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Exhibitionist zu Haftstrafe verurteilt

Gerichtsurteil Exhibitionist zu Haftstrafe verurteilt

Bereits zum vierten Mal stand ein ehemaliger Gladenbacher wegen exhibitionistischer Handlungen vor Gericht. Das Jugendschöffengericht verurteilte den bereits Inhaftierten zu weiteren acht Monaten Haft

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Ein einschlägig vorbestrafter Täter befriedigte sich sexuell vor drei jugendlichen Mädchen und musste sich deshalb vor Gericht verantworten.

Quelle: Archiv

Marburg. Während der vergangenen drei Jahre hatte der mehrfach vorbestrafte Mann seinen exhibitionistischen Drang wiederholt ausgelebt und gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Seit Monaten sitzt er deshalb bereits im Gefängnis, das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer weiteren achtmonatigen Haftstrafe und riet dringend zu einer Therapie.

Innerhalb der laufenden Bewährungsfrist hatte sich der 31-Jährige im vergangenen Jahre erneut vor drei jugendlichen Mädchen entblößt und selbst befriedigt.

Mitte Mai fuhr der Angeklagte in den frühen Abendstunden mit seinem Auto auf der Landstraße zwischen zwei Marburger Außenstadtteilen.

Nachdem ihm drei Mädchen auf Fahrrädern aufgefallen waren, überholte er die Jugendlichen und parkte sein Auto gezielt in der Nähe in einem Waldstück. Dort versteckte er sich hinter einem Busch, wartete auf die Radfahrerinnen und begann schließlich vor deren Augen zu onanieren, während er „die Frauen grinsend anblickte“, so die Anklage. Nachdem diese „angeekelt davongefahren waren“ verließ der Täter das Waldstück, nicht ohne an den Jugendlichen erneut vorbeizufahren. Während der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht legte der Angeklagte ein umfassendes Geständnis ab.

Zwei der betroffenen 16 und 17 Jahre alten Jugendlichen sagten als Zeugen vor Gericht aus. Während eines der Mädchen das Erlebte gut verarbeiten konnte, stand die 16-Jährige nach der Tat unter Schock, traut sich seitdem nicht mehr mit dem Fahrrad zu fahren, „aus Angst verfolgt zu werden“, erklärte die Zeugin.

Richter: extrem hohe Rückfall-Geschwindigkeit

Es war nicht das erste Mal, dass der Angeklagte seiner sexuellen Neigung in der Öffentlichkeit nachging. Vor rund zwei Jahren befriedigte er sich unter anderem auf dem Parkplatz der Universitätsbibliothek vor mehreren Studentinnen. Er wurde bereits mehrfach wegen exhibitionistischen Handlungen, sexuellem Missbrauch von Kindern sowie gefährlicher Körperverletzung verurteilt und gilt als mehrfacher Bewährungsversager. Nur sechs Wochen vor dem letzten Vorfall stand er noch vor dem Amtsgericht und wurde wegen vier einschlägigen Taten zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt, erinnerte der Vorsitzende Richter Cai Adrian Boesken. Der Angeklagte habe eine extrem hohe Rückfall-Geschwindigkeit, dabei die Folgen seiner Taten für die Opfer nicht im Blick, obwohl er deren Ekel- und Angstgefühle sehr wohl erkannte, sagte Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier.

Aufgrund der wiederholten Straftaten in kürzester Zeit stellte das Amtsgericht im September vergangenen Jahres schließlich einen Sicherungshaftbefehl gegen den Täter. Mittlerweile wurde dieser in die Vollstreckungshaft überstellt und sitzt in der Justizvollzugsanstalt Weiterstadt ein.

„Das war ihnen doch klar, dass ihnen das um die Ohren fliegt“, mahnte der Richter den Wiederholungstäter. Dies sei ihm damals egal gewesen, erklärte der Angeklagte. Seitdem ihn seine Ehefrau samt dem gemeinsamen Kind Ende 2013 verlassen und er aufgrund der Haftstrafe Wohnung und Arbeit verloren hatte, werde er immer wieder zeitweise depressiv, habe keine weitere Lebensperspektive. „Auf ein oder zwei Jahre mehr kam es da nicht an“, sagte der 31-Jährige.

Eine frühere Therapie hatte der Mann abgebrochen, die Medikamente eigenständig abgesetzt, sprach sich vor Gericht trotzdem für eine weitere psychiatrische Behandlung aus. Eine Therapie sei im Falle seines Mandanten sinnvoller, sei erfolgversprechender als ihn wegzusperren, betonte auch Verteidiger Markus Plettenberg in seinem Plädoyer.

Gericht rät eindringlichzu einer Therapie

Eine mögliche, gerichtlich bestimmte Unterbringung in einer sozialtherapeutischen Anstalt als Sonderform des Strafvollzuges lehnte das Gericht nach kurzer Prüfung ab, da die Handlungen des Angeklagten nicht unter die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen fallen.

Das Jugendschöffengericht verurteilte den Angeklagten schließlich wegen exhibitionistischen Handlungen zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe. Eine seelische Abartigkeit nach dem Strafgesetzbuch liege bei dem 31-Jährigen zwar nicht vor, dafür jedoch eine starke exhibitionistische Neigung, die den Täter immer wieder antreibe, erklärte Richter Boesken und riet eindringlich zu einer Therapie.

Andernfalls sei „die Möglichkeit zur Resozialisierung sehr fraglich“, schloss der vorsitzende Richter.

von Ina Tannert

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