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Experte: "Krebsdiät ist großer Unsinn"

Prostatakrebs Experte: "Krebsdiät ist großer Unsinn"

Ärzte verschiedener Fachrichtungen erläuterten Vorsorgemöglichkeiten und Behandlungsmethoden, gaben aber auch Tipps für die Zeit danach.

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Dr. Ulf Seifart, Chefarzt der Klinik Sonnenblick, lockerte seinen Vortrag über „Reha und mehr“ mit nicht ganz ernst gemeinten Vorschlägen zu Sport nach Operation und Therapie auf. Weitere Referenten und Organisatoren waren Bettina Seifert-Heinze (von links), Dr. Peter Jochen Olbert, Dr. Axel Hegele, Dr. Andrea Wittig, Dr. Astrid Honacker, Brigitte Lehfeld und Yvonne Richter.Fotos: Schubert

Marburg. Der Patienten-Informationstag, den das Prostatakarzinomzentrum Marburg und der interdisziplinäre Arbeitskreis Uro-Onkologie im Technologie- und Tagungszentrum zum Thema Prostatakrebs veranstalteten, zog ein sehr interessiertes Publikum an. Die etwa 60 Besucher hörten sich größtenteils alle fünf Vorträge an und stellten den Referenten etliche Fragen.

Den Anfang machte der Marburger Urologe Dr. Martin Ludwig, der über die Möglichkeiten der Krebsvorsorge und die entsprechenden Untersuchungen informierte. Privatdozent Dr. Peter Jochen Olbert, leitender Oberarzt an der Klinik für Urologie und Kinderurologie und Mitorganisator des Patiententages, sprach über die Auswahl des richtigen Therapieverfahrens.

Eine Möglichkeit, die operative Behandlung von Prostatakrebs, erläuterte Professor Dr. Axel Hegele, Geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Universitätsklinikums, in seinem Vortrag ausführlich. Nach Schätzung von Dr. Olbert saßen im Publikum zur Hälfte in Behandlung befindliche Patienten, die sich entsprechend auch für Details interessierten. So wollte ein Mann von Dr. Hegele genau wissen, auf welchem Weg das Tumorgewebe herausgeholt wird.

Die Möglichkeiten und unterschiedlichen Formen der Strahlentherapie erläuterte Privatdozentin Dr. Andrea Wittig, geschäftsführende Oberärztin an der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie. Grundlage dieser Behandlung ist, dass Tumorzellen durch radioaktive Strahlung eher absterben als normale Zellen. Dennoch ist es natürlich wichtig, möglichst punktgenau nur das kranke Gewebe zu bestrahlen. Grundsätzlich gibt es zwei Methoden: Die Bestrahlung kann von außen durch die Haut über einen zeitlich begrenzten Zeitraum oder durch die Platzierung der Strahlenquelle innerhalb des Tumors selbst vorgenommen werden.

Grundsätzlich seien in einem frühen Stadium die Heilungschancen durch Operation und Bestrahlung gleich, Unterschiede gebe es bei den möglichen Nebenwirkungen auf Blase, Enddarm und Potenz.

Dr. Ulf Seifart, Facharzt für Innere Medizin, Hämatologie und internistische Onkologie und Chefarzt der Klinik Sonnenblick, lockerte seinen kurzweiligen Schlussvortrag mit dem Titel „Fit trotz Krebs - Reha und mehr“ mit Illustrationen auf, zum Beispiel nicht ganz ernst gemeinten bildlichen Vorschlägen zu Sport nach Operation und Therapie. Er ging darauf ein, was man tun kann, damit der Tumor nicht wiederkommt und um Therapienebenwirkungen zu verringern.

Außer Übungen wie Beckenbodentraining gegen Inkontinenzprobleme sprach er erfrischend unkompliziert und klar allgemein wichtige und eigentlich ganz selbstverständliche Dinge an. So sei erwiesen, dass es bei Befürwortern einer „Western-Diät“, sprich also, ständig den Grill anwerfen und hauptsächlich Fleisch verzehren, schlechter laufe als bei denen, die auch Obst und Gemüse essen. Gegen ein Glas Bier oder Wein, aber nicht jeden Tag, sei nichts einzuwenden. „Lassen sie sich keine Krebsdiät aufschwatzen, das ist großer Unsinn“, sagte Dr. Seifart. Bewegung, möglichst täglich, sei sinnvoll. „Welchen Sport man treiben soll, weiß kein Mensch, machen Sie den, den sie gerne machen.“

Ein ganz wichtiger Punkt während der Reha-Zeit sei, die sozialen Leistungen zu beantragen, die man aufgrund von Einschränkung oder Verlust der Arbeitsfähigkeit in Anspruch nehmen müsse. Die Bearbeitung durch die Behörden dauere lange und während der Reha können Profis, zum Beispiel der Hessischen Krebsgesellschaft, Hilfestellung geben. Ein Drittel der Krebspatienten falle unter die Armutsgrenze, auch, weil diesen viele Möglichkeiten nicht bekannt seien.

von Manfred Schubert

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