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Familiengeschichte in kilometerlangen Regalen

Personenstandsarchiv Familiengeschichte in kilometerlangen Regalen

Über eine Länge von 1500 Metern könnte man die Regale mit Standesamtsregistern aus ganz Hessen aneinanderreihen. Das Personenstandsarchiv in Neustadt ist ein Paradies für Familienforscher.

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Platz für Geschichte: Im Hessischen Personenstandsarchiv in Neustadt gibt es genügend Fläche für 20 Regalkilometer. Allein der Bestand aus den Standesämtern in Marburg-Biedenkopf umfasst 10 000 Bände. Archivleiterin Dr. Katrin Marx-Jaskulski zieht einen der Marburger Bände aus dem Regal.

Quelle: Florian Gaertner

Neustadt. Nur ein einziger Besucher ist heute im Lesesaal des Neustädter Personenstandsarchivs zu Gast. Konzentriert schaut er in die Standesamtsregister, die er sich hat vorlegen lassen. Für Besucher geöffnet ist immer mittwochs und donnerstags, „manchmal kommen mehrere Besucher, manchmal auch niemand“, berichtet Archivleiterin Dr. Katrin Marx-Jaskulski.

Menschen, die in alte Standesamtsregister schauen und mehr über ihre Vorfahren sowie deren Familienverhältnisse erfahren wollen, sind in Neustadt richtig - „aber es ist nicht unbedingt notwendig, persönlich hierher zu kommen“, erklärt Marx-Jaskulski. Viele Menschen schätzen es, in den alten Bänden zu blättern, den leicht süßlich-modrigen Geruch von Papier, das die Jahrzehnte überdauert hat, inklusive. Doch es reicht mitunter auch, einfach ins Internet zu gehen. Im Hessischen ­Archiv-Dokumentations- und Informations-System, kurz: ­Hadis, sind übers Internet bereits zwölf Millionen Stammbuchseiten aus ganz Hessen verfügbar - das entspricht 50000 Bänden aus hessischen Standesämtern, die Auskunft geben über Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle - eine wahre Fundgrube für Familienforscher aus dem ganzen Land. „Rund 80000 Bände fehlen noch“, sagt Marx-Jaskulski und geht davon aus, dass bis 2016 alle Bücher online zur Einsicht bereitstehen - daran arbeiten drei externe Kräfte im Personenstandsarchiv, die Tag für Tag mit dem Digitalisieren der alten Stammbuchseiten beschäftigt sind. Das Personenstandsarchiv in Neustadt besteht seit 2009 - eröffnet zur Einführung eines neuen hessischen Personenstandsgesetzes. Durch die Novelle hat sich der Kreis derer, die in alte Stammbücher schauen dürfen, wesentlich erweitert. Jeder, der ein „berechtigtes Interesse“ nachweisen kann, beispielsweise für Familien- oder Heimatforschung, darf die alten Bände einsehen.

Die ältesten Register, die in Neustadt lagern, stammen aus dem Jahr 1874. Das Personenstandsarchiv übernimmt die Zweitschriften der Bände nach dem Ablauf von festgelegten Fristen von den Standesämtern - die Geburtenbücher nach 110 Jahren, die Heiratsbücher nach 80 Jahren und die Sterbebücher nach 30 Jahren. Entsprechend liegen in Neustadt die Geburten-Bände bis zum Jahr 1903, die Register über Eheschließungen bis 1933 sowie die Bücher über Sterbefälle bis 1983 vor.

Die Erstbücher werden bei den Kommunen oder Landkreisen aufbewahrt, erklärt Archivleiterin Marx-Jaskulski. Das doppelte Einlagern ist eine Sicherheitsmaßnahme: Falls ein Archiv zerstört wird, wie beispielsweise im Zweiten Weltkrieg mit Teilen der Standesamtsregister in Frankfurt oder Gießen geschehen, gibt es noch ein zweites Archiv, das über eine Abschrift oder das Original verfügt.

Das hessische Gesetz räumt dem Archivieren einen hohen Stellenwert ein - es legt fest: Personenstandsregister sind komplett archivwürdig.

Seit es besteht, hat das Personenstandsarchiv in Neustadt von allen Landkreisen und kreisfreien Städten die „archivfreien“ Register übernommen - „noch 105 Jahre - dann sind wir komplett“, erklärt Marx-Jaskulski. Aus den späteren Jahren werden keine alten dicken Bücher mehr reinkommen. Mit dem Jahr 2009 sind diese Zeiten zu Ende gegangen: Die Standesämter haben auf elektronische Register umgestellt.

von Carina Becker

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