Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Fähigkeiten erkennen und fördern

Biwaq-Programm Fähigkeiten erkennen und fördern

Mehr als 750000 Euro gibt die Europäische Union bis 2018, um Menschen aus dem Waldtal und dem Stadtwald an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Profitieren sollen bis zu 350 Personen.

Voriger Artikel
Vom Kornspeicher zum Museum
Nächster Artikel
Verkehrsversuch bringt Staus in der Bahnhofstraße

Danke, Europa: Vertreter der Stadt Marburg und der Kooperationspartner freuen sich über das „Biwaq“-Programm für erwachsene Arbeitslose (großes Bild).

Quelle: Döhn/Stadt Marburg

Marburg. Unter einem „Biwak“ wird landläufig ein befestigter Lagerplatz für Alpinisten verstanden, an dem schutzsuchende Bergsteiger Unterschlupf finden, wenn das Wetter zu schlecht wird.

Dank des Hangs in der Politik, alle möglichen Förderprogramme mit allen möglichen lustigen, aber irgendwie sinnstiftenden Bezeichnungen zu versehen - von „Heureka“ bis „Loewe“ - ist „Biwaq“ nun auch ein Programm, das benachteiligten Menschen in unserer Gesellschaft bessere Chancen zu ermöglichen soll: „BIWAQ“ ist ein Programm des Bundes mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds ESF, das ausgeschrieben „Bildung, Wirtschaft, Arbeit im Quartier“ heißt.

Marburg gehört zu den acht Kommunen in ganz Hessen, die der Bund in dieses Programm aufgenommen hat. Fördervoraussetzung: Das Gebiet, das von dem Programm profitiert, müssen auch im Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ sein. Für das Waldtal und den Stadtwald trifft diese Voraussetzung zu.

Ziel von „Biwaq“ ist die Förderung von quartiersbezogenen lokalen Bildungs-, Wirtschafts- und Arbeitsmarktprojekten und städtebaulicher Initiativen. Das Programm richtet sich an langzeitarbeitslose Männer und Frauen ab 27 Jahren sowie an lokale Betriebe.

Sie zusammenzubringen, ist im Waldtal oder im Stadtwald auch Ziel der Gemeinweseninitiativen AKSB und IKJG, ebenso wie stadtweit der Praxis gGmbH.

AKSB, IKJG, Praxis gGmbH sollen nun in enger Abstimmung mit dem Kreisjobcenter und der Agentur für Arbeit Möglichkeiten entwickeln, Bewohner aus den Stadtteilen so zu aktivieren, dass sie für eine Berufstätigkeit qualifiziert werden.

Das „Biwaq“-Programm steht damit in einer langen Tradition. Bereits 1986 wurde im Waldtal eine erste Beschäftigungsgesellschaft gegründet, die sich die Verbesserung des Wohnumfelds auf die Fahnen geschrieben hatte und dank öffentlicher Unterstützung Wohnungen und öffentliche Räume im Waldtal renoviert hat.

Die Mitarbeiter erwarben sich Grundkenntnisse in verschiedenen Bauberufen, Anrecht auf Arbeitslosengeld und konnten in mehreren Fällen in eine reguläre Beschäftigung vermittelt werden. Ein ähnliches Programm gab es unte dem Namen „Lobi“ für Frauen. 1993 wurden die verschiedenen Beschäftigungsgesellschaften zur heute noch existierenden Firma „Integral“ zusammengefasst.

Bei den aktuellen Überlegungen im Waldtal und im Stadtwald spielt auch die Stärkung der ehrenamtlichen Arbeit im Stadtteil eine wesentliche Rolle. Britta Stadlmann-Golega und Lisa Neusser vom AKSB berichten beispielsweise über einen Einkaufsdienst für den Stadtteil und eine Initiative, die „Ruhe-Inseln“ für den Stadtteil schafft - Begegnungsräume einschließlich ansprechend gestalteter Rihebänke.

Und Monika Mayer von der IKJG sagt, dass im Stadtteil aus einer Reihe von ehrenamtlichen Tätigkeiten auch berufliche Perspektiven entstehen könnten, etwa ein Waschsalon oder eine Stadtteilboutique.

All diese Ideen können nun gefördert werden. Die Praxis gGmbh soll für die Qualifizierung der Betroffenen zuständig sein, allein bis Ende 2016 sind sechs Trainingskurse vorgesehen, wie Geschäftsführerin Gerlind Jäckle berichtet.

Entscheidend für das Gelingen der Idee ist das Zusammenspiel der unterschiedlichen Partner: die Initiativen vor Ort, deren Aufgabe es vor allem ist, Interessenten zu identifizieren und zu motivieren, und Bildungsträger, die vor allem für die Qualifzierung zuständig sind. Denn wie sagt es Thomas Siemon vom Kreisjobcenter: „Jahrzehntelange Arbeitslosigkeit vernichtet Ressourcen.“

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr