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Experten: "Magic ist kein Glücksspiel"

Podiumsdiskussion Experten: "Magic ist kein Glücksspiel"

Im evangelischen Jugendhaus Compass wird kein Glücksspiel angeboten. Zu diesem Ergebnis kam jetzt eine Expertenrunde, die sich aufgrund von Vorwürfen mit dem Kartenspiel "Magic" auseinandersetzte.

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Thomas Graf (von links), Oliver Bein, Ute Wieder, Markus Klonk, Martin Wehnert, Dieter Schmitz und Elke Kirchhoff-Müller diskutierten über das Kartenspiel „Magic“. Foto: Heiko Krause

Marburg. Anlass der Veranstaltung, zu der knapp 20 Interessierte kamen, war ein Artikel in der Oberhessischen Presse, in dem der Vater eines Jugendlichen dem „Compass“ vorwarf, Glücksspiel anzubieten. Markus Klonk, Leiter des Jugendhauses. der die Diskussionsrunde leitete, sprach in diesem Zusammenhang von „reißerischen Zeilen“, die dafür gesorgt hätten, sich mit dem Spiel näher auseinanderzusetzen. „Bieten wir etwas an, was eigentlich nicht hierher gehört, schließlich wollen wir präventive Jugendarbeit betreiben?“: Dies sei die Frage des Abends.

Martin Wehnert vom Verein „Spielbrücke“ erläuterte, dass es sich bei dem Fantasy-Rollenspiel „Magic“ um ein Spiel handele, für das zunächst Sammelkarten erworben werden müssten. Was jeweils in den Tütchen sei, wisse der Käufer nicht. Tatsache sei es, dass es sich für das Spielen in großer Runde lohne, viele Karten zu haben, „da kann man richtig Geld lassen“.

Gleichwohl reiche ein gewisser Satz an Karten aus. Im Übrigen gebe es immer die Gelegenheit, Karten zu tauschen. Wenn Jugendliche unbedingt gewisse Karten haben wollten, dann gleiche dies eher dem Drang nach Statussymbolen wie Handys oder Markenkleidung und das sei ein anderes Problem, so Wehnert.

„Magic“ sei sicher kein Glücksspiel im Sinne des Gesetzes, sagten der Spielsucht-Experte Dieter Schmitz vom Diakonischen Werk Oberhessen (DWO) und Ute Wieder vom Ordnungsamt der Stadt Marburg.

„Nicht Glück, sondernKönnen entscheidet“

Schmitz verwies darauf, dass „beim Glücksspiel ausschließlich der Zufall entscheidet“, zudem werde für ein Entgelt ein Gewinn erwartet. Wieder berichtete, dass sie sich aufgrund des Artikels intensiv mit dem Kartenspiel auseinandergesetzt und Meinungen eingeholt habe. Das Ergebnis sei, dass bei „Magic“ nicht das Glück, sondern die Strategie und das Können des Spielers entscheide. Für derartige Spiele bedürfe es im öffentlichen Raum keiner Genehmigung, sofern kein Preisgeld über 30 Euro ausgelobt werde.

Wehnert räumte ein, „das Spiel macht sehr schnell süchtig, aber im positiven Sinn, denn es ist sehr spannend“. Thomas Graf, Spezialist für Prävention, Jugendschutz und Online-Spiele beim DWO, sagte dazu, dass kein Problem vorliege, solange es um den Spaß gehe. Erst wenn der Spieler spiele, um der Realität zu entfliehen, werde es problematisch.

Bei „Magic“ halte er diese Gefahr aber für verschwindend gering. Das passiere eher bei Online-Spielen, bei denen die Menschen alleine in einer virtuellen Welt seien. Das Kartenspiel dagegen werde zusammen gespielt und durch das Tauschen komme ein weiterer kommunikativer Aspekt hinzu.

Auch Oliver Bein vom Jugendamt der Stadt Marburg sah keine pädagogischen Gefahren. Vielmehr sei es positiv, dass die Jugendlichen sich treffen würden. Sinnvoll sei es aber immer, das Spielen pädagogisch zu begleiten. Es müsse die Basis geschaffen werden, dass mit möglichst wenig Kosten gespielt werde und den Jugendlichen solle vermittelt werden: „Du musst nicht immer die teuersten Karten haben.“

Stadtjugendpfarrerin Elke Kirchhoff-Müller zeigte sich erleichtert über den Verlauf der Diskussion, bei welcher sich Kritiker nicht äußerten. Sie habe die Vorwürfe sehr ernst genommen. Im Nachgang sei der Anruf eines Vaters aber auch dubios gewesen. Es sei dabei wohl um Geschäftsinteressen gegangen, aber das Jugendhaus „Compass“ mache da sicher niemandem Konkurrenz.

von Heiko Krause

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