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Fingerabdrücke beweisen künftig mehr als bislang möglich

Chemikum Fingerabdrücke beweisen künftig mehr als bislang möglich

Ob dick oder dünn, lang oder kurz: Finger sind für Chemiker eine Fundgrube - weil ihre Abdrücke als „hochkomplexes Substanzgemisch“ gelten, wie eine Expertin in einem Vortrag vor interessierten Laien erklärte.

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Stefanie Pleik vom Bundeskriminalamt sprach im Chemikum über Fingerabdrücke und Beweissicherung.Foto: Heiko Krause

Marburg. Dass Fingerabdrücke bereits seit langer Zeit beweisen können, dass ein Mensch am Tatort eines Verbrechens war, das weiß praktisch jeder. Dass sie jedoch in der Zukunft noch viel mehr Aufschlüsse bringen können, das erfuhren die Zuhörer eines Vortrags von Stefanie Pleik vom Bundeskriminalamt (BKA) am Samstag im Chemikum.

Mit gut 50 Gästen war der Hörsaal sehr gut besucht. Sie arbeite in der Forschungsabteilung des BKA und forsche gerade im Hinblick auf ihre Doktorarbeit, berichtete Pleik. Und diese beschäftige sich mit der Altersbestimmung von Fingerabdrücken.

„Der Fingerabdruck an sich ist ein hochkomplexes Substanzgemisch“, sagte die Chemikerin. Er enthalte vom Protein bis zum kleinsten Biomolekül eine Vielzahl an Stoffen, die es gelte, zu bestimmen. Die chemische Analyse des Abdrucks könne etwas über möglichen Drogenmissbrauch aussagen, genauso über die Verwendung bestimmter Pflegemittel, und so helfen, die Zahl von Verdächtigen einzugrenzen, so Pleik. Aber was noch wichtiger sei: Ihre Forschung solle die Möglichkeit einer exakten Datierung schaffen, denn so könne belegt werden, dass jemand sich auch zum Tatzeitpunkt und nicht nur irgendwann vor Ort befunden habe. „Der Fingerabdruck an sich hat schon Beweiskraft, aber die seines Alters hat eine noch viel höhere“.

Vielzahl neuer Designerdrogen

Jede der vorhandenen Substanzen habe ein anderes Abbauverhalten, was sie in Tests untersuche. Da allerdings die Grundmenge nicht mehr feststellbar sei, gelte es, auch die Vermehrung der Abbauprodukte zu beobachten, um eine Datierung zu gewährleisten.

Zuletzt stelle sich die Frage, ob Fingerabdrücke nach der Bearbeitung durch die Spurensicherung überhaupt noch chemisch zu untersuchen seien. Wenn sie auf glatten Flächen lediglich mit Rußstaub sichtbar gemacht worden seien, sei dies kein Problem, weil sich dieser in der Zentrifuge gut wieder abtrennen ließe. Schwierig sei es aber, wenn sie auf porösen Stoffen, wie beispielsweise Papier, bereits mit Chemikalien behandelt worden seien, so die Expertin. „Fette lösen sich in Ethanol und ansonsten ist eine berührungsfreie Methode der Spurensicherung am besten“.

Zu Beginn ihres Vortrags hatte Pleik bereits auf weitere Forschungsprojekte beim BKA hingewiesen, die in vielen wichtigen Bereichen angesiedelt seien.

So müssten beispielsweise eine Vielzahl neuer Designerdrogen in ihrer Struktur bestimmt werden. Unterschieden diese sich nämlich bei gleicher Wirkung nur marginal von bekannten Betäubungsmitteln, seien sie nicht verboten. Erst nach der Bestimmung könnten auch sie ins Betäubungsmittelgesetz aufgenommen werden.

Überhaupt sei das Hauptgeschäft die Strukturanalyse. „Und dabei finden wir die Nadel im Heuhaufen“, bereits kleinste Rückstände würden mittels hochmoderner Verfahren bestimmt.

Zur Verdeutlichung erläuterte die Expertin Pleik, dass ein einziger Würfel Zucker, der im großen Bodensee gelöst werde, nachweisbar sei.

von Heiko Krause

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