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Fledermäuse suchen Winterquartiere

Tierschutz Fledermäuse suchen Winterquartiere

Noch bis Mitte September suchen sich Zwergfledermäuse in Marburg ihre Winterquartiere. Dabei können sie schon einmal als „ungebetene Gäste“ durch geöffnete Fenster in Gebäude in der Innenstadt einfliegen.

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Die kleinen Zwergfledermäuse haben ein großes Winterquartier im Keller des Landgrafenschlosses.

Quelle: Matthias Simon

Marburg. Wenn jetzt doch noch einmal wärmeres Wetter kommt, könnten in warmen Sommernächten in Marburg vor allem im Areal der Oberstadt gleichzeitig mehrere tausend Jungtiere der Zwergfledermäuse unterwegs sein. „Die jungen Zwergfledermäuse sind sehr neugierig auf der Suche nach geeigneten Winterquarttieren, aber ebenso unerfahren, weil sie erst wenige Monate alt sind“, erläutert der Marburger Biologe und ­Ockershäuser Ortsvorsteher Matthias Simon, der sich seit Jahren für den Fledermausschutz in Marburg engagiert.

Zwar findet seit vielen Jahren ein Großteil der mehreren tausend in Marburg beheimateten Zwergfledermäuse in einem Keller des Marburger Landgrafenschlosses ein Winterquartier (siehe „HINTERGRUND“), aber das gilt nicht für alle Tiere. „Einzelne Jungtiere verunglücken regelmäßig, indem sie beim Absuchen von Gebäudefassaden in offen stehende und meist schräg gestellte Fenster einfliegen“, berichtet Simon. Die eingeflogenen Tiere schaffen es dann nicht mehr, den Raum zu verlassen. Sie rufen aber so laut, dass ihre Artgenossen sie von draußen hören können. Jene Fledermäuse, die dann diese „Hilferufe“ hören, fühlen sich so stark angezogen, dass sie ebenfalls durch die geöffneten Fenster einfliegen. Die Anzahl der eingeschlossenen Tiere kann dann im Extremfall auf bis zu mehrere hundert Exemplare ansteigen.

"Invasionen" vor allem in großen Gebäuden

Dieses Phänomen der in großer Zahl in Gebäude einfliegenden Fledermäusen wird als „Invasionsverhalten“ bezeichnet.

In den vergangenen Jahren gab es diese „Invasionen“ in Marburg regelmäßig, vor allem in warmen Sommern, wie Matthias Simon erklärt. Davon betroffen waren vor allem einige große öffentliche Gebäude der Philipps-Universität wie die ehemalige Uni-Frauenklinik, Pharmaziegebäude oder das Anatomische Institut, aber auch das frühere Hotel „Europäischer Hof“, heute „Marburger Hof“, in der Elisabethstraße. In diesen Fällen, die sich vorzugsweise an Wochenenden ereigneten, mussten die Experten die Tiere in mühevoller Kleinarbeit einzeln aus den Gebäuden heraustragen und aufsammeln.

Doch auch Privathäuser in Marburg können „beflogen“ werden. „Wenn Fledermäuse in Wohnungen einfliegen, sollte man das Fenster vollständig öffnen und unbedingt das Licht löschen. Dann verlassen sie in der Regel ‚freiwillig‘ das Haus“, erklärt Simon. Dabei müsse man aber ein wenig Geduld aufbringen, weil es in der Regel eine Zeit lang dauert, bis sich die Tiere orientieren können und wieder in die Freiheit fliegen.

Es ist allerdings nicht so einfach, die Tiere zu bemerken. Gewisse Indizien kann ein ungewöhnliches Rascheln in den bevorzugt von Zwergfledermäusen angeflogenen Gardinen sein. Auch wenn man dort ein vorher so nicht gehörtes Zetern hört, könnte das auf Zwergfledermäuse hindeuten.

  • Hilfe und Beratung in Bezug auf Fledermäuse leisten die Mitarbeiter des ehrenamtlichen Naturschutzes. Information: Matthias Simon, Telefon 06421/350550 oder Nabu Hessen, Telefon 06441/6790425.
Hintergrund
Marburg ist seit vielen Jahren die Hauptstadt der Zwergfledermäuse Hessens, erläutert der Marburger Fledermausexperte Matthias Simon. Dies liegt daran, dass in einem Keller des Landgrafenschlosses die größte Anzahl an Zwergfledermäusen in Deutschland überwintert. Rund 5000 Individuen zieht es im Winter eines jeden Jahres in das Schloss. Dort suchen die nur 5 bis 6 Gramm leichten Fledermäuse engste Spalten und Hohlräume in dem alten Gemäuer auf, um einen ungestörten Winterschlaf zu verbringen. Zu sehen sind sie kaum, weil die Spalten tief ins dicke Mauerwerk reichen.

von Manfred Hitzeroth

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