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Fast-Totschlag: Frau muss in Psychiatrie

Gericht Fast-Totschlag: Frau muss in Psychiatrie

Das Landgericht fällte am Dienstagmittag das Urteil gegen eine 25-Jährige, die eine Krankenschwester (24) mit einem Schal beinahe erdrosselte.

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Marburg. Wegen versuchten Totschlags muss eine 25-jährige Marburgerin dauerhaft in ein psychiatrisches Krankenhaus. So lautet das gestrige Urteil des Landgerichts. Der Vorwurf, sie habe im November 2012 eine 24-jährige Krankenschwester bis zu 30 Sekunden lang mit einem Schal gewürgt, sah die Strafkammer als erwiesen an. „Der Angriff hätte zum Tode führen können. Ohne die Hilfe eines Pflegers wäre das wohl passiert. Doch ist die Angeklagte aufgrund ihrer psychischen Situation schuldunfähig“, begründete Carsten Paul, vorsitzender Richter die Entscheidung.

Die 25-jährige Täterin gilt als geistig behindert. Eine Psychologin beschrieb die junge Frau als „jemanden mit autistischen Zügen, die immer wieder durch plötzliche Auslöser wie besessen ist“. Dennoch bescheinigen ihr Sachverständige ein gutes Erinnerungs- und Ausdrucksvermögen. „Deshalb traut man ihr oft zu viel zu. Das überlastet sie und aktiviert diesen affektiven Ausnahmezustand.“ Beißen, treten, schlagen: Seit 2011, seit dem Umzug ihrer Pflegefamilie, sei ihr Leben „von Gewaltphantasien und Ausrastern geprägt“, führte die Psychologin aus Haina aus, die den Gesundheitszustand der Angeklagten begutachtete. Wie in Trance befinde sie sich manchmal, verliere völlig die Kontrolle und werde aggressiv. Das bestätigte auch ein Polizist (55), der als Zeuge geladen war und die Beschuldigte am Tattag festnahm. Sie sei willkürlich auf jeden losgegangen, habe Kopfnüsse verteilt und sei kaum ansprechbar gewesen. „Sie war wie in ihrer eigenen Welt“, sagte er.

Zu den Verletzungen des Opfers sagte eine Rechtsmedizinerin (48): „Erdrosselungs-Spuren waren sichtbar, die Geschädigte war arg mitgenommen. Hätte das ganze noch ein, zwei Minuten gedauert, wäre der Tod wahrscheinlich gewesen.“

Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung forderten in ihren Plädoyers die Unterbringung der 25-Jährigen in einer spezialisierten Klinik in Haina. Dort, wo sie seit einigen Monaten bereits betreut und medikamentös behandelt wird. „Aus diesem offenbar gerade akzeptierten Umfeld sollte man sie nicht herausreißen“, sagte Paul.

von Björn Wisker

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