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Fee.-Konzert in Südviertel-WG

Große Show im kleinen Wohnzimmer Fee.-Konzert in Südviertel-WG

Sie sind ganz dicht an ihren Zuhörern, schauen ihnen in die Augen, lassen sich von ihnen motivieren und inspirieren: Wohnzimmerkonzerte sind für Künstler und Fans eine Bereicherung - und ein Trend.

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„Fee.“ (vorne rechts) traf bei ihrem Wohnzimmerkonzert im Südviertel zufällig ihren früheren Mitschüler Nico (rechts daneben), der auch in dem Haus wohnt. Der Singer-Songwriter Domi Bade (mit Gitarre) und „Fee.“ spielten und sangen vor 40 Leuten.Fotos: Michael Hoffsteter

Marburg. Festivals, Fanmeilen, Festhallen: Felicitas Mietz mag die große Bühne, will sie aber nicht von heute auf morgen betreten, sondern langsam hinaufklettern. Als Singer-Songwriterin „Fee.“ hat sie sich mit ihrer Band Neoh schon einen Namen gemacht. Norah Jones oder Adele sind unter anderem ihre Einflüsse. „Es ist cool, sich eine kleine Fanbase aufzubauen“, sagt die 23-Jährige und trinkt ein Bier in der WG-Küche. Gemeinsam mit dem Musiker Dominik Bade von der Band „Domi bade!“ ist sie auf Deutschlandtournee. Die Singer-Songwriter machen am Dienstagabend Solo-Station in Fee.s Heimatstadt Marburg: In einem 31 Quadratmeter großen Wohn- und Schlafzimmer unter dem Dach eines Altbaus im Südviertel.

Wohnzimmerkonzert, Marburg 10.Juni 2014 - Fee Mietz und Dominik Bade

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Es ist heiß. Alle Fenster in der Wohngemeinschaft sind geöffnet. „Ich bin zu warm angezogen”, stellt Fee. fest und schaut auf ihr dunkles Shirt und ihre schwarze Jeans. Die Gäste, Freunde und Nachbarn von Gastgeber Sebastian Kahn sowie Fans von Fee., kommen in Shorts und Tops, ziehen ihre Schuhe aus. Wenige liegen auf dem Bett oder sitzen auf dem Ledersofa, die meisten haben einen Platz auf dem Laminatboden. 40 Frauen und Männer erleben an diesem Abend zwei talentierte Musiker hautnah - und umgekehrt. Zwei Stunden lang wird es persönlich, obwohl sich die meisten Menschen in diesem Raum gegenseitig nicht kennen: Fee. singt ihre selbst geschriebenen Lieder, bei denen sie noch nicht weiß, wie sie in diesem Kreis, und erst recht beim breiten Publikum ankommen. Sie spielt auf Domis Gitarre, ihre wurde beim letzten Wohnzimmerkonzert in Hamburg mit Wachs übergossen, erzählt sie beiläufig. Alle lachen, Kerzenschein passt heute Abend nicht. Für genügend Romantik sorgt der Fensterblick aufs beleuchtete Schloss. Fee. singt von der Liebe und von Träumen. Nicht kitschig, sondern authentisch. Melodisch, nachdenklich und manchmal einfach nur natürlich. Ab und an sagt sie etwas über den Hintergrund ihrer Texte. Metaphern und Wortmalereien braucht sie nicht zu erklären. Sie singt über den DHL-Paketdienst, der immer schneller ist als sie, dabei hat sie sich „die heile Welt bestellt“ und wartet auf sie.

Nächstes Wohnzimmerkonzert in Marburg steht schon fest

Die Zuhörer wippen und nippen an ihrem kühlen Bier oder stillem Wasser. Still ist es, wenn Fee. - manchmal zu leise - , Sätze wie „Ich war nie das schlauste Mädchen“ singt. Laut und kräftig dagegen Domi. Er bezieht das Publikum noch mehr ein. „Ihr seid meine Band”, lautet seine Ansage. 40 Menschen singen „la la la la“, wenn der 27-jährige Südhesse das Zeichen gibt. Seine Songs klingen ein wenig wie die alten Bosse-Stücke, meinen Zuhörer. „Der Mut, der bleibt still, wenn die Angst in den Mittelpunkt rückt”, singt Domi kraftvoll und laut. Es ist unglaublich warm, Domis Brille rutscht. Zuhörerinnen fächern sich Luft zu. Keine Sommer-Partyhits, sondern richtig melancholische Stücke sorgen für Stimmung. „Was bleibt“ ein Song, der vom Verlust, vom Tod einer wichtigen Person in seinem Leben erzählt. „Was für eine abgefuckte Welt“, schreit Dominik seinen Schmerz raus und springt in die Menge. Der Schweiß tropft, Tränen kullern. Betroffene Gesichter. Wenig später kommt Nachbarin Ingeborg Schönich in den Raum: „Das hört man so schön von draußen.“ Beschwerden von Nachbarn? Das gab es bei Wohnzimmerkonzerten fast nie, wissen die Künstler. Aber dass hier in Marburg alle Nachbarn das Projekt unterstützen, das sei schon etwas Besonderes. Und wie es der Zufall so will, Nico, der eine Etage unter Sebastian wohnt, war mit Fee. in der Grundschule. Seitdem haben sich die beiden nicht mehr gesehen. „Weil du Heimat bist“, lautet eins der Stücke von Dominik. Gesprächsstoff gibt’s nach dem Konzert reichlich: Über die Paketdienste oder die Heimat. Und die Nachbarn beschließen, sich häufiger zu treffen. Um 23 Uhr ist Schluss, Sebastian (28) muss ganz früh raus. Die Studenten gehen noch an die Lahn. Fee. und Domi wollen 16 Stunden später in Köln auftreten.

  • Die nächste Einladung nach Marburg steht schon: Jura-Student Moritz Hartz (24) hat ein noch viel größeres Wohnzimmer zu bieten.

von Anna Ntemiris

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