Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
„Es war eine schlechte Zeit“

Ehepaar wegen Sozialbetrugs vor Gericht „Es war eine schlechte Zeit“

4050 Euro an Mehreinnahmen vom Kreisjobcenter verzeichnete ein junges Ehepaar aus Neustadt dadurch, dass es einen Minijob nicht angab.Deshalb werden beide jetzt zur Kasse gebeten.

Voriger Artikel
Laumer wechselt ins Landratsamt
Nächster Artikel
Täter erbeutet Geldbörse und Handy

Ein Ehepaar kassierte zu Unrecht von der Stadtallendorfer Außenstelle des Kreisjobcenters 4 050 Euro. Foto: Matthias Mayer

Kirchhain. Das Amtsgericht unter Vorsitz von Joachim Filmer verhängte der Frau eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen à zwölf Euro, dem Mann gar 100 Tagessätze à zwölf Euro. Der 22-Jährige war im Zeitraum vom 1. Oktober 2011 bis zum 28. März 2013 auf 400-Euro-Basis angestellt, erhielt jedoch parallel die Sozialhilfe-Bezüge vom Kreisjobcenter wie ein Langzeit-Arbeitsloser. Dadurch strichen die Angeklagten insgesamt über 4000 Euro aus öffentlicher Hand mehr ein, als ihnen eigentlich zustand.

Aktuell sind die beiden dabei, das Geld zurückzuzahlen. Die Erklärung für das Vergehen, durch Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erzeugt zu haben, klang für Richter Filmer nur wenig überzeugend. Zunächst behauptete die 20-jährige Frau, sie seien der Meinung gewesen, den Job angegeben zu haben. Kurze Zeit später sagte sie: „Es war eine schwere Zeit. Wir haben das Ganze schleifen gelassen und uns nicht darum gekümmert.“

Beide Angeklagte, deren zwei gemeinsame Kinder zurzeit in einer Pflegefamilie leben, waren bereits strafrechtlich aufgefallen und vorbestraft. Die Frau hat von 2008 unter anderem wegen Körperverletzung einen Eintrag im Vorstrafenregister, bei ihrem Gatten ist die Liste sogar deutlich länger. Diebstahl, Betrug, Leistungserschleichung sowie Körperverletzung nannte Filmer.

Der Einladung zu einem Gespräch mit einem Vertreter des Jugendamts, das über die Einschätzung der persönlichen Reife Aufschluss geben sollte, waren die Neustädter nicht gefolgt. „Das stützt nicht gerade den Eindruck Ihrer Zuverlässigkeit“, erklärte Filmer mit Blick auf das Bekunden der Frau, ihre beiden Kinder in möglichst naher Zeit wieder selbst zu betreuen.

Für eine Anwendung des Jugendstrafrechts sah der Richter nach den Erkenntnissen der Verhandlung keine Anhaltspunkte. Er machte deutlich, dass das Urteil für den Mann auch deutlich höher hätte ausfallen können. Mit seinen Straftaten müsse jetzt Schluss sein, betonte Filmer. Da er aber ohnehin davon ausgehe, dass die Frau, die in Teilzeit als Gebäudereinigerin arbeitet, den Löwenanteil der Strafe zahlen müsse, beließ er es für den 22-Jährigen bei 100 Tagessätzen.

von Yanik Schick

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr