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Fast alle Abgeordneten sind neu dabei

Kinder- und Jugendparlament Fast alle Abgeordneten sind neu dabei

Politik wird in Marburg nicht nur von Erwachsenen gemacht. Seit 1997 gibt es auch ein Kinder- und Jugendparlament in der Stadt. Das neugewählte neunte Parlament hat zum ersten Mal getagt.

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Volles Haus bei der ersten Sitzung des neunten Kinder- und Jugendparlaments, das im Beisein von Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer seinen Vorstand gewählt hat.Fotos: Schwarzwäller

Marburg. 85 Sitze hat das neue Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa), verteilt auf 44 Jungen und 41 Mädchen aus 23 Marburger Schulen. Eigentlich hätten es 106 Delegierte und Stellvertreter sein können, die für die nächsten zwei Jahre die Interessen von Kindern und Jugendlichen in der Stadt vertreten; aber an vier Schulen fanden sich nicht genügend Kandidaten, an fünf Schulen gar keine. Umso motivierter begannen aber nun knapp 60 der gewählten 85 Vertreter mit ihrer Arbeit. Die wichtigste Aufgabe bei der konstituierenden Sitzung in der Aula der Kaufmännischen Schulen, die von Jugendbildungsreferentin Friederike Könitz geleitet wurde: die Wahl des Vorstands. Der neue Vorsitzende heißt Jona Hartmann. Der Schüler der Martin-Luther-Schule übernimmt das Amt von Lennart Armbrust, der seit 2005 im KiJuPa aktiv war und mit seinen 18 Jahren nicht mehr kandidieren durfte. Zu Stellvertretern wurden Fiona Kubera (Elisabethschule) und Luca Schwarz (Carl-Strehl-Schule) gewählt. Unterstützt werden sie im Vorstand von Paul Schneider (Otto-Ubbelohde-Schule) und Lasse Gnendinger (Theodor-Heuss-Schule) als Schriftführer sowie den Beisitzern David Rommelspacher (Philippinum), Jolanda Schirnding, Brian Brathering (beide Richtsberg-Gesamtschule), Juliet Kubera, Johannes Clement (beide Elisabethschule) und Roni Osmani (Gerhart-Hauptmann-Schule).

Der Wahl vorausgegangen war ein Rückblick auf die Arbeit des „alten“ KiJuPa: Von der Mitarbeit an Projekten wie der Planung der „Spiel- und Aufenthaltsorte in der Oberstadt“ über Rhetorik-Seminare bis hin zur jährlichen Schulranzen-Aktion für Rumänien.

So viel Engagement macht auch bei den erwachsenen Politikern in der Stadt Eindruck. „Das ist eines unserer spannendsten Beteiligungsprojekte“, lobte zum Beispiel Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Dass mit ihm, Oberbürgermeister Egon Vaupel und Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach (beide SPD) der komplette hauptamtliche Magistrat bei der konstituierenden Sitzung vertreten war - allein das war ein deutliches Signal dafür, dass das KiJuPa viel mehr als nur ein Vorzeigeprojekt für die Stadt ist.

Wie ernst man die Anliegen der jungen Abgeordneten nimmt, betonte Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer, der wie Kahle die Sitzungen des KiJuPa begleitet. In Marburg gebe es zwei Dinge, die es so in Deutschland nirgendwo anders gibt: Einmal im Jahr stellt das KiJuPa seine Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung vor und es hat dort ein Antragsrecht. Das heißt: Beschlüsse, die im KiJuPa gefasst werden, gehen automatisch in die Stadtverordnetenversammlung. „Das ist eine intensive und ernste Zusammenarbeit“, sagte Löwer. Neben dem Ernst soll das Ganze den Kindern und Jugendlichen aber auch Spaß machen. Wie fröhlich und friedlich es bei den KiJuPa-Sitzungen zugeht - davon könne sich das Parlament der Erwachsenen etwas abschauen, erklärte Weinbach.

Viele weibliche Delegierte

Kinder und Jugendliche sehen die Welt und die Zukunft mit anderen Augen, und dieser Blick sei wichtig, wenn es um die Planung der Zukunft gehe, sagte Oberbürgermeister Vaupel. Was „so groß“ klänge, das ist im Kleinen für das KiJuPa zum Beispiel die Frage, wo ein Fußgängerüberweg in der Stadt fehlt oder was an den Schulen verbessert werden kann. Nicht alles sähen dann die Erwachsenen auch so, aber wenn es unterschiedliche Auffassungen gibt, dann werde versucht, gemeinsam eine Lösung zu finden, so Vaupel.

Die Mehrheit dieser jungen Abgeordneten ist übrigens ganz neu im Amt, nur 17 Kinder und Jugendliche saßen zuvor im KiJuPa. Und was die Quote der weiblichen Delegierten angeht, kann sich der deutsche Bundestag eine Scheibe von Marburg abschneiden: Während Berlin lediglich einen Anteil von 32,8 Prozent hat, sind im KiuPa fast die Hälfte der Delegierten und Stellvertreter Mädchen. „Das ist eine ganz tolle Sache - es wäre schön, wenn wir das Verhältnis in der großen Politik auch hätten“, befand Weinbach.

von Nadja Schwarzwäller

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