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Falsche Bilanzen und geklautes Geld

Aus dem Amtsgericht Falsche Bilanzen und geklautes Geld

Mehr als 100000 Euro aus Vereinskassen hat ein 46-jähriger Marburger veruntreut - auch beim Förderverein der Steinmühle. Wegen Veruntreuung und Insolvenz­verschleppung stand er am Donnerstag vor Gericht.

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Der Marburger musste sich vor dem Amtsgericht Marburg verantworten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Ein Marburger hat über mehrere Jahre hinweg Geld aus den Kassen des Fördervereins der Steinmühle, von den Wirtschaftsjunioren und dem Verein „Alles im Biegen“ veruntreut. Der Prozess gegen ihn ging am Donnerstag innerhalb weniger Stunden über die Bühne: Staatsanwaltschaft, Verteidiger und Gericht einigten sich in einem Rechtsgespräch auf einen Strafrahmen von maximal zwei Jahren Haft und einer Geldstrafe, sollte der Angeklagte geständig sein. Der 46-Jährige ließ dann auch ein Geständnis von Pflichtverteidiger Sascha Marks verlesen, in dem er die Anklagepunkte zugab. Das ersparte dem Gericht einen aufwendigen Prozess mit mehreren Zeugen und Gutachtern.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Thomas Rohner verurteilte den Angeklagten, der mittlerweile als Freiberufler in Berlin lebt und arbeitet, zu zwei Jahren Haft, ausgesetzt auf Bewährung - unter anderem wegen gewerbsmäßiger Untreue in 52 Fällen, Insolvenzverschleppung und Bankrott in je zwei Fällen. Ebenso muss er 270 Tagessätze zu je 30 Euro Geldstrafe zahlen, also 8100 Euro. Zur Auflage machte Rohner es dem 46-Jährigen, dass er den Schaden wiedergutzumachen habe, sich einen sozialversicherungspflichtigen Job suchen und für Gläubiger erreichbar sein müsse.

Der Angeklagte hatte als Kassierer nicht nur bei drei Vereinen in die Kasse gegriffen und insgesamt mehr als 100000 Euro veruntreut - wovon er schon mehr als 35000 Euro zurückbezahlt hat. Er hat zudem laut Anklage bei einem Familienunternehmen und einem selbstgegründeten Online-Handel die Insolvenz verschleppt und die Bücher und Bilanzen „so geführt, dass sie unübersichtlich waren“. Außerdem hat er ein Darlehen von Investoren für den Online-Handel eingeworben, obwohl er wusste, dass die Firma insolvenzreif war.

„Mein Mandant ist in die Fußstapfen seines Vaters getreten, als er das Geschäft übernahm und wollte ihm gegenüber die finanziellen Schwierigkeiten nicht zugeben“, führte Marks aus. So habe er angefangen, Geld aus den Kassen der Vereine zu nehmen, um „Löcher zu stopfen“. Den Online-Handel habe er parallel gegründet - in der Hoffnung auf gute Geschäfte, um das Geld zurückzahlen zu können. „Irgendwann schnürte die Schlinge sich immer weiter zu. Mein Mandant bekam keine Luft mehr und alles brach zusammen - auch mein Mandant“, führte der Verteidiger aus. Er habe alles verloren, auch den Kontakt zu seiner Familie. Zudem sei er in psychiatrischer Behandlung, wage derzeit einen Neuanfang in Berlin. „Er hat das Geld nicht genommen, um es zu verprassen“, sagte Marks. Vielmehr habe er dem Anspruch des Vaters gerecht werden wollen, ein guter Unternehmer zu sein.

Angeklagter hat anfangs Geld zurückgezahlt

Der 46-Jährige bemüht sich laut Marks, das Geld an die Vereine zurückzuzahlen. Anfangs habe er das auch getan, seit einigen Jahren hat er dafür jedoch kein Geld mehr - unter anderem, weil ein Darlehen seiner Eltern zwischenzeitlich von diesen widerrufen worden sei. Er hoffe nun auf eine Festanstellung - auch, um Unterhalt für seine Kinder zahlen zu können.

Der Staatsanwalt vermisste in seinem Plädoyer „den guten Willen, hier und da mal etwas zurückzuzahlen“ und forderte das vorher festgelegte Höchstmaß ein. Verteidiger und Gericht folgten den Ausführungen schließlich. „Ich sehe eine positive Prognose, solange Sie nicht wieder versuchen, eine Firma zu gründen“, sagte Rohner.

von Patricia Grähling

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