroren und dann anschließend nach Marburg transportiert, wo sie jetzt in der Biomaterialbank des Uni-Klinikums gelagert sind. In dieser Biobank werden Biomaterialien wie Blut, Speichel, Gewebe, Urin oder Serum systematisch gesammelt, erfasst und für die Forschung bereitgestellt. Zudem können dort Biomaterialien aus wissenschaftlichen Studien gelagert werden.

Verglichen wurden die Milchproben der Kinder, die Asthma-Symptome entwickelten, mit denen der Kinder, die beschwerdefrei blieben.

Die Auswertung der erhobenenen Daten, die zu dem oben beschriebenen Artikel über den Zusammenhang zwischen dem Trinken von Rohmilch und dem Asthma-Schutz führten, erfolgte zusammen mit Medizinstatistikern von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Über ihre Ergebnisse berichten die Forscher aktuell in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Allergy and Clinical Immunology“.

von Manfred Hitzeroth


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