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"Es ist nicht alles schlecht"

Nordviertel "Es ist nicht alles schlecht"

In seinem Sachstandsbericht zur neuen Verkehrsführung im Nordviertel setzte sich Oberbürgermeister Egon Vaupel am Dienstagabend auch mit vielen Argumenten von OP-Lesern auseinander.

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Streitpunkt Robert-Koch-Straße: Viele Marburger kritisieren die Aufhebung der Einbahnstraßenregelung.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Es ist nicht alles schlecht, aber es gibt noch viele Probleme“, sagte Vaupel am Dienstagabend im Umwelt- und Verkehrsausschuss. Insbesondere der Rückstau in der Banhofstraße stadteinwärts sei ein Problem, weil die Schlangen bis zur Abfahrt von der B3 reichen. Als Ursache für den Rückstau hat der Verkehrsdezernent die Ampelschaltung an der neuralgischen Kreuzung Bahnhofstraße/Robert-Koch-Straße/Rosenstraße ausgemacht: Bei „Grün“ für Rechtsabbieger von der Bahnhofstraße könnten die Pkw oft dennoch nicht fahren, weil auch die Fußgängerampel „Grün“ zeigt. Änderungen sollen so schnell wie möglich umgesetzt werden.

Tatsächlich gibt es nur noch eine Spur stadteinwärts - statt vorher deren zwei. Grund sind die Fahrrad-Schutzstreifen auf beiden Seiten der Bahnhofstraße, aber auch der Raumbedarf für Busse, die von der Robert-Koch-Straße in die Bahnhofstraße rechts abbiegen. Dank der Gegenverkehrsregelung können die Busse am Ende der Robert-Koch-Straße vor dem Abbiegen nun nicht mehr nach links ausholen und geraten deswegen auf der Bahnhofstraße weiter in Richtung Straßenmitte.

Frank Wilser, Anwohner in der Uferstraße, nennt die neuen Regelungen im OP-Gespräch „Polit-Diktatur“. Die Rückstaus, die Verkehrsführung und der Umbau der Robert-Koch-Straße als solcher seien eine „massive Beeinträchtigung für Anwohner“. Es sei keine Stärkung, sondern „die Zerstörung der Nordstadt. Die letzten paar Geschäfte werden kaputtgemacht. Jetzt schon leiden viele unter der Entwicklung“, sagt Wilser. Da die kleinen Läden ohnehin um Kundschaft kämpfen, seien sie „unbedingt auf Parkplätze angewiesen“.

Vaupel lässt dieses Argument nicht gelten. Er spricht von insgesamt 16 weggefallenen Parkplätzen - und macht folgende Gegenrechnung auf: Im DVAG-Parkhaus in der Furthstraße habe es am Dienstagabend zur Rush-Hour-Zeit 120 freie Stellflächen gegeben.

Der durch die neue Verkehrsregelung bedingte Wegfall von Stellflächen habe aber „die Parkplatzsuche in die Uferstraße verdrängt, wo Anwohner - die für ihren Parkausweis Geld an die Stadt zahlen - keine Stellflächen mehr finden“, sagt Wilser. Die Anwohner über die möglichen bevorstehenden Probleme nicht zu informieren, sei „Diletantismus sondersgleichen“.

Die „richtige Katastrophe“ stehe erst noch bevor: Während des Umbaus des Rudolphsplatzes und der Sanierung der Weidenhäuser Brücke, die voraussichtlich nächstes Jahr beginnt. „Alles, der gesamte Verkehr wird dann über die Bahnhofstraße gehen“, sagt er. Ähnliche Befürchtungen äußerte zuletzt der CDU-Stadtverordnete Joachim Brunnet. Vaupel sieht diese Probleme nicht. Seine Erfahrungen bei zwei „Fahrversuchen“ am Dienstag zwischen 16.30 und 17.30 Uhr und die vieler Rückmeldungen ergaben:

Fahrtzeit von der Neuen Kasseler Straße bis zur Biegenstraße zwischen sechs und acht Minuten; die Verkehre in Robert-Koch-Straße, Deutschhausstraße und Biegenstraße laufen „optimal“, sprich ohne große Störungen, die Radstreifen werden genutzt. Aus Richtung Wehrda könne man nun ohne große Wartezeiten durch die Elisabethstraße fahren.

 

Idee: Kreisel statt Ampel an der Kreuzung

Viele OP-Leser setzen sich auch auf Facebook weiter mit dem Thema auseinander. „Einspurig in der Bahnhofstraße geht nun mal nicht, durch die neue Verkehrsführung und das Umfahren des Bahnhofs wird es nur noch schlimmer. Dies ist keine Lösung, das ist ein neu geschaffenes großes Verkehrsproblem in ganz Marburg“, schreibt Ben Dechert.

„Der Feierabendverkehr setzt diesem Theater noch die Krone auf. Aus der Deutschhausstraße braucht man, von der Biegenstraße kommend, fast eine Viertelstunde bis zur Kreuzung Rosenstraße/Bahnhofstraße“, schreibt Rubens-Yanes Tittel, der auch eine Lösung über Kreisverkehre statt Ampelschaltungen favorisiert.

Vaupel erinnert daran, dass Ziel des Verkehrsentwicklungsplans Nord und des jetzt begonnenen Verkehrsversuchs gewesen sei, Verbesserungen in der Aufenthaltsqualität im Quartier, aber auch Verbesserungen in der Erreichbarkeit für die Verkehre zu erreichen - „und zwar für alle Verkehre“, wie er hinzufügte.

CDU-Verkehrsexperte Joachim Brunnet forderte im Ausschuss dagegen die sofortige Beendigung des Verkehrsversuchs. Staus im Nordviertel seien an der Tagesordnung, sagte der Christdemokrat.

„Es ist absurd zu glauben, man könne mit dem Auto heute noch mit 50 Stundenkilometern durch die Innenstadt fahren, ohne anhalten zu müssen“, entgegnete Henning Köster (Marburger Linke). Er warf der CDU vor, ausschließlich den Autoverkehr im Fokus zu haben. Für Radfahrer und Fußgänger seien unzweifelhaft große Verbesserungen erreicht worden, sagte Köster. Seine Fraktion will nun als nächsten Schritt die Umwandlung der Elisabethstraße in eine Umweltstraße erreichen. Für die Fortsetzung des Verkehrsversuchs plädiert auch die AG Verkehr der Lokalen Agenda. Sprecher Wolfgang Schuchart sagte, die Ergebnisse seien trotz einiger Probleme positiv zu bewerten.

„Gott sei Dank ist es nur ein Katzensprung bis Gießen“

„Hier tut man doch alles, um die Autofahrer und den Handel zu schädigen. Gott sei Dank ist es bis Gießen nur ein Katzensprung“, schreibt Jürgen Meyfarth auf Facebook.

„Früher ging es doch auch in beide Richtungen, warum heute nicht? Die Bahnhofstraße müsste auch ganz für den Gegenverkehr frei sein, dann wäre die Elisabethstraße nur für Busse frei“, schreibt Peter Seifert. „Die verzweifelten ‚Neue-Kasseler-Straße-Stau-Steher‘ versuchen jetzt ihr Glück, indem sie durch die Alte Kasseler Straße fahren - das ist einfach alles nur Irrsinn. Der Verkehr wird von einer Ecke in die nächste verschoben“, schreibt Sabine Weintraut.

Jedoch finden sich auch Unterstützer der Verkehrsreform: „Ich bin für den Umbau, so hat man dann zwei Möglichkeiten vom Hauptbahnhof in die Innenstadt zu kommen und nicht immer über die vollgestopfte Elisabethstraße zu fahren“, schreibt etwa Andi Hohenhaus.

von Björn Wisker und Till Conrad

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