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Fahrgäste klagen über volle Busse

Stadtverkehr Fahrgäste klagen über volle Busse

Bei den Stadtwerken häufen sich die Beschwerden: In manchen Stadtbussen herrsche drangvolle Enge, die Pünktlichkeit lasse zu wünschen übrig. Die Verantwortlichen wollen aber gegensteuern - ein schwieriges Unterfangen, wie sie sagen.

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Zu bestimmten Zeiten herrscht großes Gedränge an den Bushaltestellen rund um den Hauptbahnhof.Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. In Marburg mit dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) von A nach B zu kommen, ist manchmal kein Vergnügen: Die Busse sind überfüllt, Fahrgäste müssen an Haltestellen stehen gelassen werden. Und die Pünktlichkeit lässt auch zu wünschen übrig. Stadtwerke Marburg Consult (SWM-C) und Marburger Verkehrsgesellschaft (MVG) wollen Abhilfe schaffen. Allerdings werde dies nur mit kleinen Schritten möglich sein, sagen SWM-C-Geschäftsführer Christoph Rau und MVG-Geschäftsführer Wolfgang Otto im Exklusiv-Gespräch mit der Oberhessischen Presse.

Warum dies so ist? Weil zu Spitzenzeiten ohnehin schon alles rollt, was Räder hat. Von 75 Stadtbussen sind dann 68 im Einsatz. „Mehr geht nicht“, berichtet Otto, da jeden Tag sieben Busse in der Werkstatt stehen: für Reparatur- und Fristarbeiten und notwendige Sicherheitsüberprüfungen.

2500 Studenten mehr als im Vorjahr

Kurzfristig zusätzliche Busse anzuschaffen, sei auch nicht möglich, sagt Rau, da bereits im vergangenen August das Budget für das laufende Wirtschaftsjahr festgelegt worden sei: „Ein neuer Gelenkbus kostet immerhin 400 000 Euro.“

Woran liegt es, dass die Busse zu bestimmten Zeiten überfüllt sind? Ein Problem, mit dem laut Rau auch der ÖPNV in der Nachbarstadt Gießen zu kämpfen hat. Der SWM-C-Geschäftsführer beantwortet diese Frage mit Zahlen. Auf der einen Seite seien in Marburg die Schülerzahlen konstant geblieben, auf der anderen Seite aber gibt es gegenüber dem vergangenen Wintersemester deutlich mehr Studenten: insgesamt 25000 und damit 2500 mehr als noch vor einem Jahr. Von diesen nutzen laut Rau mindestens 1000 dreimal pro Tag die Stadtbusse. Hochgerechnet aufs Jahr ergebe das 540000 zusätzliche sogenannte Beförderungsfälle, die quasi vier zusätzliche Gelenkbusse erforderten.

Verstärkerfahrzeuge sollen unterstützen

Diese anzuschaffen, sei allerdings aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich, da es zu einer Überlastung der Stadtbusse nur in Spitzenzeiten komme.Das ist einmal die sogenannte Frühspitze: „Zwischen 7.20 und 8.30 Uhr läuft die Stadt über“, sagt Rau. „Dann bekommen wir auch die Pünktlichkeit der Busse nicht immer auf die Reihe.“ Eine zweite Spitze gebe es seit Beginn dieses Semesters zwischen 9.30 und 10 Uhr. „Dann kommen am Hauptbahnhof in kurzen Abständen vier voll besetzte Züge an“, berichtet Rau. Unter den Fahrgästen seien außerordentlich viele Studenten, die außerhalb Marburgs wohnen - Stichwort: Wohnungsnot in der Kernstadt - und nun mit den Bussen zum Vorlesungsbeginn um 10.15 Uhr in die Innenstadt gebracht werden müssen. Dadurch sind die Busse der Linien 1, 2, 3, 5 und 7, die in dieser Zeit dorthin fahren, an manchen Tagen der Woche überfüllt - vor allem dienstags bis donnerstags. Die Stadtwerke setzen deshalb, wie SWM-C-Fahrplaner Robby Jahnke berichtet, einen zusätzlichen Einsatzwagen ein, der grundsätzlich so lange wartet, bis die letzten Nachzügler den Weg vom Bahnsteig zur Bushaltestelle zurückgelegt haben.

Verstärkerfahrzeuge sind auch zu anderen Spitzenzeiten vorgesehen: etwa Sonntagabend, wenn die Studenten aus dem Wochenende zurückkehren. Im Schüler- und Berufsverkehr, der mit dem Vorlesungsbeginn um 8 Uhr zusammenfällt, wollen die Stadtwerke-Planer sogar schweren Herzens in einem Fall die Linie 7 aus dem Takt herausnehmen: Sie wird künftig ab Hauptbahnhof in Richtung Innenstadt nicht um 7.39 Uhr sondern fünf Minuten früher fahren. „Nur so ist gewährleistet, dass alle Schüler pünktlich zum Unterricht erscheinen“, sagt Jahnke.

Appell an Fahrgäste: Türen freigeben und durchrücken

Ansonsten appellieren Rau, Otto und Jahnke auch an die Fahrgäste. Wer dazu in der Lage sei, dem empfehlen sie, einen Bus früher zu nehmen, um in Ruhe zur Uni oder Arbeit zu kommen. Gute Erfahrungen machten damit morgens nach 7 Uhr die Mitarbeiter der Uniklinikum-Verwaltung. Außerdem ließen sich auch einige Probleme dadurch lösen, dass Fahrgäste von sich aus und nicht erst nach Aufforderung im Bus durchrücken und die Türen freigeben, da sich diese sonst aufgrund der Lichtschranken nicht schließen - Folge: der Bus fährt verspätet weiter. Otto kündigt an, dass diesbezügliche Ansagen in naher Zukunft auch über das Bordsystem analog zu den Haltestellenansagen erfolgen sollen. Außerdem ist geplant, an zentralen Haltestellen große Aushänge anzubringen - mit einer Übersicht über alle Abfahrten auf der Hauptverkehrsachse vom Haupt- zum Südbahnhof.

  • Am Samstag, 7. Dezember, lädt SWM-C von 10 bis 16 Uhr in die Mobilitätszentrale am Rudolphsplatz ein. Dort besteht die Möglichkeit, sich eingehend über den neuen Fahrplan zu informieren, der am Sonntag, 15. Dezember, in Kraft tritt.

von Michael Arndt

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