Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° wolkig

Navigation:
Fachwerk-Kenner kritisieren Magistrat

Brandruine Fachwerk-Kenner kritisieren Magistrat

Aus dem Denkmalbeirat wird Kritik am Magistrat wegen dessen Umgang mit dem bei einem Brand Mitte August 2014 schwer beschädigten Fachwerkhaus in Marbach laut.

Voriger Artikel
Kurtaxe soll klamme Kassen füllen
Nächster Artikel
Bouffier unterstützt Ebola-Forscher

Bei einem Brand im August 2014 beschädigt: Fachwerkhaus in der Brunnenstraße.

Quelle: Nadine Weigel

Marbach. Aufforderung an den Magistrat, das denkmalgeschützte Gebäude in der Brunnenstraße zu sichern: „Wenn nicht unverzüglich gehandelt wird, droht der Untergang eines herausragenden Kulturdenkmals“, sagt Hartmut Lange, Mitglied des Denkmalbeirats. „Es geht hier nicht um die Sanierung des Hauses, es geht um Sicherung der bedeutsamen Bausubstanz.“

Tragende Elemente ungeschützt vor Wettereinflüssen

Dem Magistrat liege für diesen Schritt bereits seit langem vom Eigentümer, der die Kosten nach eigenen Angaben wegen Verschuldung nicht bezahlen kann, ein Kostenvoranschlag über 15 000 Euro vor (der Magistrat geht von 20 000 bis 50 000 Euro aus). „Die Stadt hat laut Gesetz die Pflicht zur Sicherung, nicht die Möglichkeit oder Ermessensspielraum, wie der Bürgermeister meint“, sagt Lange.

Bei dem Brand im August 2014 stürzte unter anderem eine Decke ein, die nun seit Monaten auf einer darunter liegenden lastet. Die tragenden Elemente weichen mit jedem Regenguss und Schneeschauer, der ungehindert in das Haus eindringt,  weiter auf. Diese „weitere Zerstörung durch Witterungseinflüße“ gelte es zu verhindern.

„Die Einsturzgefahr steigt immer mehr. Noch kann man das Gebäude problemlos sichern und schützen“, sagt er. Sollten bis Freitag – dem Stichtag zur Fördermittel-Beantragung beim Land im Rahmen der sogenannten Ersatzvornahme – keine Schritte unternommen worden sein, plant Lange eine Dienstaufsichtsbeschwerde bei der Verwaltung. Grund: Untätigkeit des Baudezernenten.

Magistrat: Den Verfall gilt es zu verhindern

„Herr Kahle versucht sich aus der Verantwortung zu stehlen, weil sein Fachdienst nicht sofort nach dem Brand gehandelt hat und er für die denkmalschädigenden Versäumnisse die Verantwortung trägt“, sagt Lange.
Kahle sagte zuletzt, dass der Denkmalschutz nicht greife, wenn Investitionen für den Eigentümer existenzbedrohend seien. Ergo sei zukünftig auch ein Abriss des Hauses nicht ausgeschlossen.
Denn: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir als öffentliche Hand ein Haus für einen späteren Käufer herrichten.“ Lange entgegnet, dass Kahles Einschätzung keine rechtliche Grundlage habe. Die Argumentation der bedrohten Existenz gelte „nur bei einer Sanierung, nicht für die vorher zu gewährleistende, dringend nötige Sicherung“. Erst nach dieser könne über eine Wiederherstellung nachgedacht werden – „ohne Zeitdruck“ und
eventuell mit Zuschüssen durch Stadt oder Land.

Im Bauausschuss machte Kahle nun klar, dass es auch dem Magistrat vor allem darum gehe, das Haus „vor dem Verfall zu schützen“. Deswegen habe die Stadt dem Eigentümer bereits die Ersatzvornahme angedroht. Darauf habe der Eigentümer  nicht reagiert. „Wir müssen jetzt versuchen, die für die Sicherung der Bausubstanz notwendigen Kosten zu vollstrecken“, sagte Kahle. Wenn dies nicht gelinge, müsse die Stadt überlegen, wie man weiter vorgehe. Unabhängig davon seien Mitarbeiter des Bauamtes aber dabei, das Gebäude „so zu sichern, dass kein weiterer Verfall droht“.

Derzeit bestehe aus Sicht des Magistrats kein akuter Anlass, Denkmalgelder vom Land einzufordern.

  • Das Thema wird am Freitag in der Stadtverordnetenversammlung (ab 16.30 Uhr im Haus Barfüßerstraße 50) auf Initiative der Linken behandelt.

von Björn Wisker und Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr