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Experte sieht keinen Grund zur Panik

4 Fragen, 4 Antworten Experte sieht keinen Grund zur Panik

Die Wasserverunreinigung in Marburg und Teilen des Landkreises hält die Menschen weiter in Atem. Im OP-Interview erklärt Reinier Mutters auch, wie E.-coli-Bakterien wirken.

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Der Trinkwasserbrunnen am Marburger Steinweg ist weiterhin abgedreht.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Reinier Mutters (Foto: Ruth korte) ist Professor am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene des Uniklinikums Marburg.

OP: Welche gesundheitlichen Risiken haben E.-coli-Bakterien für uns?

Prof. Reinier Mutters: Das Risiko ist in unserem Fall nicht besonders hoch. Wenn man eine hohe Dosis E.-coli-verseuchtes Wasser trinken würde, was bei den geringen Konzentrationen, die im Wasser nachgewiesen worden sind, nicht der Fall gewesen sein kann, hätte man gegebenenfalls Durchfall bekommen, vielleicht ein bisschen Übelkeit verspüren können. Das ist überhaupt nicht gefährlich. Aktuell wurde das Versorgungssystem bereits gechlort. Das Wasser, das wir heute Morgen zum Duschen benutzt haben, roch ein wenig nach „Schwimmbad“. Die ansteckende Phase ist damit sicher vorbei, von daher ist die Situation längst nicht so dramatisch, wie sie vielleicht von manchen gesehen wurde. Grundsätzlich besteht bei schwerkranken und schwachen Personen natürlich immer das Risiko einer Infektion, aber ein gesunder junger Mensch wird von den paar E. colis, die gefunden wurden, keinen Durchfall bekommen.

OP: Wie wirkt das E.-coli-Bakterium eigentlich?

Mutters : Das Bakterium E. coli ist ein ganz normaler Darmkeim. Alle Menschen haben diesen Keim. Und es ist gut, dass wir ihn haben, denn er unterstützt unsere Darmflora positiv. Der Punkt ist aber, dass man seine eigene E.-coli-Flora hat. Das heißt, wenn man fremde E. colis aufnimmt, die natürlicherweise nicht in unserer Darmflora vorkommen, kann man Durchfälle bekommen. Das passiert zum Beispiel häufig, wenn man in andere Länder wie Südeuropa oder Ägypten reist. Es ist ganz typisch, dass man dort früher oder später Durchfall bekommen kann, weil man durch das Trinkwasser oder gewaschene Salate E. colis zu sich nimmt, die der Körper nicht kennt. Die Einwohner dieser Länder selbst würden davon niemals Durchfall bekommen, dafür aber sehr wahrscheinlich von unseren E. colis.

OP: Wie häufig kommt es zu solchen Wasserverunreinigungen?

Mutters : Wir hatten diese Situation – interessanterweise – am 3. Juli 2008 schon mal. Damals wurde das Uniklinikum wegen einer E.-coli-Verunreinigung von den Stadtwerken abgekoppelt. Zu solchen Grundwasserverunreinigungen kommt es immer dann, wenn beispielsweise Weiden nach langem Regenfall unter Wasser stehen und die Brunnengrenze überläuft. Durch den Kot der Tiere, die natürlich auch eine E.-coli-Flora haben, gelangt das verschmutzte Wasser dann in den Brunnen und wird verdünnt. Grundsätzlich tritt eine solche Verunreinigung aber extrem selten auf. Man kann natürlich nicht mit Sicherheit sagen, dass nicht irgendwann doch eine kleine Menge von diesen fäkalen Rezeptoren ins Grundwasser gerät, wir es aber nicht merken, weil es im gesamten Wassersystem nicht bemerkbar ist.

OP: Was soll ich tun, wenn ich unter Durchfall und Übelkeit leide?

Mutters: Ruhe bewahren. Vielleicht Kohletabletten nehmen, aber keine Antibiotika. Es ist eine selbstlimitierende Erkrankung, die ohne therapeutische Maßnahmen zum Erliegen kommt.

  • Die Stadtwerke Marburg haben eine Hotline eingerichtet. Bei Fragen können Sie sich von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr unter 0 64 21 / 20 55 05 an die Mitarbeiter wenden. Auch der Zweckverband Mittelhessischer Versorgungswerke gibt Ihnen unter der Telefonnummer 0 64 28 / 93 40 Auskunft.

von Ruth Korte

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