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Fehlende Genehmigung bremst Gäste

Zug zum Edersee Fehlende Genehmigung bremst Gäste

Die Flyer sind gedruckt, im Internet läuft die Werbung: Von Marburg bis zum Edersee mit dem Zug. Das Problem aber: Der fährt derzeit nur bis nach Frankenberg - von dort geht es mit dem Bus weiter. Schuld ist eine fehlende Genehmigung.

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Am Frankenberger Bahnhof ist Schluss: Die Züge der Kurhessenbahn, die seit Karfreitag sonn- und feiertags eigentlich wieder bis nach Herzhausen am Edersee fahren sollten, müssen wegen ausstehender Genehmigung umkehren.Archivfoto: Rouven Raatz

Frankenberg. Es könnte so einfach sein: „Der Saisonverkehr zum Edersee startet wieder. Von Karfreitag bis 31. Oktober - ganz einfach mit Bus & Bahn!“, wirbt der Nordhessische Verkehrsverbund auf seiner Internetseite - gefolgt von einem einladenden Text über die Vorzüge der Region mitsamt Details, wie sie sonntags am schnellsten zu erreichen ist. Studierende aus Marburg, Gießen und Kassel etwa, so wirbt der Verbund, „können mit dem Semesterticket direkt zum Edersee fahren“. Nur: So direkt wie angepriesen funktioniert das derzeit nicht.

Das vertraute Tuten, wenn sich die Ederberglandbahn vom Bahnhof über die Jahnstraße schiebt und dann an der Wehrweide vorbei und am Goßberg entlangfährt, das Hupen, das in Frankenberg bedeutet, dass nicht nur Sonntag, sondern auch Sommer ist - es ertönt nicht. Obwohl es das seit Karfreitag eigentlich sollte. Die Züge der Linie R42 aus dem Süden jedoch halten am Frankenberger Bahnhof - und machen dann kehrt, wie wochentags auch. Wer zum Edersee möchte, muss in den Bus umsteigen, gebenenfalls auch mit Fahrrad.

Gebaut wird auf der Strecke derzeit nicht: „Der Schienenersatzverkehr hat nichts mit der Reaktivierung der Bahnstrecke von Frankenberg nach Korbach zu tun“, bekräftigt Thomas Bischoff aus der Pressestelle der Deutschen Bahn in Frankfurt. Die Strecke kann theoretisch sofort befahren werden. Der Zwangs-Umstieg von der Bahn in den Bus hat vielmehr verwaltungsrechtliche Gründe.

Verfahren dauert länger

Für die Bahnstrecke von Frankenberg nach Herzhausen liegt nämlich nach Aussage von Bischoff derzeit gar keine Betriebsgenehmigung vor. Die muss jedes Jahr aufs Neue erteilt werden - in diesem Jahr dauert das ganz offensichtlich besonders lange. „Ich möchte keine Angaben machen, ab wann die Züge wie geplant fahren“, sagt Bischoff. Er hoffe auf eine kurzfristige Erteilung der entsprechenden Genehmigung. So lange fahren die Busse.

Zuständig für die Genehmigung der Strecke ist nach Angaben von Bischoff das Bundeseisenbahnvermögen - das eigentlich Pensionen der ehemaligen Bahn-Beamten sowie nicht bahnnotwendige Liegenschaften verwaltet. „Es gibt seit diesem Jahr ein geändertes Genehmigungsverfahren“, erklärt der Pressesprecher. Bei der Bahn habe niemand erwartet, dass das neue Verfahren so viel mehr Zeit beansprucht als üblich.

Deshalb wurden die Flyer schon frühzeitig gedruckt, die Werbekampagne angefahren, die das Angebot auch bis nach Gießen und darüber hinaus bekannt machen soll: „Auch etwa von Gießen aus ist Vöhl-Herzhausen mit nur einem Umstieg in Marburg in 1¾ Stunden erreichbar“, heißt es etwa - wann dem tatsächlich so ist, bleibt derweil noch offen.

Ersatz nach Fahrplan

„Natürlich hätte man den Antrag für die Strecke auch früher einreichen können“, räumt Bischoff ein. Doch man hätte sich nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre gerichtet. „Wir haben alle erforderlichen Daten geliefert. Jetzt warten wir nur noch auf die Genehmigung“, erklärt er.

Den Schienenersatzverkehr wenigstens haben die Planer der Bahn eng an den eigentlich gültigen Bahn-Fahrplan angelehnt: Die Busse fahren in Frankenberg fünf Minuten nach Ankunft der Züge aus Marburg ab - und sie warten, wenn diese Verspätung haben. Haltestellen sind „Viermünden, Mitte“, der Bahnhof von Ederbringhausen, die Bushaltestelle an der Bundesstraße in Schmittlotheim und schließlich der Herzhäuser Bahnhof. Dort fahren die Busse dann - alle zwei Stunden - zu den vorgesehenen Zug-Abfahrtszeiten los und sind nach einer knappen halben Stunde wieder am Frankenberger Bahnhof.

Bleibt bis zur Genehmigung nur ein Problem: In den ersatzweise eingesetzten Bussen ist deutlich weniger Platz als in der Ederberglandbahn - und Sonntag soll der erste Tag des Frühjahrs werden, an dem auch ein paar Marburger über einen Ausflug an den schönen Edersee nachdenken könnten.

von Malte Glotz

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