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Exhibitionist bleibt in der Psychiatrie

Gericht Exhibitionist bleibt in der Psychiatrie

Ein wegen mehrfacher sexueller Handlungen und Übergriffen in der Öffentlichkeit angeklagter 37-Jähriger aus Somalia ist nicht schuldfähig und wird weiterhin im Maßregelvollzug in der Vitos-Klinik Haina bleiben.

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Das Landgericht Marburg befasste sich mit mehren Fällen von Exhibitionismus – und mit einem verwirrten Angeklagten.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Der Fall wurde am zweiten Verhandlungstag unter Vorsitz von Richter Thomas Wolf abgeschlossen. Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier und Rechtsanwalt Peter Thiel, waren sich bereits über die Schuldunfähigkeit und die Form der Unterbringung einig gewesen (die OP berichtete). Verhandelt wurden Vorfälle, die sich in Marburg und in Cölbe zugetragen hatten - dabei ging es vor allem um öffentliche sexuelle Übergriffe.

Ausschlaggebend für den Urteilsspruch war vor allem der noch einmal ausführlichere Bericht des psychologischen Gutachters an diesem zweiten Verhandlungstag.

„Nach meiner Erfahrung mit dem Angeklagten, der sich nun seit sechs Monaten in unserer Einrichtung befindet, bin ich davon überzeugt, dass seine klar erkennbare paranoide Schizophrenie meinen Patienten bei allen Vorfällen, die ihm zur Last gelegt werden, maßgeblich beeinflusst hat. In seiner Vorstellung ist er ein Prophet, der die Botschaften seiner Lichtstimmen, die er hört, auf diese Weise in die Welt bringen muss“, sagte der Experte.

Der aus Somalia über die Vereinigten Arabischen Emirate nach Deutschland geflohene Mann war bereits mehrfach, auch schon bei seinen früheren Einreiseversuchen, durch verwirrtes Verhalten auffällig geworden. Nachdem er 2013 bei seinem dritten Versuch eine vorübergehende Aufenthaltsgenehmigung erlangte, wurde er auch in gemeinschaftlichen Wohneinrichtungen übergriffig, bis er im Herbst des vergangenen Jahres schließlich mehrfach öffentlich onanierte, Frauen auf offener Straße festhielt und sexuell belästigte. Verletzt wurde dabei niemand, in sämtlichen Fällen konnten die Frauen entweder selbst flüchten oder der stark verwirrte Täter problemlos von Passanten verjagt werden. „All diese Vorfälle passen auch zu meiner Einschätzung, dass sein Unrechtsbewusstsein, sein Schamempfinden und die Art und Weise, wie er die Reaktionen seiner Mitmenschen interpretiert, stark gestört sind. Seine unmittelbaren sexuellen Wünsche versucht er sofort zu befriedigen. Dabei ist er stets davon überzeugt, dass diese Handlungen dem prophetischen Ziel, der Welt die Liebe zu bringen, dienlich sind“, führte der Gutachter aus und berichtet, dass der Angeklagte auch im geschlossenen Vollzug immer wieder „ bizarres Verhalten“ zeige, in Tücher gewickelt umherlaufe oder nachts so tue, als würde er jemandem helfen, sein Auto zu parken. „Darüber hinaus gab es auch einen Selbstmordversuch, bei dem er sich mit einem scharfen Gegenstand die Arme aufgeschnitten hat, andere hat er aber nie wirklich verletzt, es scheint eher so, als ob er durch das Festhalten versuchen würde, über seine Lichtstimmen einen telepathischen Kontakt herzustellen“, führte der Gutachter weiter aus.

Da aus Sicht des Experten eine ambulante Therapie oder die Unterbringung in ein Gefängnis nicht vertretbar waren, wurde eine Fortsetzung des Maßregelvollzugs in der Vitos Klinik auf unbestimmte Zeit beschlossen. Die bisherige Gesprächstherapie im Verbund mit Medikamenten zeigte bereits erste leichte Verbesserungen, als Nächstes steht nun zunächst versuchsweise der Einsatz wirksamerer Psychopharmaka an.

Vor dem Urteil äußerte sich der Angeklagte, der bis dato die Verhandlung schweigend hingenommen hatte, zum ersten Mal selbst. „Das Mädchen hatte geweint. Ich wollte ihm nichts tun. Ich wollte nur helfen.“ Auf welchen Vorfall er sich bezog, oder ob es eine entsprechende Situation überhaupt gegeben hatte, wurde dabei nicht klar.

von Marcus Hergenhan

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