Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Fahrplanwechsel: Freude im Osten und Frust im Süden

Mehr Züge nach Frankfurt Fahrplanwechsel: Freude im Osten und Frust im Süden

Die vieldiskutierte Ausdünnung von Zughalten zwischen Gießen und Marburg tritt mit dem europaweiten Fahrplanwechsel am Sonntag in Kraft. Profitieren können davon vorwiegend Zugreisende aus dem Ostkreis und

Voriger Artikel
Hellwig war Gesicht der Vhs
Nächster Artikel
Schalauske tritt für die Linke an

Zwei Busse halten am Südbahnhof in Marburg. Am Sonntag findet der jährliche Fahrplanwechsel statt. An der Bahnstation Marburg-Süd halten dann einige Züge nicht mehr. Im Busverkehr gibt es keine gravierenden Änderungen.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es war über Monate Streitthema im gemeinsamen Nahverkehrsverband (RNV) und wurde spätestens da zum Politikum, als sich mehrere Bürgermeister aus dem Südkreis und den angrenzenden Gemeinden im Kreis Gießen am Fronhäuser Bahnhof protestierend auf die Gleise stellten und dafür sogar ein Bußgeld riskierten.

Am Ende setzte sich im Regionalen Nahverkehrsverband (RNV) Marburg-Biedenkopf und im übergeordneten Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) aber eine Mehrheit durch, die für schnellere Verbindungen zwischen Gießen und Marburg und bessere Anschlüsse für die Städte und Gemeinden nördlich sowie nordwestlich und nordöstlich von Marburg plädierte. Unterstützt wurde diese Bemühungen unter anderem auch durch die Philipps-Universität und die Initiative „Main-Weser-Bahn im Takt“.

Mit dem Fahrplanwechsel am Sonntag wird es nun zwischen Gießen und Marburg auf der RMV-Linie 30 häufiger schnellere Verbindungen geben. Einzelne Züge, die heute an allen Bahnhöfen zwischen den beiden Städten halten, werden künftig ohne Halt durchfahren.

Die Region werde insgesamt besser angebunden, mehr als 100 000 Menschen profitierten davon, freut sich Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi gegenüber der OP. Er verweist auf Stadtallendorfs Status als Industriezentrum und Divisions-Standort. Die Stadt Stadtallendorf hat - Stand 2013 - täglich etwa 8000 Ein- und rund 1000 Auspendler, die Auto und Bahn nutzen.

„Schlimmster Einschnitt“

„Wenn Solidarität da ist, lässt sich auch in kleinen Schritten etwas erreichen“, lautet Somogyis Fazit zur jetzigen Entwicklung. Im November vergangenen Jahres war es zu einer „Koalition“ der Bürgermeister von Stadtallendorf, Kirchhain und Neustadt gekommen, nachdem sich öffentlich Widerstand aus Ebsdorfergrund und Fronhausen gegen den Wegfall von Haltepunkten geregt hatte.

Was an der einen Seite positiv ankommt, bringt auf der anderen Seite lange Gesichter. Denn zugleich verschlechtert sich das Angebot an den kleineren Bahnstationen Gießen-Oswaldsgarten, Lollar, Friedelhausen, Fronhausen, Niederwalgern, Niederweimar und Marburg-Süd. Allerdings, so der RMV, würden diese Haltepunkte, die zum Beispiel auch von Fahrgästen aus Ebsdorfergrund, Lohra oder Gladenbach genutzt werden, in der Hauptverkehrszeit unverändert bedient - und außerhalb dieser Zeit „bedarfsgerecht mindestens stündlich“.

Der Fahrgastverband Pro Bahn sieht das nicht so positiv. Er kritisiert die neue Regelung als „schlimmsten Einschnitt des Schienennahverkehrs in Mittelhessen“. Pro Bahn fordert daher weiterhin, „dass zumindest ein Ersatzzug für alle Unterwegshalte zwischen beiden Universitätsstädten verkehren muss, der nicht über Marburg beziehungsweise Gießen hinausfährt“, so der hessische Pro-Bahn-Vorsitzende Thomas Kraft. Und auch Fronhausens Bürgermeister Reinhold Weber zeigt sich enttäuscht. „Der RMV lässt mit dieser Entscheidung seine Fahrgäste auf den Unterwegs-Bahnhöfen zwischen Gießen und Marburg im Regen stehen“, sagte er im Gemeindeparlament und sprach für Werktage von rund 1000 Fahrgästen, die darunter leiden müssten.

Zwischen Marburg und Gießen entfallen montags bis freitags fünf Regionalbahnen (Marburg ab 10.21 Uhr, 12.21 Uhr, 16.21 Uhr, 18.18 Uhr, 20.21 Uhr), in der Gegenrichtung vier Regionalbahnen (Gießen ab 9.09 Uhr, 11.09 Uhr, 15.09 Uhr, 19.09 Uhr). Die Züge vor 9 Uhr, die vor allem Pendler und Schüler nutzen, fahren demnach unverändert. Auch in der Mittagszeit wurde der Halbstundentakt nach Schulschluss beibehalten.

Vorteile bietet die Neuerung unbestritten für viele Frankfurt-Fahrer. Die Züge werden in Gießen an einen Zugteil nach Siegen an- oder abgekoppelt, wodurch umsteigefreie Fahrten von und nach Frankfurt möglich sind. Damit verkürze sich die Fahrt zwischen Frankfurt und Marburg bei diesen Zügen um eine Viertelstunde.

Anschlüsse passen besser

Durch die Änderungen bieten sich auch neue Anschlussmöglichkeiten von Marburg aus, lobt die Initiative „Main-Weser-Bahn im Takt“. Durch die neuen Fahrzeiten der HLB-Züge bestünden jetzt stündlich gute bis sehr gute Anschlüsse zur Oberen Lahntalbahn. Die Umsteigezeiten betrügen oft nur vier Minuten, sodass sich die Reisezeiten von Gießen nach Biedenkopf um bis zu 26 Minuten verkürzten. „Auch zu zahlreichen Stadt- und Regionalbuslinien am Marburger Bahnhof können kürzere Umstiege realisiert werden“, so der Sprecher der Initiative, Dr. Franz Grolig. Bisher nicht angepasst wurde der Fahrplan der Burgwaldbahn nach Frankenberg, sodass alle zwei Stunden in Marburg Übergangszeiten von mehr als 20 Minuten bestehen. Daran werde sich wohl mit der Wiederinbetriebnahme der Strecke Frankenberg-Korbach im Sommer 2015 etwas ändern, so Grolig.

Abgesehen von diesen Änderungen auf der Schiene wird der Fahrplan im Landkreis Marburg-Biedenkopf nur moderat angepasst. Diese Änderungen im Minutenbereich seien vor allem diversen Schulzeiten und der Koordination der Anfahrhaltestellen am neuen Bahnhofsvorplatz in Marburg geschuldet, teilt Gerhard Born vom RNV mit.

Alle Fahrpläne, insbesondere auch Hinweise zu Fahrplanabweichungen wegen Baustellen sind im Internet unter www.rnv.marburg-biedenkopf.de zu finden. Im neuen Fahrplan sind generell die Abfahrpositionen (nicht nur am Marburger Hauptbahnhof) veröffentlicht. Die Skizzen sind im Fahrplanbuch des RMV ebenfalls aufgeführt. Der neue Fahrplan ist auch auf rmv.de und in allen Mobilitätszentralen erhältlich.

Busse: Wesentliche Änderungen im Landkreis:

  • 491: (Biedenkopf-Dillenburg) eine morgendliche Vorfahrt ab Niedereisenhausen um 6.25 Uhr nach Dillenburg (Entlastung im Schülerverkehr)
  • MR33: (Niederweimar-Allna) AST verlängert bis Kehna
  • MR38: (Rundverkehr Lohra) Anpassungen wegen entfallender HLB-Züge, das bedeutet: insgesamt ein Umlauf mehr
  • MR45: AST-Umstieg neu Marburg-Behringwerke statt Marburg-Elnhausen
  • MR76: (Marburg-Cölbe-Schönstadt) Fahrtverlegung aus Marburg von 16.53 Uhr auf 17.23 Uhr
  • MR86: (Marburg-Deckenbach) Neu: AST von Marburg-Süd ab 21.11 Uhr an allen Tagen bis Wermertshausen.

Wegen noch nicht abgeschlossener Baustellen bleiben die Baustellenfahrpläne der Linien 482, MR37, MR61 und MR68 bis auf Weiteres in Kraft.

Züge: Ziel Frankfurt: Die Regionalexpresszüge fahren nun an allen Wochentagen im Stundentakt von Frankfurt bis Marburg. Von 7 bis 20 Uhr hält der schnelle Regionalexpress (RE) von Marburg aus nur in Gießen und Friedberg. Dabei wechseln sich die Doppelstockzüge der Deutschen Bahn und die Triebwagen der Hessischen Landesbahn (HLB) stündlich ab. In der Gegenrichtung verlässt der Zug Gießen um 7.05 Uhr stündlich bis 21 Uhr, wobei die Züge Gießen ab 17.10 Uhr und 21.09 Uhr weiterhin auf allen Stationen zwischen Gießen und Marburg halten.

Drei Züge der HLB werden zudem Montag bis Freitag bis Stadtallendorf verlängert und bedienen auch Kirchhain (Marburg ab 7.24 Uhr, 15.20 Uhr, 19.21 Uhr, Stadtallendorf an 7.39 Uhr, 15.37 Uhr, 19.37 Uhr). In der Gegenrichtung verlassen die Züge Stadtallendorf um 8.16 Uhr, 16.18 Uhr und 20.18 Uhr.

Komplett neu sind die Züge der HLB nach Marburg am Wochenende. Acht neue Zugpaare ermöglichen am Samstag den RE-Stundentakt zwischen 7 und 21 Uhr, an Sonntagen von 9 bis 21 Uhr. Das letzte Zugpaar hält wieder auf fast allen Stationen zwischen Gießen und Marburg. Durch den neuen Wochenendverkehr ergeben sich in Gießen kurze Umsteigezeiten aus Richtung Koblenz und Siegen nach Marburg, was zu Reisezeitkürzungen von bis zu einer Stunde führt.

Fernverkehr:

Im Fernverkehr büßt Marburg eine wichtige Direktverbindung ein, nämlich den IC morgens nach Berlin (die OP berichtete). Nun muss man im zweistündigen Takt den Regionalexpress (RE) nehmen und in Kassel umsteigen, ohne Sitzplatzreservierung und mit wenig Stauraum für Gepäckstücke im RE. Die zweite Variante ist der Umstieg in Hannover, aber mit ungünstigen Umsteigezeiten. Der Intercity, der durch Mittelhessen fährt, bedient nur die Strecke Hamburg-Hannover-Kassel-Marburg-Gießen-Frankfurt-Karlsruhe.

Pro Bahn kritisiert aber auch, dass in Richtung Süden, bis auf wenige Ausnahmen an Einzeltagen, generell in Karlsruhe Schluss sei. Die Verbindungen bis nach Konstanz sind gekappt. Wer dorthin will, muss den teureren ICE oder den langsameren Schienennahverkehr nutzen.

von Michael Agricola, Michael Rinde und Götz Schaub

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr