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Fahrpreis-Explosion entrüstet Marburg

Teure Tickets Fahrpreis-Explosion entrüstet Marburg

Abzocke-Vorwürfe gegenüber den Stadtwerken und dem Verkehrsverbund RMV: Die Preiserhöhungen von 1,80 Euro auf 2,10 Euro für Einzeltickets erzürnt Marburgs Kommunalpolitiker.

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Die Einzelfahrscheine in Marburg werden 30 Cent teurer, die Monatskarte kostet zwei Euro mehr als bislang. Fahrgäste und Politiker kritisieren die Preissteigerungen.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Der Preisschock in Marburg alarmiert den hessischen Fahrgastverband Pro Bahn: Vor allem Jugendliche würden regelrecht abgezockt und damit zu Schwarzfahrern erzogen, sagte Verbandssprecher Wilfried Staub. „Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre müssten bei Einzelfahrten 60 Prozent des Erwachsenentarifs hinlegen, obwohl sie kein eigenes Einkommen haben.“ Um 30 Cent, auf 2,10 Euro steigt der Preis für die Einzelfahrkarte. Um 21,60 Euro auf 411,60 Euro klettert der Preis für die Jahreskarte. Die Tageskarte für Erwachsene wird um 60 Cent teurer. Die bisher gültige Tarifstufe drei, wenn Fahrgäste etwa ab oder nach Dilschhausen reisen, fällt hingegen weg.

Sorge um die Mobilität in der Stadt

„Das ist richtig happig, und diese saftige Erhöhung wird dazu führen, dass weniger Leute Bus fahren“, sagt Jan Schalauske (Linke). Mit Preisen von 2,10 Euro für das innerstädtische Tarifgebiet rücke Marburg künftig an Großstadt-Niveau heran. „Ein Anstieg in dieser Größenordnung ist bedauerlich. Und die Energiepreisentwicklung ist so heftig zuletzt auch nicht gewesen als dass es so einen Schritt rechtfertigt“, sagt Uwe Volz (Grüne), Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Er fürchtet, dass der öffentliche Nahverkehr unattraktiver, die Mobilität in der Stadt abnehmen wird. Auch Studenten werden den Preisanstieg im kommenden Jahr zu spüren bekommen: Nach OP-Informationen wird das Semesterticket ebenfalls teurer. „Das ist eine Frage der Zeit, wir berechnen aktuell intern die genauen Summen“, sagt Maximilain Meyer, RMV-Sprecher. Der Fahrschein orientiere sich künftig am Auszubildenden-Tarif, doch um wie viel Euro diese Tickets erhöht werden, stehe noch nicht fest.

Umso dringlicher, sagt Schalauske, sei die Forderung nach kostenlosem Busfahren für Stadtpass-Inhaber, etwa Hartz-IV-Empfänger (die OP berichtete). „Dass die Erhöhung so krass ausfällt, ist schon bemerkenswert. Aber wichtiger ist erstmal, dass die Monatskarte nur moderat teurer wird“, sagt Dominic Dehmel (SPD), Mitglied im Verkehrsausschuss.

Die Stadtwerke verteidigen die Tarifpolitik: „Die Anhebung entspricht Preisen in vergleichbar großen Städten, da steckt keine Raffgier dahinter, sondern das Ziel, Angebote zu erhalten“, sagt Christoph Rau, Geschäftsführer von Stadtwerke Consult. Marburg profitiere von einer guten Verkehrsbedienung, „die viel besser als auf dem Land ist.“ Und das könne nur durch Preisanpassungen, durch ein Stadt-tarifmodell langfristig erhalten werden. „Wir wollen zudem mehr Stammkunden gewinnen. Also Fahrgäste, die Monats- und Jahreskarten kaufen“, sagt Rau. Wer 20-mal fahre, also etwa zwei Wochen lang Einzelkarten löse, komme mit einem Vierwochen-Ticket billiger weg. „Die regelmäßigen Busnutzer trifft diese Preiserhöhung also so gut wie gar nicht“, sagt Rau.

Eine Erhöhung des Stadtpass-Zuschusses, wie die Linke ihn fordert und es im Sozialausschuss kürzlich debattiert wurde, ist trotz dieser Preiserhöhungen nicht ausgeschlossen, wie SPD-Politiker Dehmel sagt. „Da stehen noch ungenutzte Mittel zur Verfügung, die kann man zumindest erst mal aus-schöpfen“, sagt er. Uwe Volz ergänzt: „Wir schauen, was genau wir als Kommune in Bezug auf den öffentlichen Personennahverkehr noch unternehmen können, um die Auswirkungen etwas abfedern zu können.“

Den Schuldigen für die Preisexplosion sieht Pro Bahn Hessen aber nicht in den Verkehrsbetrieben, sondern in der Politik: „Die schwarz-gelbe Koalition bezuschusst im Gegensatz zu anderen Bundesländern den laufenden Betrieb nicht“, sagt Staub.

von Björn Wisker

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