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Feste Zukunftsperspektive fehlt oft

Forschung Marburg Feste Zukunftsperspektive fehlt oft

Wie treffen Abiturienten ihre Studien- und Berufswahl? Das wollen Marburger Psychologen unter Leitung von Professor Gerhard Stemmler in der Studie mit dem Titel "Bildungsbiographien" erkunden.

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Raoul Neu (von links), Professor Gerhard Stemmler, Melissa Muster und Dr. Jutta Margraf-Stiksud debattieren über erste Ergebnisse der Studie „Bildungsbiographien“. Foto: Manfred Hitzeroth

Marburg. Abi - und was dann? Die Abiturienten feiern nach dem erfolgreichen Abschluss des Studiums zunächst einmal ausgiebig. Doch auch sie wissen, dass dies nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum späteren Beruf darstellt. Der Marburger Psychologie-Professor Gerhard Stemmler möchte mit den Mitgliedern seiner „Arbeitsgemeinschaft Persönlichkeit und Diagnostik“ erkunden welche Studien- oder Berufswünsche bei den Abiturienten vorliegen.

Ein Jahr nach einer ersten Befragung von Schülern und deren Eltern werden diese erneut interviewt, um zu überprüfen, was aus den Wünschen geworden ist. „Im Gegensatz zu soziologischen Studien geht es uns vor allem darum, die Motivation der Schüler zu analysieren“, fasst Stemmler das Ziel der Marburger Forscher zusammen.

Um folgende Fragen geht es in der Marburger Studie:

n Wie treffen Schülerinnen und Schüler ihre Studien- und Berufswahl?

n Welche Interessen spielen dabei eine Rolle?

n Welche Informationen (zum Beispiel über spätere Berufsaussichten) sind wichtig?

n Welche Rolle spielen die Schulnoten?

n Bei wem holen sich die Jugendlichen Rat und Hilfe für ihre Entscheidung?

Für die Studie „Bildungsbiographien“ werden Schüler der drei Marburger Gymnasien Martin-Luther-Schule, Elisabeth-Schule und Gymnasium Philippinum befragt.

Stemmler erhofft sich mithilfe der durch den Qualitätspakt Lehre geförderten Studie (siehe Artikel unten), dass bestehende Angebote der Studienberatung verbessert werden und zur Optimierung von Studienbedingungen beitragen können. Die ersten Ergebnisse der auf einen Zeitraum von fünf Jahren angelegten Studie liegen bereits vor, nachdem die Psychologen die Befragung eines ersten Abitur-Jahrgangs ausgewertet haben. 84 Prozent von ihnen wollen prinzipiell studieren.

Als überraschend bewertet es Stemmler allerdings, dass 47 Prozent der befragten Schüler noch keine feste Zukunftsperspektive für ihren weiteren Lebenswegnach dem Abitur haben. Knapp die Hälfte der Schüler plant zunächst einmal eine Auszeit. Dementsprechend verwundert es nicht, dass „gemischte Gefühle“ oder sogar Unsicherheit und negative Gefühle bei den Schülern überwiegen, was ihren weiteren Lebensweg angeht. Vor allem bei den Jugendlichen, die bereits einen festen Studien- oder Berufswunsch haben, steht jedoch das Gefühl der Vorfreude im Vordergrund, berichtet die Psychologin Dr. Jutta Margraf-Stiksrud.

Für 80 Prozent der Befragten ist das Studium nur ein Mittel zum Zweck der Berufsvorbereitung. Dass an der Universität auch interessantes Wissen vermittelt werden kann oder dass ein Studium zur Persönlichkeitsentwicklung und Selbstfindung beitragen kann, spielt dagegen in den Gedanken der Schüler eine eher untergeordnete Rolle. „Das deutet daraufhin, dass viele Schüler das Studium als eine Art Schulverlängerung auf dem Weg zu einem glücklichmachenden Beruf ansehen“, sagt Stemmler.

Rund 60 Prozent der Befragten geben an, dass die Wahl des Studienfachs ihre eigene Entscheidung war. Als vergleichsweise deutlich geringer sehen sie den Einfluss der Eltern darauf an. Immerhin die Hälfte der Schüler gibt an, dass Gespräche mit Freunden sie beeinflusst haben. Persönliche Gespräche mit Lehrern wurden von den befragten Schülern als etwas wichtiger für ihre Entscheidung angesehen als Informationstage in der Schule. Noch ist die Datenbasis für die Studie relativ klein, aber die Forscher erhoffen sich in den kommenden Jahren noch detailliertere Stimmungsbilder. „Erfolgreiches Studieren ist um so wahrscheinlicher, je besser die Wahl des Studienfaches zu den Neigungen und Fähigkeiten des Studierenden passt“, erklärt Professor Stemmler.

von Manfred Hitzeroth

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