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Figuren lassen die Hüllen fallen

Kunst Figuren lassen die Hüllen fallen

Am Firmaneiplatz sind gestern die fünf Barockstatuen präsentiert worden. Nach Jahrzehnten im Exil in Hatzbach kehrten die Werke Johann Friedrich Sommers zurück.

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Neue Attraktion: Nahe der Elisabethkirche stehen seit gestern fünf 300 Jahre alte Barockstatuen. Foto: Björn Wisker

Marburg. Als Einzelhändler Peter Ahrens auf den roten Knopf drückte, brandete Applaus unter den 200 Besuchern auf. Die Lichtanlage, die abends die fünf Barockfiguren beleuchten wird, in Gang zu setzen, war der letzte Abschnitt eines Projekts, das Jahre zuvor geplant wurde.

„Die Skulpturen, die vor fast 300 Jahren für Marburg erschaffen wurden, sind wieder zuhause“, sagte Margret Lemberg vom Verein Barock in Marburg. Um die Rückkehr der 2,40 Meter hohen Figuren stemmen zu können, finanzierten 280 private Spender mehr als die Hälfte der 175 000 Euro, die für die Restauration und eine Anfertigung von Kopien fällig wurden.

Einst standen Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit und Mäßigkeit - so der Name des Ensembles, das als „Die fünf Tugenden“ bekannt ist - im Alten Botanischen Garten. Vor 150 Jahren wurden sie nach Hatzbach bei Stadtallendorf gekarrt, wo sie seit Ende April nur noch als Kopien stehen.

Die Wahl zur Aufstellung der fünf Tugenden nach ihrer Rückkehr fiel auf den Platz vor dem Fachbereich Geografie beim Deutschen Haus. „So ist der Bezug zum Ritterorden, auf den die Errichtung dieser Kunst zurückgeht, gegeben“, sagt Friedhelm Nonne, Kanzler der Universität. Ein Jahr nahm die Restauration der stark beschädigten Skulpturen in Anspruch. Moos, Algen, Frost und Co. setzten ihnen über die Jahrhunderte zu. Sie drohten auf einer Wiese umzukippen, ihre Sockel waren schon teilweise in der Erde versunken. Die Brüder des Adelsgeschlechts von Knoblauch zu Hatzbach, auf deren Grundstück die fünf Tugenden bis vor kurzem standen, erinnerten sich während der Feierstunde gestern Abend an ihre Kindheit mit den steinernen Kolossen, „die im Gemüsegarten standen und uns damals schon ahnen ließen, dass sie etwas besonderes sind“.

Künstlerisch wertvoll sind die Statuen Lemberg zufolge nicht nur aufgrund des qualitativ hochwertigen Steins, den Bildhauer Johann Friedrich Sommer vor rund 300 Jahren nutzte. „Die Variation von Stand- und Spielbein, die Bewegung in den Körpern und die Gesichtsausdrücke sind bemerkenswert“, sagte sie.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) verspricht sich von den Bildnissen einen Schub für den Tourismus. „Marburg ist um eine Attraktion reicher. Es war die richtige Entscheidung, die Kunstwerke nach Hause zu holen.“

Um die Kunstwerke künftig vor Schmierfinken zu schützen, werden alle Bildnisse mit speziellem Graffiti-Schutz versehen.

von Björn Wisker

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