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Feuer und Flamme treffen Regen und Blitz

Museumssonntag Feuer und Flamme treffen Regen und Blitz

29 Museen im gesamten Landkreis beteiligten sich gestern am Museumssonntag, der in diesem Jahr unter dem Motto „Feuer und Flamme“ stand.

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Die Kinder hatten trotz des Schmuddelwetters auf der Zeiteninsel Spaß: Das Feuer der Feldschmiede wurde kurzerhand für Stockbrot genutzt.

Quelle: Andreas Schmidt

Marburg. „Willkommen auf der Zeiteninsel - wir haben gerade leider Land unter“, begrüßte Meike Schuler die Besucher des archäologischen Freilichtmuseums in Argenstein. Viel hatte sich der Förderverein vorgenommen: So sollte die Metallverhüttung in einem Lehmofen demonstriert werden, Lachs wollte man räuchern, auf dem offenen Feuer im Kugeltopf kochen oder Keramik brennen.

Doch pünktlich mit dem Aufbau zuckten zunächst Blitze am Himmel - und dann regnete es wie aus Eimern. Die Wiese verwandelte sich in Schlamm, auch die wenigen Zelte boten nicht viel Schutz. Doch davon ließen sich die leider viel zu wenigen Besucher die Laune nicht verderben: Vor allem die Kinder funktionierten die römische Schmiede direkt zum Stockbrot-Grill um. Und auch, wenn das Experiment „Birkenpech herstellen“ in der Glut durch den starken Regen nur ein Teilerfolg war: Spaß gemacht hat es den Anwesenden trotzdem.

Auch in Friedensdorf hielt sich der Besucherandrang in Grenzen. Dabei hatten drei Generationen der Familie Gerlach sowohl das alte Backhaus als auch die darin enthaltene Schmiede in Betrieb genommen. Herrmann, Matthias und Michael Gerlach holten das knusprige und duftende Brot aus dem Ofen, feuerten dann die Schmiede an - und wurden so dem Motto des Museumstags vollauf gerecht. „Das Brot ist uns nicht so gut gelungen, die Konsistenz des Teigs stimmte nicht“, meinte Matthias Gerlach. Es handele sich „um ein Experiment, denn das Thermometer für den Backraum des Ofens haben wir gerade erst repariert“, erklärt er. Früher habe es entweder 0 oder 1200 Grad angezeigt, „das machte das Backen zum Ratespiel“. Und siehe da: Dank des reparierten Temperaturmessers kam das Brot knusprig-braun und lecker duftend aus dem Ofen - fanden auch die Besucher.

Ein loderndes Feuer wurde auch im Heimatmuseum „Alte Schmiede“ in Großseelheim entfacht. Das Haus des Museums stand früher auf dem Frauenberg, wurde dort es dann abgebaut und 1871 in Großseelheim wieder aufgebaut - dank Fachwerkbauweise kein Problem. Seither befindet sich dort die Schmiede, in der Volker Bender gestern bereitwillig Fragen beantwortete und seine Arbeitsweise erklärte. Bender hatte als Schaustück auch eine kleine geschmiedete Kutsche samt Pferd mit dabei. „Da stecken gut 50 Arbeitsstunden drin“, sagte er, während er einen Messer-Rohling bearbeitete.

Einen Überblick über die Verwendung von Feuer und Licht im Lauf der Jahrhunderte gab es bei der Themenführung „Feuer und Flamme“ im Marburger Landgrafenschloss. Das hatte bereits von jeher eine Fußbodenheizung, wie Führer Sebastian Wolf berichtete. Der Ofen, heute noch als Mauerdurchbruch zu bestaunen, heizte den Westflügel des Schlosses, in dem die Frauen untergebracht waren. „Aber auch der Landgraf wollte auf diesen Komfort nicht verzichten. Deshalb hatte er ein Zimmer in unmittelbarer Nähe“, verriet Wolf.

von Andreas Schmidt

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