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„Es werde Licht“ - egal wie

Neues Gesetz „Es werde Licht“ - egal wie

Den Helm angezogen, das Licht ans Fahrrad geklemmt und los geht es. Vorbildlich - und seit Juli auch legal. Was viele nicht wissen: erst seit Kurzem ist es gesetzlich erlaubt, den Dynamo durch Batterieleuchten zu ersetzen.

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Dreht sich das Rad, leuchtet das Licht – dank des Dynamos. Ein neues Gesetz macht dem Dynamo nun legal Konkurrenz. Seit Juli sind Batterieleuchten offiziell erlaubt.Foto: Hans Snoek/pixelio

Früher - da war alles besser. Oder zumindest einfacher. Da wurde der Dynamo an den Reifen angelehnt, es wurde gestrampelt und der elektrische Generator, der über Kabel mit der Vorderleuchte verbunden war, erzeugte Licht. Batterieleuchten gab es noch nicht. Die Qual der Wahl erst recht nicht. Mittlerweile besitzen nur noch wenige Räder einen Dynamo. Batteriebetriebene Leuchten gehören zur Standardausrüstung eines sicherheitsbewussten Radlers. Aber erst Anfang Juli hat der Bundesrat das Gesetz verabschiedet, dass ein Dynamo am Fahrrad nicht länger Pflicht ist und Batterieleuchten nicht länger gegen das Gesetz verstoßen. Nun ist also erlaubt, von dem viele noch nicht mal wussten, dass es verboten war.

Nur für Rennradfahrer ist die Neuregelung ein alter Hut. Sofern ein Rennrad unter elf Kilo wog, durfte auf den Dynamo verzichtet und die Leuchte mit einer Batterie betrieben werden. Helmut Glock, Inhaber des Ladens „Radsport Glock“, hat für die verspätete Neuregelung nur wenig Verständnis: „Was hat das Gewicht eines Rades mit der Sicherheit zu tun?“ Das Gesetz sei längst überfällig. Schließlich seien weder bei Rennrädern noch bei Mountainbikes seitens der Hersteller Leuchten vorgesehen. Erst durch das neue Gesetz wird so das Bestreben nach einer sicheren Teilnahme am Straßenverkehr auch legal.

Batterie leer: Sicherheitdurch regelmäßige Kontrolle

Aber Licht ist nicht gleich Licht. Was wäre eine Gesetzesänderung ohne eine Gesetzeserweiterung? Lampen, die mit Batterien betrieben werden, müssen mit dem „StVZO“ Siegel zertifiziert sein. „Dieses entspricht der ‚Straßenverkehrszulassungsordnung‘“, erklärt Glock. Problematisch seien blinkende oder flackernde Leuchten, da diese andere Straßenverkehrsteilnehmer irritieren und somit gefährden. Trekkingräder, so der Rad-Experte weiter, seien grundsätzlich mit einem Nabendynamo ausgestattet. Dieses System stamme aus England und etabliere sich immer mehr in Deutschland. „Der Dynamo sitzt in der Nabe des Vorderrads und ist über Kabel mit der vorderen Leuchte verbunden“, erläutert Helmut Glock.

Auch die neunjährige Mila Szegedi hat sich - streng genommen - in der Vergangenheit strafbar gemacht. Trotz Helm, den sie immer trägt. Trotz Batterieleuchte, die sie für andere Verkehrsteilnehmer sichtbar machen. „Ich habe immer eine Leuchte mit Batterie ans Rad angeklemmt, damit ich gesehen werde“, erklärt sie. Vorbildlich. Und bis vor kurzem illegal. Glock sieht den größten Vorteil in den Batterieleuchten konstant bleibenden Lichtkegel. Zumindest so lange, wie die Batterien mitspielen. Pech nur für den, der die Ersatzbatterien vergessen hat. Der kann neidisch zum Nebenmann schielen, dessen Dynamo für Licht sorgt, sobald sich das Rad dreht. Helligkeit im Tausch gegen Muskelkraft. Dumm nur: je langsamer geradelt wird, desto unbeständiger leuchtet auch das Licht.

Gesetzesregelung hin oder her. Helmut Glock kann bei so viel Bürokratie nur müde lächeln. Schließlich sei in der Diskussion anderer Aspekt in den Hintergrund gerückt. Nicht die Frage, welches Licht für die nötige Sicherheit sorgt, sollte debattiert werden. Vielmehr die Frage, wieso sich zahlreiche Radler ohne Beleuchtung in den Straßenverkehr wagen. Die Ausrede, dass sie sich mit Licht strafbar machen würde, ist seit Juli verbrannt

Katharina Stürzl

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