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Fast drei Jahre Haft für Drogenkurier

Aus dem Landgericht Fast drei Jahre Haft für Drogenkurier

Eine Haftstrafe samt langfristiger Suchttherapie erwartet einen Drogenkurier, der Anfang des Jahres mehr als acht Kilogramm zum Verkauf bestimmtes Haschisch nach Marburg schmuggelte.

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Eine Frau zieht an einem Joint. Ein drogensüchtiger Marburger musste sich vor dem Landgericht Marburg wegen Beihilfe zum Drogenhandel verantworten.

Quelle: Torsten Leukert

Marburg. Der 27 Jahre alte Angeklagte wurde von der Strafkammer des Landgerichts wegen Beihilfe zu unerlaubtem Handeltreiben mit Betäubungsmitteln zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt. Er wird in einer Entziehungsanstalt untergebracht.

Im April dieses Jahres hatte der Mann mehr als acht Kilogramm Cannabis-Harz per Zug von Frankfurt in eine Marburger Wohnung gebracht. Die umfangreiche Menge an Drogen übersteigt die sogenannte nicht geringe Menge um das Hundertfache (die OP berichtete).

Mit den anderen Betäubungsmitteln, die in der Wohnung versteckt waren, mehrere Kilogramm Cannabis-Produkte sowie Amphetamine in Plastiktüten, habe er jedoch nichts zu tun, bekräftigte der Angeklagte am zweiten Verhandlungstag. Zweifel seitens des Gerichts an diesen Angaben wurden von dem forensischen Bericht über die gefundenen DNA-Spuren bestärkt.

Wie der zuständige Gutachter berichtete, wurden auch an den verknoteten Plastikbeuteln Spuren mehrerer Personen gefunden, darunter Hinweise auf den Beschuldigten. Auf der Innenseite der Knoten fanden die Ermittler sogenannte Mischspuren, soll heißen, dass mehrere Personen die Beutel berührt hatten.

„Habe da mal was rausgeholt“

Eine der DNA-Spuren deutet auf den Angeklagten hin, „man kann die Muster klar erkennen, es ist sehr wahrscheinlich, dass die Spur zu dieser Person gehört“, erklärte der Sachverständige. „So eine Hauptspur an DNA sagt erst mal nichts aus“, bezweifelte Verteidiger Artak Gaspar die eindeutige Zugehörigkeit.

Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Gernot Christ gab der Angeklagte schließlich zu, die Drogenpakete geöffnet zu haben. Um die Suchtmittel gemeinsam mit seinem Bekannten zu konsumieren „habe ich da mal was rausgeholt“, gestand der süchtige Mann.

Mit Drogenproblemen hat der Beschuldigte bereits seit seiner Kindheit zu kämpfen, berichtete der psychologische Sachverständige Dr. Rolf Speier. Schon in jungen Jahren lebte der aus Marokko stammende Angeklagte als Waisenkind auf der Straße, kam schon früh mit Alkohol und anderen Suchtmitteln in Kontakt.

Lange Zeit konsumierte er Koks, Speed und Cannabis-Produkte, mehrere Entziehungskuren scheiterten. Als Jugendlicher stand er bereits wegen Diebstahls und Körperverletzung vor Gericht, erhielt mehrere Jugendstrafen, gilt jedoch als nicht vorbestraft.

Sozialen Halt verloren

Bevor er Ende vergangenen Jahres mit dem Marburger Drogennetzwerk in Kontakt kam, war der introvertierte Mann lange Zeit „clean“, wurde nach einer gescheiterten Liebesbeziehung, insbesondere nach dem Tod seines Freundes und seiner Entdeckung wieder rückfällig. „Schlimm wurde es, als er seinen sozialen Halt verlor“, erläuterte der Gutachter.

Der Täter leide an einer schweren „Polytoxikomanie“ – einer krankhaften Abhängigkeit nach verschiedenen Suchtmitteln –, so die Diagnose des Mediziners. Anzeichen für eine verminderte Schuldfähigkeit sah der Sachverständige jedoch nicht. Trotz seiner Störung bestehen bei dem Angeklagten „ganz gute Erfolgsaussichten“ für eine erneute Suchttherapie, so Speier. Er befürwortete eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Dass sich der Beschuldigte zu einer langfristigen Therapie bereit erklärte, bewahrte ihn vor einer härteren Strafe. Auch wenn der Mann die Drogentour mit knappen Worten zugegeben hatte, sein anfängliches Geständnis wertete Staatsanwalt Sebastian Brieden als „unkonkret, blass und für sich genommen unglaubhaft“.

Angeklagter braucht eine Therapie

Auch dass der Mann die volle Wahrheit über sein Handeln mitteilte, er für „eine solch erhebliche Menge“ Drogen einen dermaßen geringen Lohn erhielt, glaubte der Anklagevertreter nicht wirklich. „Das ist nicht die ganze Geschichte.“ Er sprach sich entgegen der ursprünglichen Anklage für eine Beihilfe-Tat aus und beantragte eine Haftstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten.

Die Verteidigung sah indes keine Hinweise für falsche Angaben des Angeklagten, wertete das Strafmaß jedoch ähnlich wie die Staatsanwaltschaft. Dessen Geständnis sei glaubwürdig, so wie die Tatsache, dass der Kurier nur wenig für das hohe Transportrisiko erhielt. Zudem sei der Mann „nicht die hellste Kerze auf dem Kuchen“, habe einfach nicht mehr Bezahlung verlangt, erklärte Verteidiger Gaspar.

Alle Prozessbeteiligten waren sich einig, dass für den süchtigen Mann eine langfristige Suchttherapie die geeignete Maßnahme sei. Die Kammer folgte fast gänzlich dem Antrag der Staatsanwaltschaft und ordnete eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Es gebe gute Voraussetzungen für einen Therapieerfolg, „es liegt nun an Ihnen, wie schnell die Behandlung abgeschlossen wird, arbeiten Sie mit“, riet der Vorsitzende.

Sollte der Mann die Therapie vorzeitig mit Erfolg beenden, kann der Rest der Haftdauer in eine Bewährungsstrafe umgewandelt werden. Das Urteil ist rechtskräftig.

von Ina Tannert

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