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Familienvater soll seine Tochter missbraucht haben

Prozess Familienvater soll seine Tochter missbraucht haben

Ein Familienvater  aus Marburg soll vor mehr als zehn Jahren seine damals minderjährige Tochter mehrfach sexuell missbraucht haben. Die Beweisfindung vor Gericht gestaltet sich schwierig.

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Der Angeklagte hat vor der großen Jugendkammer des Landgerichts die Vorwürfe bestritten.

Quelle: Archiv

Marburg. Aus Sorge um ihre minderjährige Schwester brachte die Tochter den Fall vor das Landgericht. Während des ersten Verhandlungstages vor der großen Jugendkammer berichtete das vermeintliche Missbrauchsopfer von der „erdrückenden Situation“ im Elternhaus.

Die 25 Jahre alte Nebenklägerin bestand ausdrücklich auf eine öffentliche Vernehmung und verzichtete auf den Ausschluss der Öffentlichkeit als übliche, gesetzlich verankerte Verfahrensweise zum Schutz des Persönlichkeitsrechtes.

In dem Prozess angeklagt sind drei Handlungen von sexuellem Missbrauch in den Jahren 1999, 2004 und 2005. Es sollen jedoch deutlich mehr gewesen sein, erklärte die Nebenklägerin unter Tränen vor Gericht. Seit ihrem zehnten Lebensjahr soll sich der Vater regelmäßig des Nachts zu ihr ins Bett gelegt, sie an den Geschlechtsteilen und am ganzen Körper berührt haben. Zu Geschlechtsverkehr sei es nicht gekommen, sagte die junge Frau.

„Ich wollte meine kleine Schwester schützen“

Die Übergriffe sollen erst aufgehört haben, nachdem sie als Volljährige aus dem Elternhaus ausgezogen war. Angezeigt hatte sie den Vater aus Scham und Unsicherheit nicht. Erst nach der Trennung der Eltern vor einigen Jahren und dem Versuch des Vaters, vermehrt Kontakt zu seiner jüngeren, heute 15-Jahre alten Tochter zu erhalten, die bei der Mutter lebt, zeigte die 25-Jährige ihn aus Angst vor einem erneuten Missbrauch an. „Ich wusste nicht mehr weiter und wollte meine kleine Schwester schützen“, betonte die Frau. Der Vater bestreitet die Vorwürfe, „das stimmt nicht“, betonte der 44-Jährige mehrfach vor Gericht.

Problematisch bei der Beweisfindung war neben der „Aussage-gegen-Aussage-Situation“ vor allem der lange Zeitraum zwischen den angeklagten Taten und der Verhandlung. Konkrete Erinnerungen an die vermeintlichen Übergriffe habe sie nur in drei Fällen, alles Weitere verdrängt, erklärte die Tochter. Wann und wie häufig die Übergriffe stattfanden, konnte sie nicht genau einordnen. Im Vorfeld hatte sie einen Zeitraum von etwa ein- bis zweimal in der Woche angegeben.

In diesem Punkt wies Verteidiger Dr. Dietmar Ricke auf Widersprüche in der polizeilichen Vernehmung der Zeugin hin, in der von zwei Missbräuchen im Monat die Rede sei. Auch an anderer Stelle der Akten gebe es Ungereimtheiten über bestimmte zeitliche Schwerpunkte.

Vater soll Mutter vergewaltigt haben

Der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf zeigte sich überrascht über die undeutliche Erinnerung des Erlebten und eine fehlende Verknüpfung an wichtige Ereignisse im Leben der jungen Frau, dies sei in einem Missbrauchsfall ungewöhnlich, so der Richter. An diesen Lebensabschnitt habe sie nur noch „verschwommene Erinnerungen“ und die Ereignisse massiv verdrängt, sagte die Zeugin. Hilfe habe sie in den vergangenen Jahren bei einer Selbsthilfegruppe für Missbrauchsopfer gesucht, befinde sich seit Monaten in Therapie und arbeite ihre Vergangenheit auf.

Das Verhältnis zu ihren Eltern war über Jahre hinweg äußerst angespannt und lieblos, berichtete die Nebenklägerin aus ihrer Kindheit. Innerhalb der Familie soll es wiederholt zu gewalttätigen Übergriffen gekommen sein, beide Elternteile hätten sie geschlagen. Auch die Mutter soll der Mann mehrfach verprügelt und in einem Fall vergewaltigt haben. Daraufhin reichte sie die Scheidung ein, bestätigte die Mutter, die als Zeugin vor Gericht aussagte.

Nachdem sich der Angeklagte, lange nachdem er aus dem Haus der Familie ausgezogen war, wieder bei ihr gemeldet und verlangt hatte, seine jüngere Tochter häufiger zu sehen, berichtete ihre ältere Tochter von den Vorwürfen, sagte die Mutter.

Vor etwa drei Jahren hatte sie ihren Mann angezeigt, der Prozess wegen Vergewaltigung wurde 2013 mangels Beweisen eingestellt. Im Zuge des Verfahrens hatte die Tochter dem Vater gedroht, ihn wegen Kindesmissbrauchs anzuzeigen,sollte er die Vergewaltigung der Mutter nicht zugeben. Zu diesem Zeitpunkt hörte diese erstmals von den Missbrauchsvorwürfen.

von Ina Tannert

  • Weitere Zeugen sollen am Mittwoch, 11. März, vor Gericht gehört werden.
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