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Exodus als eine Revolution

Christian-Wolff-Vorlesung Exodus als eine Revolution

Der Ägyptologe Jan Assmann hält am Donnerstag, 19. November, ab 20 Uhr in der Alten Aula der Universität die Christian-Wolff-Vorlesung.

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Jan Assmann hält die Christian-Wolff-Vorlesung.

Quelle: C. H. Beck-Verlag

Marburg. Die traditionsreiche Christian-Wolff-Vorlesung des Uni-Fachbereichs Philosophie bietet alljährlich bekannten Philosophen ein Forum zu besonderen Vorträgen im Geiste der Aufklärung, die an das Werk des berühmten Philosophen Christian Wolff erinnern, der von 1723 bis 1740 an der Marburger Universität lehrte.

In diesem Jahr ist kein Philosoph im klassischen Sinn, sondern ein Universalgelehrter an der Reihe.

Es ist der emeritierte Philosoph und Religionswissenschaftler Jan Assmann, der mit seinen zahlreichen Veröffentlichungen Denkanstöße weit über die Grenzen der von ihm vertretenen Fächer lieferte. So geht beispielsweise die Theorie des „Kulturellen Gedächtnisses“ auf Assmann zurück.

„Er behandelt Fragen von hoher philosophischer Relevanz“, erläutert der Marburger Philosophie-Professor Winfried Schröder, der die Christian-Wolff-Vorlesung dieses Mal organisiert und Assmann eingeladen hat. So habe der Religionswissenschaftler auch wichtige Anstöße zum Thema des Verhältnisses zwischen Gewalt und monotheistischer Religion gegeben.

Sein jüngstes Buch mit dem Titel „Exodus - Revolution der Alten Welt“ beschäftigt sich ebenfalls mit einer wichtigen Etappe auf dem Weg von Religionen der vielen Götter zu einer Religion des einen Gottes.

Assmann widmet sich in diesem Buch dem Auszug des Volkes Israel aus Ägypten und dem Aufbruch in das „Gelobte Land“ sowie der biblischen Erzählung über diesen „Exodus“ in dem gleichnamigen Bibel-Buch.

Assmanns Buch liefert auch den Titel der Marburger Vorlesung. Er stellt die Frage „Exodus als Aufklärung?“ In einem Interview mit Deutschlandradio Kultur beantwortete der Wissenschaftler diese Fragestellung so: „Exodus ist Aufklärung und Säkularisierung der Herrschaft.“ Die sakrale Herrschaft, bei der ein König als Gott auf Erden herrsche, werde aufgebrochen und das Königtum säkularisiert. Für Assmann enthält das Buch Exodus „die wahrscheinlich grandioseste und folgenreichste Geschichte, die sich Menschen jemals erzählt haben“.

Denn das Thema des Wandels vom Polytheismus zum Monotheismus sei eine Wende, die nur mit den „großen Evolu­tionsstufen“ in der Menschheitsgeschichte wie der Schrifterfindung und der Staatenbildung vergleichbar sei.

Für den Ägyptologen sind in dem Buch Exodus vor allem zwei Dinge essentiell beschrieben: die Fragen nach der Gottesnähe sowie nach der Identität der Menschen.

Gleichzeitig sei die „Exodus“-Erzählung auch ein Symbol für jegliche Form des radikalen Aufbruchs zu etwas Neuem und Anderen.

Der 77-jährige Assmann war von 1976 bis 2003 Professor für Ägyptologie an der Universität Heidelberg. Seit seiner Emeritierung hat er eine Honorarprofessur für Allgemeine Kulturwissenschaft an der Universität Konstanz.

Zu seinen zahlreichen Veröffentlichungen zählen Bücher wie „Sintflut und Gedächtnis“, „Ägypten - eine Sinngeschichte“ oder „Der Tod als Thema der Kulturtheorie“.

von Manfred Hitzeroth

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