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Fasten, das Bewusstsein schafft

Ramadan Fasten, das Bewusstsein schafft

Mehr als 1000 Menschen kamen am Freitagabend ins siebte Ramadan-Zelt der Islamischen Gemeinde Marburg, um nach dem Fasten ab Sonnenuntergang gemeinsam zu essen.

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Insgesamt mehr als 1000 Menschen kamen am Freitagabend ins Ramadan-Zelt der Islamischen Gemeinde Marburg.

Quelle: Till Conrad

Marburg. Das Ramadan-Zelt ist in Marburg längst zu einer Tradition geworden. Zum siebten Mal hatte die Islamische Gemeinde Marburg an drei Tagen, von Freitag bis gestern, Moslems und Angehörige anderer Religionsgemeinschaften dorthin eingeladen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Gemeinsamkeiten festzustellen, zu beten - und um gemeinsam zu feiern.

Und auch da kann Marburg auf eine lange Tradition zurückblicken, wie der evangelische Propst Helmut Wöllenstein in einer Grußansprache zur Eröffnung des Ramadan-Zelts am Freitagabend sagte. Dass Angehörige aller Religionen seit vielen Jahren gemeinsam friedlich zusammenkommen, mache Marburg zu einer einzigartigen Stadt - „für die Religionen ist Marburg eine Stadt, an der man sich ausrichten kann“, sagte Wöllenstein, mehr als Rom, Jerusalem oder Mekka. „Es ist Teil des Profils unserer Religionen, dass wir miteinander auskommen“, fügte Wöllenstein hinzu.

Fasten ist mehr als Verzicht auf Essen und Trinken

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) nannte als „Grundlage des friedvollen Miteinanders in Respekt voreinander“ das gemeinsame Gespräch. „Übereinander zu sprechen, baut keine Ängste ab“, sagte das Stadtoberhaupt. Der wahre Reichtum einer Stadt sei nicht das Geld, sondern der Reichtum an Menschen, die hier lebten, betonte Vaupel, der stolz darauf ist, dass in Marburg Menschen aus 144 Nationen zusammenkommen.

Dr. Bilal Al-Zayat, der stellvertretende Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Marburg, machte deutlich, dass das Fastengebot für Muslime mehr ist als nur der Verzicht auf Speisen und Getränke zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang: Fasten schafft Bewusstsein. „Wenn ich abends meine Zunge benetze mit gutem, sauberem Wasser, mache ich mir auch bewusst, dass dies mehr als 90 Prozent der Menschen in der Welt nicht vergönnt ist“, sagte Al-Zayat - ein Gedanke, der auch einen neuen Blick auf die Ursachen für den wachsenden Zustrom von Flüchtlingen nach Europa eröffnet.

Einen anderen wichtigen Gedanken steuerte Vaupel in diesem Zusammenhang bei, der betonte, die Menschen islamischen Glaubens seien nicht gleichzusetzen mit der Terrorgruppe „Islamischer Staat“, die für die Flucht hunderttausender Menschen aus ihrer Heimat verantwortlich sei.

Gläubige Muslime beginnen das Fastenbrechen nach Sonnenuntergang mit einem Schluck Wasser und einer Dattel - danach gibt es ein Festessen, am Freitagabend bestand es aus Salat, Brot, einer orientalischen Linsensuppe, Reis, Gemüse und Spießen mit gewürztem Hackfleisch aus Lamm und Rind.

Mehr Gäste als erwartet

1000 Portionen hatte die islamische Gemeinde am Freitag vorbereitet - sie reichten nicht aus, weil noch mehr Gäste zum Ramadan-Zelt gekommen waren, wie Dr. Hamdi Elfarra, der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde, mit einer Mischung aus Bedauern über die Tatsache, dass nicht alle Gäste auch das Hauptgericht genießen konnten, und Freude über die große Resonanz erzählte.

Amnon Orbach für die Jüdische Gemeinde, Helmut Wöllenstein für die Evangelische Kirche und Dr. Hamdi Elfarra für die Islamische Gemeinde sprachen gemeinsam ein Abendgebet vor dem Fastenbrechen - auch das ein Symbol für den respektvollen und freundschaftlichen Umgang der Religionen untereinander.

Noch relativ neu in Marburg ist die Gruppe Sama Damaszener - die Mitglieder sind Flüchtlinge aus Syrien, die schon beim Gebet für Flüchtlinge auf dem Marktplatz eine Woche zuvor aufgetreten waren und am Freitagabend die Besucher des Ramadan-Zelts mit ihrer traditionellen arabischen Musik beeindruckten.

von Till Conrad

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