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Feuerwehr fordert Ersatzwohnungen

Jahreshauptversammlung Feuerwehr fordert Ersatzwohnungen

Neben dem "Tagesgeschäft" ging es bei der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Marburg-Mitte um die Pläne des Magistrats, die Dienstwohnungen der Feuerwehr künftig anders zu nutzen.

Marburg. Schwerpunkt der Diskussion am Freitagabend war der mögliche Wegfall der Dienstwohnungen auf der Hauptwache zugunsten der Ordnungspolizei. Am Ende einer emotionalen Aussprache, zu der auch Ordnungsamtsleiterin Regina Linda eingeladen worden war, stand die Erkenntnis, dass die Stadtverordnetenversammlung parallel beschlossen hatte, eine Entscheidung nur im Einverständnis mit der Wehr treffen zu wollen. Wehrführer Dirk Bamberger und der Sprecher der ehrenamtlichen Einsatzkräfte, Jens Seipp, betonten, die Diskussion fange jetzt bei Null an. So könne man maßgeblichen Einfluss auf die Entscheidungen ausüben.

Letztendlich wurde bei einigen Enthaltungen ein Antrag der Führungskräfte beschlossen, laut dem der Magistrat beim möglichen Wegfall für fußläufigen Ersatzwohnraum sorgen soll. Dabei sollen fünf Wohnungen fußläufig zur Wache familientauglich, fünf weitere sollen für Studenten geeignet sein. Die Feuerwehr Marburg-Mitte rekrutiert einen großen Teil seiner Einsatzkräfte aus der Studierendenschaft. Hauptargument für den Erhalt der Wohnungen war die Ausrückzeit. Bei Wohnungen in der Nähe werde sich diese verzögern und so könnte auch die gesetzlichen Hilfsfristen nicht eingehalten werden. Dem hielt Kreisbrandinspektor Lars Schäfer, selbst Mitglied der Marburger Wehr, entgegen, dass Feuerwehrleute aus den bestehenden Wohnungen noch keine Staffelstärke bildeten, auf weitere Einsatzkräfte müsse gewartet werden. Ziel müsse es sein, mehr fußläufigen Wohnraum in der Nähe zu finden, wie es sich im Antrag auch widerspiegelt.

Schäfer und Linda verwiesen auf Synergieeffekte, wenn die Ordnungspolizei vor Ort sei. Im Katastrophenfall müsse zudem zusammengearbeitet werden. Auf Nachfrage berichtete Linda, dass eine Vielzahl anderer Standorte für die Ordnungshüter geprüft worden seien, ein geeigneterer Standort als die Feuerwache sei nicht gefunden worden. Im übrigen liege die Entscheidung bei der Politik und nicht bei der Verwaltung. Bamberger machte klar, dass er aufgrund dessen, „dass die Hauptfeuerwache aus allen Nähten platzt“, die Lösung des Problems im Neubau auf dem Gelände der jetzigen Universitätsbibliothek sehe. Darüber solle sich die Politik Gedanken mache, sagte der Wehrführer. Er räumte jedoch ein, dass bereits eine Aufstockung bestehender Gebäude an den zu hohen Kosten von zwei Millionen Euro gescheitert sei.

Einmütig begrüßt wurde die Entscheidung des Stadtparlaments, die Einrichtung einer Werksfeuerwehr für das Uni-Klinikum auf den Lahnbergen zu forcieren. Laut Seipp könne es nicht sein, dass die Feuerwehr Mitte bis zu 50 Mal ausrücke, größtenteils wegen Fehlalarmen. Bamberger verwies auf die große Belastung der Einsatzkräfte. Insgesamt seien 300 Einsätze gefahren worden. Seipp monierte, dass ehrenamtliche Feuerwehrleute noch eine große zusätzliche Belastung für ein gewinnorientiertes Unternehmen auf sich nehmen müssten.

Werner kritisiert Verzögerungstaktik

Die Leiterin der Marburger Feuerwehr, Carmen Werner, berichtete, dass es große Probleme gebe, mit den Verantwortlichen des Universitätsklinikums ins Gespräch zu kommen, was die lange geforderte Werksfeuerwehr betrifft. Werner sprach hier von „Verzögerungstaktik“. Jetzt habe es allerdings durch das Regierungspräsidium Gießen eine Anhörung und vorläufige Entscheidung gegeben. „Es gibt einen überschaubaren Zeitplan für die Einrichtung einer Werksfeuerwehr“.

Eine Anpassung der Alarm- und Ausrückordnung habe bereits zu einer deutlichen Verbesserung des Zielerreichungsgrades für die Bereiche Richtsberg und Lahnberge geführt, so Bamberger. Die neue Wehr in Bauerbach werde entsprechend des Bedarfs- und Entwicklungsplanes zudem zu deutlichen Verbesserungen führen. Alle für die in der Planung angestrebten Qualitäts- und Schutzniveauziele erforderlichen Maßnahmen seien umgesetzt worden. Bamberger kritisierte jedoch die große Belastung seiner Wehr: „Alles das, was uns zusätzlich belastet, wurde realisiert“. Die Werksfeuerwehr auf den Lahnbergen gebe es allerdings noch nicht und der geplante Wegfall der Wohnungen erscheine ihm bei der Verteilung von Lasten „doch recht einseitig“. Und das, obwohl die freiwilligen Kräfte anstelle einer Berufsfeuerwehr der Stadt und somit dem Steuerzahler Millionenbeträge sparten.

Auf der Tagesordnung stand noch eine besondere Ehrung: Für sein herausragendes Engagement erhielt Hermann Ziegler den Bronzenen Schild der Freiwilligen Feuerwehr Marburg.

von Heiko Krause

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