Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
„Es gibt keine Verschwörung“

Geldstrafe für 26-Jährigen „Es gibt keine Verschwörung“

Mit einem obszönen falschen Internetprofil, unwahren Angaben gegenüber der Polizei sowie wiederholten Belästigungen machte ein Student aus Marburg mehreren Frauen das Leben schwer.

Voriger Artikel
Marburgerin hofft auf Gesangskarriere
Nächster Artikel
Dechant Langstein verlässt Marburg

Zahlreiche junge Frauen sind wiederholt mit beleidigenden und bedrohlichen E-Mails und SMS belästigt worden.

Quelle: Archiv-Themenfoto

Marburg. Über Monate hinweg hatte der Angeklagte eine Mitstudentin kontaktiert und belästigt, griff sie Anfang 2013 an und unterstellte ihr gegenüber der Polizei fälschlich Selbstmordabsichten. Das Amtsgericht verurteilte den 26-Jährigen wegen Nötigung, falscher Verdächtigung und Verleumdung zu einer Geldstrafe.

Am Dienstag sagte eine letzte Zeugin aus. Da die junge Frau im Vorfeld bereits unentschuldigt nicht vor Gericht auftauchte, wurde sie von der Polizei in den Verhandlungssaal gebracht. Sie sei aus Angst vor dem Angeklagten nicht erschienen, erklärte die 27-Jährige. Den 26-Jährigen kannte sie nicht, wohl aber die Geschädigte, welche ihr von den Übergriffen des jungen Mannes erzählt habe. Die Zeugin bestätigte, dass sie die Freundin vor etwa zwei Jahren zur Polizeistation Gießen begleitet hatte. Kurz zuvor sei die Geschädigte in ihrem Beisein zusammengebrochen, habe ihr unter Tränen mitgeteilt, dass sie seit einiger Zeit von dem Angeklagten massiv bedrängt werde. Zu Beginn sei der Kommilitone nett gewesen, die Bekanntschaft habe sich jedoch „in eine komische Richtung“ entwickelt.

Die Polizei benachrichtigt hatte die Geschädigte, nachdem sie wiederholt bedrohliche, teils anonyme Nachrichten und Anrufe erhalten hatte. Anfang 2013 wurde sie von dem Angeklagten in der Universität bedrängt, er versuchte sie zu einem Gespräch zu zwingen. Kurze Zeit darauf berichtete er der Polizei Gießen von einer angeblichen Suizidabsicht der Studentin. Diese wurde von den Beamten überprüft und konnte nicht bestätigt werden (die OP berichtete).

Er habe sich „als guter Freund“ lediglich Sorgen um die Bekannte gemacht, widersprach der Angeklagte und warf der Geschädigten wiederholt Manipulation vor. Darüber hinaus habe eine weitere Zeugin gegen ihn ein Komplott in die Wege geleitet, zahlreiche andere junge Frauen zur Falschaussage angestiftet. Auch das Erstellen eines falschen, obszönen Internetprofils, in dem eine weitere Zeugin zu sexuellen Handlungen einlud, stritt er ab.

Während des mehrere Monate andauernden Prozesses hatten zahlreiche junge Frauen von wiederholten beleidigenden und bedrohlichen E-Mails und Nachrichten eines anonymen Verfassers berichtet. Erschwert wurde der Prozess durch fehlende oder nicht erschienene Zeugen sowie nicht zuletzt durch die Anonymität des Internets. Um Klarheit in dem lange Zeit ungewissen Fall zu erreichen, lud das Gericht mehrere weitere Zeugen, ließ Computer, Internetanschluss und Mobiltelefon des Angeklagten überprüfen.

Angeklagter fällt Richter ins Wort: Ordnungsgeld

„Wir haben hier eine Aussage-gegen-Aussage-Situation“, fasste Staatsanwalt Sebastian Brieden den Prozess zusammen. Die umfangreiche Beweisaufnahme, glaubhafte Zeugenaussagen sowie die Überprüfung des Internetanschlusses des Studenten hätten dessen Schuld im Rahmen einer Gesamtwürdigung jedoch belegt. „Es gibt keine Verschwörung“, betonte der Staatsanwalt. Lediglich der Anklagepunkt der mittelbaren versuchten Freiheitsberaubung durch polizeiliche Maßnahmen konnte vor Gericht nicht erwiesen werden.

Bis zuletzt wandte sich der Angeklagte gegen die Vorwürfe und forderte einen Freispruch nach dem juristischen Grundsatz „in dubio pro reo“ (im Zweifel für den Angeklagten). „Es gibt keine Beweise, nur Vermutungen“, sagte der Student und beschuldigte die Prozessbeteiligten lautstark der Manipulation, bestand auf einer Verschwörung gegen ihn und verhielt sich mehrfach ungebührlich vor Gericht. Auch während der Urteilsverkündung fiel er Strafrichter Dominik Best ins Wort. Dieser schob dem Verhalten des 26-Jährigen schließlich einen Riegel vor und brummte ihm ein erstes Ordnungsgeld von 100 Euro auf.

Richter Best verurteilte den Studenten schließlich wegen Nötigung, falscher Verdächtigung und Verleumdung zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu jeweils 15 Euro, also insgesamt 1 200 Euro. „Ein Argument wird nicht dadurch besser, dass man es wiederholt“, stellte der Richter klar. Nach einem weiteren wortreichen Aufbegehren des Angeklagten folgte ein zweites Ordnungsmittel von weiteren 150 Euro. Nach der gerichtlichen Androhung von Ordnungshaft bei einer neuerlichen Störung verließ der Verurteilte wutentbrannt den Gerichtssaal.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr