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Fernbus-Station in der Kritik

Haltestelle am Krummbogen Fernbus-Station in der Kritik

Zwölfmal täglich halten Fernbusse am Krummbogen, um Fahrgäste nach Berlin, Hamburg oder Freiburg mitzunehmen oder sie in Marburg abzusetzen. Die FDP fordert nun eine Umgestaltung der Fernbus-Station.

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Gepäck laden und entladen ist an der Fernbus-Station am Krummbogen aufgrund der vorbeifahrenden Autos nicht gerade ungefährlich.

Quelle: Ruth Korte

Marburg. Es ist Mittag. Unter der B-3-Brücke am Krummbogen  hat sich eine Handvoll Reisende versammelt, die nervös ihre Tickets in den Händen halten. Sie warten auf den Bus nach Berlin, der um 13.20 Uhr hier ankommen soll.

Berlin ist nur eins von insgesamt 29 Zielen, die das Fernbusunternehmen MeinFernbus FlixBus inzwischen von Marburg aus ansteuert. Insgesamt neun Linien verkehren derzeit über die Universitätsstadt. Bis zu zwölfmal täglich machen sie am Krummbogen Halt, um Fahrgäste aus- und zusteigen  zu lassen.

Besonders beliebt unter den Busreisenden sind Großstädte wie Berlin oder Hamburg, aber auch Freiburg und damit der Schwarzwald werden sehr gerne gebucht, wie Unternehmenssprecherin Marie Gloystein auf Anfrage der OP mitteilt.

Immer mehr ältere fahren mit dem Fernbus

„Der Großteil unserer Fahrgäste ist unter 34 Jahre alt“, sagt Gloystein. Jedoch entscheiden sich inzwischen auch immer mehr ältere Reisende für die Fahrt mit dem Fernbus. „Im Durchschnitt sind mehr als 20 Prozent unserer Gäste über 50 Jahre alt“, so Gloystein.

Einer von ihnen ist Klaus Holzmann (77) aus Frankenberg. Auch er möchte heute nach Berlin reisen – mal wieder. Alle drei Monate begleitet der pensionierte Lehrer Schülergruppen aus Südamerika durch die Hauptstadt. Um dorthin zu kommen, benutzt er „jedes Mal“ den Fernbus. „So schnell und so günstig kommen Sie nicht mal mit dem Auto nach Berlin“, sagt der Rentner.

Die Lage der Fernbus-Station sei für ihn „genial“. „Ich komme häufig mit dem Zug hier hin – der Bahnhof liegt ja gleich um die Ecke. Wenn meine Frau mich fährt, parkt sie direkt auf dem Parkplatz hinter der Haltebucht.“ Dass es hier nur zwei Sitzbänke für die Wartenden gibt, macht dem 15-fachen Großvater nichts aus. Eine 21-jährige Studentin aus dem thüringischen Weimar sieht das ähnlich gelassen. „Man muss ja erst eine Viertelstunde vor Abreise da sein. Die kann man auch mal im Stehen verbringen“, sagt sie und fügt nach kurzem Überlegen hinzu: „Ich bin aber noch jung. Wenn immer mehr ältere Personen mitreisen, ist das natürlich schon ein wichtiger Punkt.“ Klaus Holzmann zuckt die Achseln.

„Wenn die Bänke  belegt sind, bleib ich eben stehen. Ich hab ja zwei Beine“, sagt er und lacht.

Erster Eindruck der Station „beschämend“

Der Marburger FDP hingegen vergeht bei dem Gedanken an die Fernbus-Station das Lachen. Die jetzige Situation am Krummbogen ist für die Freien Demokraten „nicht befriedigend“, wie FDP-Stadtverbandsvorsitzender Christoph Ditschler kristisiert. Es fehlten die „Basics“: Sitzmöglichkeiten, ein Stadtplan, eine Beleuchtung des Wartebereichs („Es ist nicht nur unheimlich, sondern auch unsicher“). „Gerade für Touristen und Neuankömmlinge ist der erste Eindruck an der Fernbus-Station am Krummbogen eher beschämend“, so Ditschler. Die Aufenthaltsqualität könne durch einen helleren Anstrich der Brücke, auf der sich jetzt noch viele Schmierereien und Graffitis befinden, erhöht werden. Er fordert zudem mehr abgesenkte Bordsteinkanten, ein Blindenleitsystem mit Bodenindikatoren, um einen möglichst barrierefreien Zugang zur Haltestation zu gewährleisten.

„Wir fragen uns, ob der Krummbogen generell der richtige Platz für eine Haltstation für Fernbusse ist“, so Ditschler in Hinblick auf die Gefahrenstellen vor Ort. „Es ist eine üble Sache, dass sich die Fahrgäste auf den Radweg und auf die Straße begeben müssen, um an ihr Gepäck zu kommen.“  

Auch die Marburgerin Doreen Kuckert (41), Busfahrerin beim ALV Verkehrsverbund Oberhessen, der mit MeinFernbus FlixBus kooperiert, berichtet, dass es beim Be- und Entladen des Gepäcks am Krummbogen häufig zu gefährlichen Situationen komme: „Ich warne meine Fahrgäste grundsätzlich vor, wenn sie ihr Gepäck in Marburg ein- oder ausladen wollen.  Hier an der Straße ist es sehr gefährlich. Die Autofahrer fahren unmöglich an dem Reisebus vorbei und nehmen keine Rücksicht auf die Fahrgäste.“

Doch auch andere Dinge bereiten ihr Sorgen: „Die Haltestelle hier am Krummbogen ist zwar überdacht, aber was ist im Winter, wenn hier Leute im Kalten mit Kinderwagen oder Rollator stehen und auf den Bus warten? Es gibt außer der Tankstelle ja keinen Ort, um sich aufzuwärmen.“

Stadt will reagieren – auf Initiative der Busunternehmen

Auch den jungen Berlinerinnen Lena Bischoff (21) und Victoria Librentz (20), die bis zu sechsmal im Monat mit dem Fernbus fahren, heute aber  zum ersten Mal in Marburg einsteigen, ist aufgefallen, dass die Situation für Busreisende  an dieser Stelle „eher ungünstig“ ist: „Wenn auf dem Parkplatz hinter uns genug Platz wäre, könnte der Bus ja auch dort halten und keiner von uns müsste auf die Straße laufen“, schlägt Victoria vor.  

„Von Ein- und Ausstiegsproblemen habe ich persönlich noch keine Klagen gehört“, sagt hingegen Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) im OP-Gespräch. Dennoch wolle sich die Stadt der Mängel an der Bus-Station am Krummbogen annehmen – allerdings erst auf Initiative des Fernbusunternehmens.

Laut Kahles Ansicht sei es nach der rechtlichen Regelung des Fernbusverkehrs die Sache des Unternehmens, an welcher Stelle Haltepunkte entstehen und inwiefern diese ausgebessert werden müssen. „Die Fernbusbetreiber müssen also auf uns zukommen und uns erklären, wie sie die Probleme lösen wollen“, so der Bürgermeister.

Dem widerspricht das Fernbusunternehmen in einer Stellungnahme: „Es existieren derzeit keine konkreten Pläne zur Verlegung der Haltestelle – insbesondere, weil wir uns unsere Haltepunkte nicht frei wählen können, sondern sie von den Kommunen zugewiesen bekommen. Wir würden uns natürlich freuen, wenn die Stadt Marburg als Betreiberin der Haltestelle hier in Zukunft einige Verbesserungen vornimmt“, heißt es aus dem Unternehmen.

von Ruth Korte

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