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"Es wird mehr gelesen als je zuvor"

Buchmesse "Es wird mehr gelesen als je zuvor"

Seit Mittwochmorgen hat die 68. Frankfurter Buchmesse ­geöffnet, zunächst nur für Fachpublikum. Doch wer greift heute eigentlich noch nach einem Buch? Wie und was wird gelesen? Die OP hat sich umgehört.

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 Eine Verlagsmitarbeiterin zeigt der Frankfurter Buchmesse einer Kundin ein Kinderbuch.

Quelle: Frank Rumpenhorst

Marburg. Zuerst einmal die gute Nachricht: „Es wird mehr gelesen als je zuvor.“ Das zumindest behauptet der Marburger Literaturwissenschaftler Professor Jürgen Joachimsthaler. Die Verkaufszahlen aus dem deutschen Buchhandel belegen seine These: Zwar schloss die Buchbranche laut Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels das vergangene Jahr mit einem leichten Minus ab: Die Einnahmen sind um 1,4 Prozent gefallen – von 9,32 auf 9,19 Milliarden Euro. Im Vergleich der letzten zehn Jahre sind die Umsätze der Branche aber stabil geblieben. „Die Literatur nimmt nicht ab an Bedeutung – egal ob in digitaler oder in gedruckter Form“, beobachtet Christian Heinritz von der Buchhandlung des Francke-Verlags in Marburg. Es sei kein Geheimnis, dass der Verkauf von ­E-Books zugenommen habe. „Aber längst nicht so stark wie prognostiziert.“

Dies bestätigt auch Annette Schüren vom Schüren-Verlag: „E-Books spielen nicht so eine große Rolle. Es gibt etliche Titel, die wir in gedruckter Form herausgebracht haben und die sich genauso gut verkaufen.“
Was gelesen wird, wird in hohem Maße durch die Medien bestimmt. „Wir können feststellen, dass vor allem solche Bücher gelesen werden, auf die öffentlich hingewiesen wird, zum Beispiel nach Bekanntgabe des Deutschen Buchpreises“, so Professor Joachimsthaler.

Sachbücher mit Unterhaltungswert

Was das Leseverhalten ihrer Kunden angeht, beobachtet Annette Schüren einen „Trend Richtung Häppchen. Früher haben sich Fachbücher deutlich besser verkauft, als heute.“ Heutzutage seien Sachbücher immer noch beliebt, allerdings nur, wenn sie einen bestimmten Unterhaltungswert haben. Das bestätigt auch Joachimsthaler: „Sachbücher über Medizin, Sport und Ernährung verkaufen sich inzwischen sehr gut, vor allem dann, wenn sie in unterhaltsamer Form geschrieben sind.“ Bestes Beispiel: Giulia Enders‘ „Darm mit Charme“, das 2014 in Deutschland mit über einer Million Exemplaren das meistverkaufte Hardcover-Sachbuch war und in 26 Länder verkauft wurde.  „Die Frage ist also nicht, ob sondern vielmehr was und wie gelesen wird“, so Joachimsthaler. Fest steht: Das Internet hat das Leseverhalten stark verändert. „Viele hüpfen durch die Texte und springen von einem Link zum anderen.“ Das führe dazu, dass zwar viel aber oberflächlicher gelesen werde.

Der Professor, der seit 1984 an der Universität lehrt, stelle seit knapp fünf Jahren fest: „Manche Studenten haben Schwierigkeiten, längere und komplexere Texte zu verstehen. Das ist ein neues Phänomen – besonders unter Germanisten.“
Literatur habe nach wie vor eine große Bedeutung für die Gesellschaft: „Lesen führt im Idealfall dazu, dass man komplexere Strukturen durchschauen kann. Dadurch macht man sich weniger manipulierbar. Wer gelernt hat, mit Texten umzugehen, ist auch in der Lage, Handlungen zu durchschauen.“

von Ruth Korte

 
Sie wollen zur Buchmesse?

Am Wochenende öffnet die Frankfurter Buchmesse ihre Tore für Buch- und Medieninteressierte. Die Öffnungszeiten sind am Samstag von 9 bis 18.30 Uhr und Sonntag von 9 bis 17.30 Uhr. Eine Tageskarte ­kostet 19 Euro (ermäßigt 13 Euro), ein Wochenendticket 28 Euro. Für Kinder bis einschließlich 6 Jahre ist der Eintritt frei.

Das Messegelände liegt verkehrsgünstig an der Autobahn und ist überall bestens ausgeschildert. Um die Umwelt und Ihre Nerven zu schonen, empfiehlt die Frankfurter Buchmesse jedoch die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Vom Frankfurter Hauptbahnhof fahren vier S-Bahnlinien bis zur Haltestelle „Messe“ (Eingang Torhaus): S3 Richtung Bad Soden, S4 Richtung Kronberg, S5 Richtung Friedrichsdorf und die S6 Richtung Friedberg. Mit der U4 ab Hauptbahnhof (Richtung Bockenheimer Warte) erreichen Sie das Eingangsterminal City in weniger als 5 Minuten (Haltestelle „Festhalle/Messe“). ­

Außerdem können Sie am Hauptbahnhof die Straßenbahnlinie 16 (Richtung Ginnheim) oder 17 (Richtung „Rebstockbad“ zum Messegelände nehmen.

 
 
Umfrage: Was lesen Sie gerade?

Peter Knoche (52): „Ich lese gerade „Todeswunsch“ von Michael Robinson. Thriller lese ich am liebsten, aber auch politische Bücher über aktuelle Themen. Dazu benutze ich ein blindengerechtes Hörformat namens „Daisy“. Literatur ist für mich sehr gute Unterhaltung, auf die ich selbst Einfluss habe. Ich muss nicht alles nehmen, was mir vorgesetzt wird.“

 

Anna-Lena Wirth (19): „Ich habe nicht viel Zeit zum Lesen, lese aber zwischendurch gern Romane, die gerade populär sind. Ich habe zum Beispiel „Die Tribute von Panem“ gelesen, ansonsten viel christliche Literatur. Ich lese jeden Tag in der Bibel. Am liebsten halte ich ein richtiges Buch in der Hand. Lesen ist für mich sehr wichtig und nichts selbstverständliches."

 

 

Vladislav Kargapolov (19): „Ich lese gerade „tschick“ von Wolfgang Herrndorf, um mein Deutsch zu verbessern. Ich lese fast ausschließlich E-Books. Ich lese gern moderne Literatur, Bücher über alltägliche Probleme. Ich halte Literatur für sehr wichtig. Dadurch lerne ich beispielsweise, Fehler, die die Protagonisten im Buch machen, im eigenen Leben zu vermeiden.“

 

Katja Brunke (48) : „Ich lese gerade „ein verhängnisvoller Sommer“ von Stuart Nadler. Generell lese ich gerne Krimis, aber auch Biografien und historische Bücher. Normalerweise lese ich ein Buch pro Woche, am liebsten gedruckt. Lesen ist total wichtig für mich. Für mich bedeutet das Lesen, mich zu entspannen, aber auch, mich zu informieren.“

Max (12): „Ich lese gerade den vierten Teil von Harry Potter, „Harry Potter und der Feuerkelch“. Solche Fantasy-Romane lese ich generell sehr gerne. Ich lese etwa alle zwei Wochen ein Buch. Es gefällt mir am Lesen, in eine Geschichte einzutauchen und mich in die Menschen, um die es geht, hineinzuversetzen und nachzuempfinden, wie es ihnen geht.“

Fotos: Ruth Korte
 
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