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Experte rät: Zurückhaltung bei Facebook

Cybermobbing Experte rät: Zurückhaltung bei Facebook

„Du bist so hässlich.“ „Du bist ein Opfer.“ Beleidigungen im Internet, Mobbing im sozialen Netzwerk - mit diesem Thema befassten sich etwa 50 Jugendliche, Betreuer und Eltern im Theater G-Werk.

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Hagar Mohamed (von links), Vorsitzende der Kinder- und Jugendvertretung des St. Elisabeth-Vereins, Vertretungsmitglieder Natalie Hoffarth und Elisabeth Gelzhäuser sowie Sozialpädagoge Thomas Graf diskutierten im G-Werk über „Cybermobbing“.

Marburg. Chantal ist online und postet „Jemand Bock zu schreiben?“ Und erhält darauf prompt den Kommentar von Michelle: „Wer will denn mit dir Opfer schreiben!?“ Und auf Chantals Nachfrage, was das solle, folgen weitere Beleidigungen: „Du bist so hässlich!“ Und: „Du läufst wie ein Penner rum, kannst du dir keine Kleidung leisten.“ Sie habe keine Freunde, ihre Eltern hätten kein Geld und würden sie vernachlässigen - und nochmals: „Du bist ein Opfer!“

Mit dieser gespielten Mobbing-Chat-Szene als Einstieg eröffneten einige Mitglieder der Kinder- und Jugendvertretung des St. Elisabeth-Vereins die Diskussion zum Thema „Cyber-Mobbing“. Diese bildete den zweiten Teil einer Fortbildung über Social Media unter dem Titel „Gefahren bei Facebook“.

Im ersten Teil hatte Sozialpädagoge Thomas Graf, Fachkraft für Suchtprävention im Landkreis Marburg-Biedenkopf und Jugendschutzbeauftragter des Landkreises Gießen, einen Vortrag unter dem Titel „Social Networking“ gehalten und war auf mediale Kommunikationskultur, Datenschutz und Cyber-Mobbing eingegangen. Dabei beleuchtete er die allgemeinen Hintergründe sozialer Netzwerke.

„Vor allem Facebook wird genutzt, zu einem Drittel etwa von Jugendlichen zwischen 13 und 24 Jahren“, erklärte Graf und berichtet über eine Umfrage: Häufigste Angabe nach dem Nutzungszweck sei gewesen, „um sich mit Freunden zu verabreden und zu quatschen“, zweithäufigste Angabe „weil es alle machen“.

Fast 17 Prozent der Jungen und Mädchen gaben an, schon einmal unter verschiedenen Formen des Cyber-Mobbings gelitten zu haben, wie Beleidigungen, Gerüchte, Bedrohungen oder Veröffentlichung peinlicher Fotos. Dies führte, wie Graf im Verlauf der Diskussion erklärte, in Extremfällen zum Umzug der Opfer oder gar bis zum Selbstmord. Andererseits fingen 30 bis 35 Prozent der Opfer selbst an, andere zu mobben. Dies könne zur Vergiftung ganzer sozialer Gemeinschaften führen.

Dass die Wirkung von Mobbingversuchen stark von der Reaktion der Betroffenen abhänge, habe das Beispiel einer Gruppe Mädchen an einer Schule gezeigt.

Unbekannte hatten Sexfotos von ihnen ins Internet gestellt. Die Mädchen sagten nur: „Na und, was soll‘s?“. Und das Ganze verpuffte, ohne zum Mobbing zu werden. Dennoch könnten auch starke Persönlichkeiten zum Opfer werden. „Wenn eine Gruppe entscheidet, dass jemand der ,Looser‘ ist, dann hat er schon verloren, mag er noch so stark sein“, sagte Graf und erläuterte genauer die sozialen und gruppendynamischen Prozesse, die dahinter stehen.

Man könne kaum aus dem Kreislauf aussteigen, am besten sei es, wenn einer von außen, der Einfluss auf die ganze Gruppe habe, wie der Klassenlehrer, eingreife. „Je mehr veröffentlicht wird, desto schwerer wird es, den Kreislauf zu durchbrechen“, betonte Graf. Eine vorbeugende Maßnahme sei, nicht zu viel Persönliches von sich bei Facebook preiszugeben und darauf zu achten, die Einstellungen so vorzunehmen, dass nicht jeder alles über einen lesen kann. Eine junge Teilnehmerin berichtete von einer Mitbewohnerin, die Facebook wie ein Tagebuch nutze, 20 Stunden am Tag fast jede Handlung poste und meinte, so etwas sollte man verhindern.

Links mit weiteren Informationen zum Thema finden sich auf der Internetseite von Thomas Graf unter www.graf-impuls.de/social-media/

von Manfred Schubert

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