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Feuerwehren sauer auf Hessen Mobil

Nach Unfall bei Göttingen Feuerwehren sauer auf Hessen Mobil

Ehrenamtliche Feuerwehrleute räumten bei Göttingen einen verunglückten Lkw leer. Die zuständige Straßenmeisterei widmete sich derweil anderen Aufgaben. Das kann nicht wahr sein, findet Kreisfeuerwehrverbandsvorsitzender Lars Schäfer.

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Die Helfer der freiwilligen Feuerwehren waren bis zum Montagabend damit beschäftigt, die Ladung des bei Göttingen verunglückten Lkw zu bergen.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. OP-Redakteurin Marie Lisa Schulz schrieb in ihrem Bericht über die Vollsperrung der B62 am Montag: „Während die Autofahrer fluchen, nutzen die Mitarbeiter von Hessen Mobil die Gunst der Stunde. Mit drei Teams schwärmen sie aus, um anstehende Arbeiten auf dem für den Verkehr gesperrten Streckenabschnitt zu erledigen. Brücke reinigen, Grünflächen schneiden, kleine Reparaturarbeiten.“

Hessenmobil hätte das selber hinkriegen können

Dem Chef des Kreisfeuerwehrverbands stießen diese Zeilen übel auf. Lars Schäfer schimpft: „Während ehrenamtliche Einsatzkräfte über viele Stunden damit beschäftigt waren, die Ladung des umgestürzten Sattelzuges zu bergen, hat die eigentlich zuständige Stelle, nämlich Hessen Mobil, die Gunst der Stunde genutzt, um an der ohnehin gesperrten Bundesstraße Rasen zu mähen oder Brücken zu pflegen. Das ist für uns nicht nachvollziehbar und grenzt an einen Skandal.“ Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes geht noch weiter: „Hier wurden offensichtlich ehrenamtliche Feuerwehrleute missbraucht.“ Denn „Aufgabe der Feuerwehr sei die Gefahrenabwehr und nicht die Ladungsbergung. Wir sind nicht die Hilfsarbeiter für Hessen Mobil“, so Schäfer.

Hessen Mobil sei der zuständige Straßenbaulastträger und die originär zuständige Stelle für solche Arbeiten. „Die freiwilligen Feuerwehren sind gerne bereit, im Rahmen der Amtshilfe auszuhelfen, wenn die zuständigen Stellen nicht in der Lage sind, zu helfen, Eile geboten ist oder spezielle Kompetenzen oder Geräte der Feuerwehr erforderlich sind.“ Das sei aber offenbar nicht der Fall gewesen - Hessen Mobil habe offenkundig genug Personalreserven gehabt, um die Bergungs- und Reinigungsarbeiten selbst auszuführen.

„Die Feuerwehrleute waren über viele Stunden, teilweise seit nachts dort im Einsatz, viele konnten nicht zur Arbeit gehen oder wurden von dort weggerufen, um für Hessen Mobil die Straße zu sperren und zu reinigen. Das ist ein Unding“, so Schäfer, der zudem kritisiert, dass sich Hessen Mobil erst ab 7.30 Uhr zuständig fühlte, wobei der Einsatz für die Ehrenamtlichen schon mit der Unfallmeldung um 1.34 Uhr begann.

Das war keine Notlage

Einsatzkräfte, die im Notfall zur Stelle sind, um Menschenleben zu retten, Brände zu bekämpfen oder in anderen Notlagen zu helfen. „Das Entladen von Speiseölflaschen aus einem umgestürzten Sattelzug und das Sperren und Sichern von Straßen ist aber beim besten Willen keine Notlage“, stellt Schäfer fest. Er wünscht sich für die Zukunft, dass Hessen Mobil die freiwilligen Feuerwehren mit mehr Augenmaß einsetzt und auch eigene Ressourcen nutzt. „Die werden schließlich dafür bezahlt“, so Schäfer.

Hessen Mobil äußerte sich gestern noch nicht zu den Vorwürfen. Der Regionale Bevollmächtigte für Westhessen, Willi Kunze, verwies aber darauf, dass Hessen Mobil oder das zuständige Ministerium in Wiesbaden dazu zeitnah eine abgestimmte Mitteilung herausgeben würden. Diese traf bis Redaktionsschluss allerdings nicht ein.

So wie Schäfer es formuliert, steht es übrigens auch im Hessischen Brandschutzgesetz (HBKG): Die Aufgaben von Feuerwehren ist der vorbeugende und abwehrende Brandschutz, sowie ganz allgemein die Gefahrenabwehr. Ob ein stundenlanger Reinigungseinsatz zur akuten Abwehr von Gefahren von Menschen, Tieren, oder der Umwelt dient, ist fraglich. Die hiesigen Feuerwehrmänner und -frauen scheinen indes eine klare Meinung zu haben: Wenige Minuten nach Erscheinen der Pressemitteilung auf der Website des Verbandes wurde der Link Dutzende Male auf Facebook geteilt, weitergeleitet und mit Worten wie „Das ist echt der Hammer....“ kommentiert.

von Jonas Hielscher und Michael Agricola

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